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Grüntuch Ernst Architekten: Stadtumbau mit Klimaintelligenz
Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst von Grüntuch Ernst Architekten | Bernd Bauerochse

Grüntuch Ernst Architekten: Stadtumbau mit Klimaintelligenz

03. Juni 2026

Architektur als Transformation

Grüntuch Ernst Architekten gehören zu den Berliner Büros, die Stadtentwicklung besonders stark über Transformation denken. Das 1991 von Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst gegründete Büro arbeitet an der Schnittstelle von Architektur, Städtebau und urbaner Erneuerung. Dabei geht es selten nur um neue Gebäude. Oft steht die Frage im Mittelpunkt, wie bestehende Strukturen weiterentwickelt, neu codiert und für heutige Nutzungen geöffnet werden können.

Für die Urbane Mitte Süd am Gleisdreieck ist dieser Ansatz besonders relevant. Das Areal liegt an einer Schnittstelle aus Geschichte, Infrastruktur, Freiraum und künftiger Nutzung. Hier braucht es keine Architektur, die nur Fläche besetzt, sondern Konzepte, die den Ort lesen können: seine Brüche, seine Maßstäbe, seine Wegebeziehungen und seine besondere Lage zwischen Park, Technikmuseum und Stadt.

Berliner Projekte mit Haltung

Grüntuch Ernst Architekten haben in Berlin zahlreiche Projekte realisiert, die zeigen, wie sich Stadt verdichten lässt, ohne ihre Komplexität zu glätten. Zu den bekannten Arbeiten zählen unter anderem das Hotel Wilmina in Charlottenburg, die ehemalige Jüdische Mädchenschule, Projekte am Hackeschen Markt, Wohn- und Geschäftsbauten in Mitte sowie das Bürohaus AERA in Berlin. Das Spektrum reicht von Wohnungsbau und Bildung über Hotels und Bürogebäude bis zu städtebaulichen Konzepten.

Besonders deutlich wird die Haltung des Büros beim Hotel Wilmina. Die Transformation eines ehemaligen Frauengefängnisses in ein Hotel mit Restaurant und Veranstaltungsraum gilt als beispielhaft für den Umgang mit Bestand, Erinnerung und neuer Nutzung. Das Projekt wurde unter anderem mit dem BDA-Preis Berlin 2021, dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2022 und dem Architekturpreis Berlin 2023 ausgezeichnet.

Nachhaltigkeit beginnt im Bestand

Die ESG-Linie von Grüntuch Ernst lässt sich vor allem über den intelligenten Umgang mit vorhandenen Strukturen beschreiben. Beim Hotel Wilmina wurde nicht tabula rasa gemacht, sondern ein schwieriger, historisch belasteter Gebäudekomplex weiterentwickelt. Der Nachhaltigkeitsrat beschreibt das Projekt als Beispiel dafür, wie sich alte Gebäude neu nutzen lassen; der BDA hebt hervor, dass der historische Baukomplex erhalten und erstmals öffentlich zugänglich gemacht wurde.

Gerade dieser Ansatz passt zur Urbanen Mitte Süd. Nachhaltigkeit heißt hier nicht nur Neubau mit besseren Standards. Sie bedeutet auch: vorhandene Spuren ernst nehmen, Ressourcen schonen, neue Nutzungen ermöglichen und öffentliche Zugänglichkeit schaffen. Ein Quartier am Gleisdreieck muss ökologisch belastbar, sozial nutzbar und stadträumlich präzise sein.

Visualisierung Spreebord-Turm von Grüntuch Ernst Architekten: Begrünte Terrassen und differenzierte Fassadenstruktur prägen das Hochhauskonzept | Grüntuch Ernst Architekten
Visualisierung Spreebord-Turm von Grüntuch Ernst Architekten: Begrünte Terrassen und differenzierte Fassadenstruktur prägen das Hochhauskonzept | Grüntuch Ernst Architekten

Freiraum, Wasser und Mikroklima

Mit Levin Monsigny Landschaftsarchitekten ergänzt ein Berliner Büro das Team, das seit Jahren an der Schnittstelle von Landschaftsarchitektur, Stadtraum und nachhaltigem Regenwassermanagement arbeitet. Das Büro nennt Regenwassermanagement als selbstverständlichen Bestandteil seiner Projektbearbeitung über alle Leistungsphasen hinweg und verfügt über Erfahrung in unterschiedlichen Maßstabsebenen – vom Konzept bis zur Umsetzung.

Für das Gleisdreieck ist diese Kompetenz zentral. Freiraum muss hier mehr leisten als Gestaltung. Er muss Starkregen aufnehmen, Hitze reduzieren, Aufenthaltsqualität schaffen, Biodiversität fördern und Wege zwischen Park, Museum, Infrastruktur und Quartier verbinden. Gerade in innerstädtischen Entwicklungsgebieten wird Landschaft damit zu einem aktiven ESG-Instrument.

Dichte mit Durchlässigkeit

Das Team aus Grüntuch Ernst Architekten und Levin Monsigny bringt eine Perspektive in den Wettbewerb ein, die für die Urbane Mitte Süd besonders anschlussfähig ist: urbane Dichte nicht als Verdichtung um jeden Preis, sondern als präzise Transformation eines komplexen Ortes. Architektur, Freiraum und Wasserhaushalt greifen dabei ineinander.

Am Gleisdreieck geht es um die Frage, wie ein Quartier entsteht, das sich in den Stadtraum einfügt und zugleich neue Qualität schafft. Grüntuch Ernst Architekten stehen für den sensiblen Umgang mit Bestand, Geschichte und Nutzung. Levin Monsigny bringt die freiraumplanerische Kompetenz hinzu, die ein solches Quartier klimaresilient, durchlässig und lebendig machen kann. (red)