Barkow Leibinger und capattistaubach: Architektur zwischen Präzision, Material und Stadtraum
Berliner Büro mit internationaler Handschrift
Barkow Leibinger gehört zu den Architekturbüros, die Berlin international sichtbar machen. Seit der Gründung 1993 führen Frank Barkow und Regine Leibinger das amerikanisch-deutsche Büro mit Sitz in Berlin. Die Arbeit des Büros bewegt sich zwischen Architektur, Forschung, Lehre und Materialexperiment – und verbindet gestalterische Ambition mit hoher technischer Präzision.
Regine Leibinger, in Berlin ausgebildet und später auch als Professorin an die Technische Universität Berlin zurückgekehrt, steht für eine Haltung, die Detailgenauigkeit, konstruktives Denken und Experimentierfreude zusammenführt. Diese Verbindung prägt zahlreiche Projekte des Büros – von Berliner Bauten wie dem Tour Total nördlich des Hauptbahnhofs, dem John Jahr Haus an der Kurfürstenstraße oder dem Estrel Tower in Neukölln bis hin zu internationalen Projekten wie dem Harvard ArtLab in Cambridge, dem Sid Richardson Residential College der Rice University in Houston oder dem TRUTEC-Bürogebäude in Seoul.
Vom Material zur Stadt
Barkow Leibinger arbeitet häufig an der Schnittstelle von Gebäude, Konstruktion und Nutzung. Das Büro plant öffentliche Gebäude, Büro- und Wohnbauten, Industrie- und Produktionsgebäude sowie langfristige Masterpläne für Unternehmensstandorte. Gerade diese Bandbreite macht den Ansatz für die Urbane Mitte Süd interessant. Denn am Gleisdreieck geht es nicht nur um eine architektonische Form, sondern um einen belastbaren Stadtbaustein, der unterschiedliche Nutzungen, Maßstäbe und Bewegungsräume verbinden muss.
Charakteristisch ist eine Architektur, die Material nicht nur als Oberfläche versteht. Konstruktion, Fassade, Tragwerk und räumliche Organisation greifen bei Barkow Leibinger eng ineinander. Diese Präzision kann an einem Ort wie der Urbanen Mitte Süd besondere Bedeutung gewinnen: Das Areal verlangt nach Gebäuden, die sichtbar sind, aber nicht beliebig wirken; nach urbaner Dichte, die strukturiert bleibt; und nach Räumen, die langfristig flexibel genutzt werden können.
Nachhaltigkeit als konstruktive Aufgabe
Die ESG-Linie von Barkow Leibinger liegt stark in der Verbindung von Materialbewusstsein, Energieeffizienz und dauerhafter Nutzbarkeit. Das Büro versteht Nachhaltigkeit als strategisches Kernthema und betont dabei insbesondere den ressourcenschonenden Materialeinsatz sowie die Entwicklung anpassungsfähiger Architektur. Aktuell entsteht in Stuttgart nach einem Entwurf von Barkow Leibinger Europas größtes Gebäude aus Lehmsteinmauerwerk: Das neue Besucher- und Informationszentrum der Weissenhofsiedlung soll im kommenden Jahr im Rahmen der IBA’27 eröffnet werden.
Auch Berliner Projekte zeigen diese Richtung. Der Estrel Tower verbindet unterschiedliche Nutzungen – Hotel, Long-Stay-Apartments, Büroflächen, Gastronomie und Veranstaltungsbereiche – in einer flexiblen Struktur. Für das Projekt werden unter anderem CO₂-neutrale Fernwärme, Wasserrückhaltung auf dem Grundstück, begrünte Dächer mit Photovoltaik, Fahrradparkhäuser und die Nutzung einheimischer Hölzer und recycelter Baustoffe als Nachhaltigkeitsbausteine genannt; angestrebt wird eine LEED-Platinum-Zertifizierung.
Urbane Landschaften als aktiver Bestandteil
Mit capattistaubach urbane landschaften ergänzt ein Berliner Büro das Team, das sich ausdrücklich mit privaten und öffentlichen Außenräumen beschäftigt. Das Büro mit Sitz am Mariannenplatz versteht sich als gestaltungsorientierter Akteur für urbane Landschaften und verfügt über Erfahrung mit Wettbewerbsprojekten, öffentlichen Räumen und Freiraumgestaltungen.
Für die Urbane Mitte Süd ist dieser Freiraumbezug zentral. Das Areal am Gleisdreieck braucht nicht nur Architektur, sondern Räume, die Klimaresilienz, Durchwegung, Aufenthalt und soziale Nutzbarkeit herstellen. Freiraum wird hier zum verbindenden Element zwischen Park, Stadt, Infrastruktur und künftigen Nutzungen.
Präzision trifft Landschaft
Das Team aus Barkow Leibinger und capattistaubach bringt damit zwei Perspektiven zusammen, die für die Urbane Mitte Süd besonders relevant sind: architektonische Präzision und urbane Landschaft. Am Gleisdreieck entscheidet sich die Qualität des künftigen Quartiers nicht allein an einzelnen Gebäuden. Entscheidend wird sein, wie Konstruktion, Nutzung, Freiraum und Stadtraum zusammenwirken – und ob daraus ein Ort entsteht, der Dichte, Nachhaltigkeit und Alltagstauglichkeit überzeugend verbindet. (eg)