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Wenn Gebäude lernen zu denken – Wie Automobil-Effizienz den Immobiliensektor verändert
E-World Energy & Water 2026 – Treffpunkt für Innovationen in Energie und Gebäudetechnik | E-World Energy & Water / Messe Essen

Wenn Gebäude lernen zu denken – Wie Automobil-Effizienz den Immobiliensektor verändert

09. Februar 2026

Der Umbau und die energetische Sanierung des Gebäudebestands sind zu einem zentralen Engpass der Wohnungs- und Klimakrise geworden. Steigende Baukosten und langwierige Genehmigungsverfahren treffen auf enormen Zeitdruck. Gebäude müssen effizienter werden – ohne Wohnraum zu verlieren und ohne den laufenden Betrieb zu stören.

Wie konnte es so weit kommen? Fehlende Innovationskraft in der Immobilien- und Bauindustrie ist der Grund. Im Vergleich mit der Automobilindustrie wird ein struktureller Unterschied sofort sichtbar: Die Automobilindustrie lebt von Innovation – die Bauindustrie schützt sich davor.

Zwei Branchen, zwei Innovationslogiken

In der Automobilindustrie ist Innovation systemisch verankert. Produkt, Produktionsprozess, Software und Geschäftsmodell werden gemeinsam gedacht und kontinuierlich weiterentwickelt. Kurze Innovationszyklen, regelmäßige Modellgenerationen, Facelifts und Software-Updates gehören zum industriellen Selbstverständnis. Fehler werden einkalkuliert, Lernkurven bewusst genutzt, Skalierung ist das Ziel.

Die Immobilien- und Bauindustrie folgt einer grundlegend anderen Logik. Innovation findet meist inkrementell statt – auf Ebene einzelner Materialien, technischer Details oder Gewerke. Jedes Projekt ist ein Unikat, jeder Bau ein Prototyp. Fehler sind teuer, haftungsrelevant und reputationsschädlich. Das Resultat: Innovationsvermeidung!

Ohne Wiederholbarkeit keine Industrialisierung, ohne Industrialisierung keine Innovation. Forschung und Entwicklung sind kaum institutionalisiert; Innovation wird häufig als Kosten- und Risikofaktor wahrgenommen, nicht als Werttreiber. Während Automobilkonzerne Milliarden in Zukunftstechnologien investieren, kämpfen Bauunternehmen oft um Prozentpunkte in der Ausschreibung.

Plattformen versus Phasen

Die Automobilindustrie entwickelt längst softwaredefinierte Produkte: Over-the-Air-Updates, digitale Zwillinge, Simulationen und datengetriebene Optimierung sind Standard. Hardware, Software und Daten sind eng verzahnt; die Plattform ist das eigentliche Produkt.

Im Bauwesen hingegen bleibt Digitalisierung häufig fragmentiert. Building Information Modeling (BIM) ist zwar etabliert, wird aber oft isoliert eingesetzt, schlecht integriert und nicht über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg genutzt.

Die Automobilindustrie denkt in Plattformen – die Bauindustrie in Phasen. Planen, Bauen, Betreiben, Sanieren werden getrennt betrachtet statt als zusammenhängendes System verstanden. Das Paradox dabei: Ausgerechnet die Branche mit der größten gesellschaftlichen Wirkung verfügt über den geringsten Spielraum für Neues.

Aufholbewegungen – aber punktuell

Doch es gibt Bewegung: Vorfertigung, Modulbau, Holz-Hybrid-Konstruktionen, Robotik im Rohbau sowie KI-gestützte Planung und Bauzeitensteuerung zeigen, dass Veränderung möglich ist. Doch diese Ansätze bleiben Inseln. Sie sind noch nicht Mainstream, sondern Ausnahmen in einem nach wie vor stark fragmentierten Markt.

Während die Automobilindustrie Innovation organisiert, verwaltet die Bauindustrie Komplexität. Der Innovationsrückstand ist daher weniger technologisch als vielmehr kulturell und regulatorisch bedingt.

