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Zwei Preise für Berlin
Shida Bazyar erhält den Deutschen Buchpreis 2026 | © Linda Deutsch

Zwei Preise für Berlin

06. Oktober 2026

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026 geht an den Berliner Wissenschaftler Prof. Dr. Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin sowie an Karl Deisseroth von der Stanford University und Georg Nagel von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Ausgezeichnet werden sie für ihre grundlegenden Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und der Entwicklung der Optogenetik. Die Arbeiten ermöglichen es, die Aktivität einzelner Nervenzellen mit Licht gezielt zu steuern, und haben die moderne Neurowissenschaft weltweit nachhaltig geprägt.

Für Berlin ist die Auszeichnung ein herausragender Erfolg und zugleich die Würdigung einer jahrzehntelangen Forschungsgeschichte. Prof. Dr. Peter Hegemann hat mit seinen Arbeiten an lichtempfindlichen Proteinen aus Mikroalgen wesentliche Grundlagen für die Optogenetik geschaffen. Seine Forschung zeigte, wie biologische Prozesse durch Licht gesteuert werden können. Gemeinsam mit den Arbeiten von Georg Nagel und den späteren Anwendungen von Karl Deisseroth entstand daraus eine Technologie, die heute weltweit eingesetzt wird, um neuronale Schaltkreise zu untersuchen und die Mechanismen von Gehirn und Erkrankungen besser zu verstehen.

Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege: „Ich gratuliere Professor Peter Hegemann herzlich zum Medizin-Nobelpreis. Das ist eine herausragende Auszeichnung und würdigt eine beeindruckende wissenschaftliche Leistung, die unser Verständnis des Gehirns grundlegend verändert hat. Für den Wissenschaftsstandort Berlin ist dieser Nobelpreis ein Anlass zu großer Freude und Berlin ist stolz auf seinen neuen Nobelpreisträger. Er macht die internationale Strahlkraft der Optobiologie-Forschung an der Humboldt-Universität sichtbar und zeigt, welchen Wert ausdauernde Grundlagenforschung für die Medizin besitzt. Mit seiner forschungspolitischen Strategie will das Land Berlin gerade diesen Bereich der Gesundheitsforschung noch stärker fördern. Meine Glückwünsche gelten ebenso seinen Mitpreisträgern Georg Nagel und Karl Deisseroth.“ (red)

Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Berliner Autorin Shida Bazyar mit dem Roman „Die Lücken“ beim Deutschen Buchpreis 2026. In Ihrem Roman reflektiert Bazyar anhand einzelner Figurenschicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens. Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen. Laut der Jury wählt die Autorin überzeugende literarische Strategien: Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen. Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes. Ein Roman gegen Gleichgültigkeit. (red)