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Baumschlager Eberle Architekten: Nachhaltigkeit ohne große Geste
Gerd Jäger, Partner bei Baumschlager Eberle Architekten Berlin | Benjamin Pritzkuleit

Baumschlager Eberle Architekten: Nachhaltigkeit ohne große Geste

10. August 2026

Architektur mit ruhiger Präzision für die Urbane Mitte Süd

Baumschlager Eberle Architekten zählt zu den international tätigen Architekturbüros, die Nachhaltigkeit nicht als Zusatz, sondern als Grundbedingung guter Architektur verstehen. Das Büro arbeitet weltweit an Wohn-, Büro-, Bildungs-, Verwaltungs- und Quartiersprojekten und verbindet dabei klare räumliche Ordnung mit einem ausgeprägten Bewusstsein für Energie, Material, Klima und Lebenszyklus.

Für die Urbane Mitte Süd am Gleisdreieck ist diese Haltung besonders relevant. Das Areal verlangt keine spektakuläre Einzelgeste, sondern einen Stadtbaustein, der langfristig funktioniert: städtebaulich, ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Baumschlager Eberle bringt dafür eine Architekturauffassung ein, die auf Robustheit, Effizienz und Dauerhaftigkeit setzt.

Low-Tech als Haltung: Das Prinzip 22·26

Bekannt wurde das Büro unter anderem durch das Gebäudekonzept 22·26. Der Name steht für ein Raumklima zwischen 22 und 26 Grad Celsius, das mit einem stark reduzierten Technikeinsatz erreicht werden soll. Das Prinzip beruht auf baulicher Intelligenz: Gebäudemasse, Proportion, Fenstersteuerung, natürliche Lüftung und präzise Simulation übernehmen Aufgaben, die andernorts oft an komplexe Haustechnik delegiert werden. Das Prinzip 22·26 gilt als viel beachteter Beitrag zur Low-Tech-Debatte im nachhaltigen Bauen.

Dieser Ansatz ist für innerstädtische Quartiere hoch aktuell. Denn Nachhaltigkeit entscheidet sich nicht allein an Zertifikaten oder technischen Anlagen. Entscheidend ist, ob Gebäude über Jahrzehnte mit vertretbarem Ressourceneinsatz betrieben, angepasst und genutzt werden können. Baumschlager Eberle Architekten denken Energieeffizienz deshalb nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Komfort, Baukultur, Material, Wirtschaftlichkeit und sozialer Akzeptanz.

Dichte, die funktionieren muss

Baumschlager Eberle Architekten verfügen auch in Berlin über Erfahrung mit komplexen innerstädtischen Projekten. Beim Möckernkiez entwickelte das Büro eine Planung, die kompakte Baukörper, effiziente Flächennutzung und qualitätsvolle gemeinschaftliche Außenräume miteinander verbindet. Das Projekt zeigt, wie Dichte, Kostenbewusstsein, Kommunikation im Quartier und private wie gemeinschaftliche Freiräume zusammengeführt werden können.

Auch das Quartier am Rathauspark in Friedrichshain steht für diesen Maßstab. Auf einem knapp fünf Hektar großen Areal entsteht dort ein gemischt genutztes Quartier mit sechs Gebäuden. Ziel war es, das Grundstück effizient zu nutzen und zugleich eine lebendige Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Stadtraum zu schaffen.

Das Quartier am Rathauspark in Berlin-Friedrichshain zeigt die Erfahrung von Baumschlager Eberle Architekten mit gemischt genutzten innerstädtischen Quartieren | Ulrich Schwarz
Das Quartier am Rathauspark in Berlin-Friedrichshain zeigt die Erfahrung von Baumschlager Eberle Architekten mit gemischt genutzten innerstädtischen Quartieren | Ulrich Schwarz

ESG über den Lebenszyklus

Die ESG-Linie von Baumschlager Eberle Architekten liegt in der Verbindung von langlebiger Architektur, effizienter Nutzung und reduzierter technischer Abhängigkeit. Ein Gebäude soll nicht nur am Tag der Fertigstellung überzeugen, sondern im Betrieb, in der Wartung und in seiner Anpassungsfähigkeit. Gerade in einer Zeit steigender Energieanforderungen, knapper Ressourcen und komplexer Baukosten wird diese Haltung für Projektentwicklungen immer wichtiger.

Für die Urbane Mitte Süd bedeutet das: Architektur muss Dichte ermöglichen, aber zugleich robust, flexibel und ressourcenschonend bleiben. Der Standort am Gleisdreieck braucht Gebäude, die sich in den Stadtraum einfügen, Nutzungsqualität bieten und im Lebenszyklus tragfähig bleiben. Nachhaltigkeit wird hier zur Frage der baulichen Intelligenz.

Freiraum mit ökologischem Mehrwert

Mit LUZ Landschaftsarchitektur ergänzt ein Büro das Team, das Landschaftsarchitektur über klare Gestaltung, ökologische Vielfalt und Nutzungsqualität denkt. Das Büro beschreibt seine Arbeit mit dem Leitsatz „lieber weniger und das richtig“ und verbindet ein klares Gesamtbild mit ökologischem Mehrwert. Zu den Tätigkeitsschwerpunkten gehören Freianlagen, Bauleitplanung, Verkehrsanlagen sowie öffentliche und private Bauaufgaben.

Für die Urbane Mitte Süd spielt dieser Ansatz eine zentrale Rolle. Der Freiraum muss nicht nur gestalten, sondern vermitteln: zwischen Park, Bebauung, Infrastruktur und öffentlicher Nutzung. Er soll Klimaresilienz stärken, Aufenthaltsqualität schaffen, Wege ordnen und ökologische Vielfalt ermöglichen.

Leise Stärke für einen komplexen Ort

Das Team aus Baumschlager Eberle Architekten und LUZ Landschaftsarchitektur bringt damit eine leise, aber präzise Stärke in den Wettbewerb ein. Es geht um Architektur, die nicht über Lautstärke wirkt, sondern über Struktur, Komfort, Effizienz und Dauerhaftigkeit. Für die Urbane Mitte Süd kann genau diese Haltung entscheidend sein: ein Quartier zu entwickeln, das nicht nur gebaut wird, sondern langfristig gut funktioniert. (eg)