Hoffnungsträger auf der E-World 2026

Genau an dieser Bruchstelle setzt ein Hoffnungsträger an, der in dieser Woche auf der E-World Energy & Water 2026 in Essen zu sehen sein wird.Vom 10. bis 12. Februar wird die Messe Essen erneut zum internationalen Treffpunkt der Energiebranche. Über 900 Aussteller aus aller Welt präsentieren ihre Innovationen. Politische Entscheider, Stadtwerke, Immobilienakteure und Technologietreiber diskutieren hier die Zukunft von Energieversorgung, Gebäudetechnik und Infrastruktur.

Neuer Player statt Systemanbieter

Schon im Vorfeld sorgt ein Unternehmen für Aufmerksamkeit: FIV.Energy.Das innovative Unternehmen positioniert sich bewusst als datenbasierte, herstellerunabhängige Plattform für intelligentes Gebäudemanagement. Heizung, Lüftung, Klima, Strom, Lastmanagement und Verbrauchsdaten werden softwareseitig aufeinander abgestimmt und zentral optimiert.

Keine baulichen Eingriffe, keine neue Hardware, keine Einschränkungen für Nutzer: Die Plattform greift auf bestehende Systeme zu, koordiniert sie intelligent und reduziert so Energieverluste, Betriebskosten und Emissionen. Das Referenzobjekt Sparkasse Kassel (Kugelhaus) zeigt, dass sich der Einsatz ihrer Technologie innerhalb von drei Jahren amortisiert – bei einer Energieeinsparung von 58 Prozent. Für Immobilienakteure unter massivem Investitions- und Regulierungsdruck ist das ein entscheidender Türöffner.

Systemwirkung durch Vernetzung

Trotz nachweisbarer Effizienzgewinne haben es datenbasierte Plattformen im Gebäudesektor bislang schwer. Etablierte Anbieter wie Siemens, ABB oder Schneider Electric arbeiten traditionell mit kapitalintensiver Hardware und proprietären Systemen. Ihr Geschäftsmodell basiert auf dem Austausch bestehender Technik – nicht auf deren intelligenter Vernetzung.

FIV.Energy durchbricht diese Logik. Die Plattform erlaubt es, bislang isolierte Systeme unterschiedlicher Hersteller miteinander zu koordinieren, ohne sie zu ersetzen. Damit optimiert sie nicht einzelne Komponenten, sondern die Betriebslogik des gesamten Gebäudes – und stellt etablierte Geschäftsmodelle grundlegend infrage.

v.l.: Francisco Iglesias, MdB Jan-Marco Luczak (CDU) und Daan Smans | BERLINboxx

Vom Motorraum ins Gebäude

Die Analogie zur Automobilindustrie macht den Ansatz greifbar. Höchste Effizienz entsteht dort nicht durch einzelne Bauteile, sondern durch das präzise Zusammenspiel aller Systeme: Motorsteuerung, Kühlung, Klimatisierung, Elektronik und Energierückgewinnung sind perfekt aufeinander abgestimmt.

FIV.Energy überträgt diese Logik endlich auf Gebäude. Gründer Francisco Iglesias, der auf jahrzehntelange Erfahrung in der Automobilindustrie zurückblickt, bringt dieses Denken konsequent in den Gebäudesektor.„Gebäude werden betrieben wie ein Auto ohne Steuergerät – jedes System für sich, ohne Gesamtlogik“, so Iglesias. „Unser Ansatz ist es, diese Intelligenz nachzurüsten – rein softwarebasiert.“

Ein Wendepunkt für den Gebäudesektor

Die E-World 2026 wird zeigen, ob die Branche bereit ist für diesen Paradigmenwechsel. Wer den Gebäudebestand sanieren will, ohne die Wohnungskrise weiter zu verschärfen, muss schneller, modularer und intelligenter denken.

Die Effizienz, die in der Automobilindustrie längst Standard ist, erreicht nun den Gebäudesektor – und verändert nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch das Verständnis davon, wie Gebäude künftig geplant, betrieben und gemanagt werden. (vk)