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Urban Catalyst: Olympia als Lackmustest für Berlins Handlungsfähigkeit
Gemeinsam für Olympia: (v.l.) Berlins Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand; Moderatorin Sandra Pabst; VBKI-Geschäftsführerin Ute Weiland und Ole Hertel, Senior Vice President und Managing Director der Anschutz Entertainment Group | Bild: Pedro Beccera, Stageview

Urban Catalyst: Olympia als Lackmustest für Berlins Handlungsfähigkeit

23. April 2026

Berliner Wirtschaft pro Olympia

„Die Spiele sind nur der Anfang – entscheidend ist, was die Stadt daraus macht.“ Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Konferenz „Urban Catalyst – Großevents als Katalysator für eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung“, zu der der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) in die Uber Eats Music Hall eingeladen hatte. Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Sport und Stadtplanung diskutierten dort die strategische Dimension einer möglichen Olympiabewerbung für Berlin.

Im Zentrum stand weniger der Sport selbst als vielmehr die Frage, ob und wie Megaevents als Instrument nachhaltiger Stadtentwicklung funktionieren können. Internationale Beispiele lieferten dafür die analytische Grundlage.

Internationale Perspektiven: Erfolg durch Integration

Den Rahmen setzte Prof. Ricky Burdett von der London School of Economicsder mit Blick auf London 2012 deutlich machte, dass der langfristige Erfolg nicht vom Event selbst abhängt, sondern von der Fähigkeit, Infrastruktur, Wohnungsbau und Stadtentwicklung strategisch zu verzahnen.

Einen kritischeren Blick brachte Marcos L. Rosa, Professor an der Universidade Federal do Rio de Janeiro, mit Verweis auf Rio 2016 ein. Fehlende Integration und kurzfristige Planung hätten dort zu städtebaulichen Brüchen geführt. Der gemeinsame Nenner: Olympische Spiele sind kein Selbstläufer, sondern ein planerischer Stresstest für jede Stadt.

Berliner Perspektive: Mut zur Größe

Im politischen Teil wurde die Diskussion konkreter. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach sich für eine strategische Herangehensweise aus. Berlin müsse den Mut haben, große Projekte anzugehen, zugleich aber sicherstellen, dass diese langfristig tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert sind. Damit wurde das Spannungsfeld deutlich, das den gesamten Abend prägte: Vision und Umsetzbarkeit, Tempo und Akzeptanz.

Stadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe

Unter der Moderation von Sandra Pabst diskutierten Bundesarchitektenkammer-Präsidentin Andrea Gebhard, Tempelhof Projekt-Geschäftsführer Fabian Schmitz-Grethlein und GASAG-Vorstandscherf Georg Friedrichs. Schnell wurde deutlich, dass die eigentliche Herausforderung weniger im Event selbst liegt als in der strukturellen Umsetzung. Stadtentwicklung müsse integriert gedacht werden, mit gleichzeitiger Planung von Freiraum, Mobilität und Bebauung.

Aus infrastruktureller Sicht wurde betont, dass Großprojekte erhebliche Investitionen auslösen können, sofern Planungssicherheit und politische Verlässlichkeit gegeben sind. Die wirtschaftliche Perspektive hob hervor, dass internationale Formate wie Olympia die Chance bieten, Berlin global neu zu positionieren, vorausgesetzt Umsetzung und Timing stimmen.

Breite Unterstützung aus Wirtschaft und Sport

Dass eine Olympiabewerbung auch langfristig positive Entwicklungen für eine lebenswerte Stadt herbeiführt, unterstrich Immobilienentwickler Ioannis Moraitis im Gespräch mit der BERLINboxx: „Wenn Olympia strategisch gedacht wird, entstehen keine temporären Strukturen, sondern dauerhafte Werte. Entscheidend ist, dass aus dem Event funktionierende Quartiere werden - so wie in London oder Barcelona.“

Die langfristige Wirkung eines Großereignisses wie Olympia sind evident. Moraitis weiter: „Die Chance für Berlin liegt nicht im Event selbst, sondern in dem, was daraus entsteht. Investitionen in Verkehr, Energie und Quartiere müssen so gedacht werden, dass sie den Alltag der Menschen verbessern, nicht nur die Spiele.“

Olympia als Projektionsfläche struktureller Fragen

Im Verlauf des Tages verlagerte sich die Diskussion zunehmend von der konkreten Bewerbung hin zu grundsätzlichen Fragen der Berliner Handlungsfähigkeit.

Im Kern ging es um drei Punkte:

  • Wie schnell kann Berlin planen und bauen?
  • Wie verlässlich sind politische Entscheidungen?
  • Wie gelingt es, große Projekte gesellschaftlich zu verankern?

Auch Kaweh Niroomand, Olympia-Beauftragter des Senats, machte deutlich, dass eine Olympiabewerbung die Stadt zu strategischer Klarheit zwingt.

Der wahre Katalysator ist die Umsetzung, so Moraitis: „Berlin hat kein Ideenproblem. Berlin hat ein Umsetzungsproblem. Der eigentliche Katalysator ist nicht Olympia, sondern die Fähigkeit, Projekte auch wirklich fertig zu bauen.“ Mit „Urban Catalyst“ hat der VBKI damit weniger eine Debatte über Olympia geführt als einen Lackmustest für die Zukunftsfähigkeit der Hauptstadt organisiert. (ls)