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Wulf von Borzyskowski: Bauen in einer raueren Welt
Wulf von Borzyskowski (l.), Geschäftsführer von All3 Construction Germany und Mitglied des Bundeswirtschaftssenats, mit Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, und Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats | BERLINboxx

Wulf von Borzyskowski: Bauen in einer raueren Welt

11. September 2026

Beim Diplomatischen Tag des Bundeswirtschaftssenats in Berlin nahm Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer der All3 Construction Germany GmbH und Mitglied des Bundeswirtschaftssenats, an wirtschaftspolitischen Konsultationsgesprächen mit Vertretern aus Diplomatie, Bundespolitik und Mittelstand teil. Die Stationen in den Botschaften Südkoreas, Italiens und Ägyptens sowie der politische Austausch am Abend in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft zeigten, wie eng internationale Wirtschaftsbeziehungen, technologische Transformation und politische Handlungsfähigkeit inzwischen miteinander verbunden sind.

Seit November 2025 gehört Wulf von Borzyskowski dem Bundeswirtschaftssenat des BVMW an. Bei seiner Berufung hatte Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, insbesondere dessen Expertise in Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und industrieller Transformation hervorgehoben. Zugleich wurde von Borzyskowski eingeladen, in der Kommission „Internet und Digitales“ mitzuwirken.

Wulf von Borzyskowski (l.) im Gespräch mit Francesco Sordini, Botschaftsrat für Wirtschaft, Handel und Wissenschaft an der Italienischen Botschaft in Berlin | BERLINboxx
Wulf von Borzyskowski (l.) im Gespräch mit Francesco Sordini, Botschaftsrat für Wirtschaft, Handel und Wissenschaft an der Italienischen Botschaft in Berlin | BERLINboxx

Von Borzyskowski selbst bezeichnete den Bundeswirtschaftssenat damals als einen „bedeutenden Impulsgeber im Dialog mit der Politik“. Mit seiner Erfahrung und dem Technologieansatz von All3 wolle er dazu beitragen, „den Mittelstand und die Wirtschaft insgesamt wettbewerbsfähig zu erhalten“.

Technologie, Lieferketten und neue Partnerschaften

Der Diplomatische Tag am 8. September begann in der Botschaft der Republik Korea. Im Gespräch mit Botschafter Kyungsok Koh standen die Vertiefung der Wirtschafts- und Technologiebeziehungen, Innovation sowie neue Kooperationsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen im Mittelpunkt. Südkorea wurde dabei als strategisch wichtiger Partner Deutschlands in Asien hervorgehoben. Der Dialog zwischen Bundeswirtschaftssenat, Botschaft und Wirtschaft soll fortgesetzt werden; auch weitere Unternehmens- und Delegationsformate wurden erörtert.

Für von Borzyskowski ist dieser Austausch unmittelbar relevant. All3 verbindet KI-gestützte Planung, industrielle Vorfertigung und Robotik zu einem integrierten Bauprozess. Das Unternehmen will damit ein Problem adressieren, das längst über die Immobilienbranche hinausweist: hohe Baukosten, Fachkräftemangel und eine im internationalen Vergleich geringe Produktivitätsentwicklung.

In der italienischen Botschaft setzte sich die wirtschaftspolitische Diskussion fort. Italien, in Deutschland vertreten durch Botschafter Fabrizio Bucci, gehört zu den engsten Industriepartnern der Bundesrepublik. Mit Francesco Sordini, Botschaftsrat für Wirtschaft, Handel und Wissenschaft, traf von Borzyskowski dort auf einen der zentralen Ansprechpartner für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.

V. l.: Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, S.E. Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri, Botschafter der Arabischen Republik Ägypten, und Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer von All3 Construction Germany | BERLINboxx
V. l.: Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, S.E. Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri, Botschafter der Arabischen Republik Ägypten, und Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer von All3 Construction Germany | BERLINboxx

Ahlhaus warb dafür, angesichts geopolitischer Unsicherheiten verlässliche europäische Partnerschaften und resilientere Lieferketten neu zu bewerten. Gerade die wirtschaftliche Achse Deutschland–Italien–Frankreich könne zusätzliche industrielle Kraft entfalten. Für ein Unternehmen, das Bauprozesse industrialisieren und skalieren will, sind belastbare Wertschöpfungsketten ebenso entscheidend wie Technologie selbst.

Eine dritte Perspektive eröffnete der Besuch der ägyptischen Botschaft. Dort traf von Borzyskowski gemeinsam mit Ahlhaus S.E. Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri, Botschafter der Arabischen Republik Ägypten. Das Land gewinnt als Produktions-, Energie- und Infrastrukturstandort an der Schnittstelle zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten an Bedeutung.

„Wir sind gemeint“

Am Abend verlagerte sich der Schwerpunkt in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft von internationalen Wirtschaftsbeziehungen auf die politische Handlungsfähigkeit Deutschlands.

Dr. Konstantin von Notz MdB (l.), stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, mit Wulf von Borzyskowski beim politischen Austausch am Abend in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft | BERLINboxx
Dr. Konstantin von Notz MdB (l.), stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, mit Wulf von Borzyskowski beim politischen Austausch am Abend in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft | BERLINboxx

Dr. Konstantin von Notz MdB, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, beschrieb die geopolitische Lage ungewöhnlich deutlich. Die westlichen Demokratien gerieten zunehmend unter Druck, Deutschland selbst sei Teil dieser Auseinandersetzung. „Diese neue geopolitische Lage setzt uns unter krassen Handlungsdruck“, sagte von Notz. Mit Blick auf die Verschiebung globaler Machtverhältnisse fügte er hinzu: „Wir sind gemeint. Wir sind das Target, wir sind das Ziel.“

Deutschland müsse seine Sicherheitsarchitektur stärken, aber auch seine Infrastruktur modernisieren und seine Fähigkeit zurückgewinnen, politische Entscheidungen tatsächlich umzusetzen. Die Forderung nach Entbürokratisierung finde schnell Zustimmung, bis konkrete Interessen betroffen seien. Genau darin liege eines der strukturellen Probleme des Landes.

Für von Borzyskowski berührt diese Diagnose unmittelbar die Bauwirtschaft. Innovation allein reicht nicht, wenn Genehmigungen, Ausschreibungen und öffentliche Beschaffung mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt halten.

Kiesewetter fordert Schutzpartnerschaft mit der Wirtschaft

Noch stärker verband Roderich Kiesewetter MdB (CDU/CSU) Sicherheit und Wirtschaft. Hybride Angriffe, Cyberattacken, Desinformation und gezielt erzeugte wirtschaftliche Abhängigkeiten seien längst keine abstrakten Risiken mehr. Der Staat müsse offen kommunizieren: „Wir werden angegriffen.“

Gerade mittelständische Unternehmen dürften dabei nicht erst dann als sicherheitsrelevant gelten, wenn sie formal zur kritischen Infrastruktur zählen. Kiesewetter forderte eine wesentlich engere Zusammenarbeit zwischen Staat, Verbänden und Wirtschaft: mit belastbaren Lagebildern, klaren Ansprechpartnern und einer „technischen, proaktiven, operativ wirksamen“ Unterstützung für Unternehmen.

Zugleich müsse die Politik besser wissen, welche technologischen, industriellen und produktionstechnischen Fähigkeiten im Mittelstand vorhanden seien. Kiesewetter sprach in diesem Zusammenhang von einer Schutzpartnerschaft zwischen Staat und Wirtschaft.

Wulf von Borzyskowski im Austausch mit Roderich Kiesewetter MdB (CDU/CSU) und Christoph Ahlhaus beim Abschluss des Diplomatischen Tages in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft | BERLINboxx
Wulf von Borzyskowski im Austausch mit Roderich Kiesewetter MdB (CDU/CSU) und Christoph Ahlhaus beim Abschluss des Diplomatischen Tages in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft | BERLINboxx

Besonders deutlich wurde er bei strategischen Abhängigkeiten. Vollständige Autonomie sei unrealistisch, wohl aber müsse Deutschland Lieferketten kennen und diversifizieren können. Wohlstand bemesse sich künftig auch daran, wie weit ein Land seine eigene wirtschaftliche Handlungsfähigkeit bewahre.

Sein Befund fiel hart aus: Deutschland leide weniger unter einem Erkenntnisdefizit als unter einem „Riesen-Handlungsdefizit“. Oder, noch direkter: „Wir müssen ins Handeln kommen. Wir sind so verkopft, so theoretisch.“

Bauwirtschaft wird zur Standortfrage

Für All3 ist diese Debatte näher am Kerngeschäft, als es der sicherheitspolitische Ton zunächst vermuten lässt. Industrielles Bauen benötigt sichere digitale Systeme, verlässliche Lieferketten, planbare Beschaffung und regulatorische Bedingungen, die Skalierung ermöglichen.

Von Borzyskowski hatte bereits bei seiner Berufung in den Bundeswirtschaftssenat erklärt, All3 stehe für eine neue Baukultur, die „Schnelligkeit, Kosteneffizienz und Klimaverantwortung“ verbinden solle. Technologie werde dabei jedoch nur dann zum Produktivitätsgewinn, wenn sie unter realen Marktbedingungen eingesetzt werden könne.

Wer das Bauen industrialisieren will, muss nicht nur die Baustelle verändern. Er muss verstehen, unter welchen politischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Bedingungen gebaut werden kann. Der Bundeswirtschaftssenat fungiert hier als Schnittstelle: zwischen Technologie und Regulierung, internationaler Wirtschaft und deutscher Standortpolitik, und zwischen einem Mittelstand, der wettbewerbsfähig bleiben will, und einer Welt, die deutlich rauer geworden ist. (red)