Tag der Industrie 2026: Wirtschaft fordert mehr Tempo beim Aufbruch und Planungssicherheit
Mit einem Appell an Politik und Gesellschaft hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gestern den Tag der Industrie (TDI) auf dem Berliner EUREF-Campus eröffnet. Unter dem Motto „Neue Zeiten – Neue Antworten“ diskutieren rund 1.500 Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbänden über die Zukunft des Industriestandortes Deutschland.
Im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages standen die Herausforderungen für die deutsche Industrie in einer Zeit tiefgreifender geopolitischer Umbrüche. Hohe Energiekosten, zunehmender internationaler Wettbewerb, Handelskonflikte, die Transformation hin zu klimaneutralen Produktionsprozessen sowie die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz prägten die Debatten. Der Tenor vieler Diskussionen war eindeutig: Deutschland verfügt weiterhin über eine starke industrielle Basis, verliert jedoch im internationalen Wettbewerb wertvolle Zeit.
Rückblick: Lage der Industrie kritisch – Aufbruch braucht klares Zielbild und Reformpaket
So resümierte etwa Projektentwickler Ioannis Moraitis: „Die Diskussionen auf dem Tag der Industrie zeigen sehr deutlich, dass Deutschland kein Erkenntnisproblem hat, sondern vor allem ein Umsetzungsproblem. Für die Bau- und Immobilienwirtschaft sind wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsprozesse und weniger Bürokratie die Voraussetzung dafür, dass Investitionen wieder in größerem Umfang stattfinden können. Die Branche ist bereit, Milliarden in Wohnungsbau, Gewerbeimmobilien, Infrastruktur und die energetische Transformation des Gebäudebestands zu investieren. Was wir jetzt brauchen, ist ein verlässlicher politischer Rahmen, der Planungssicherheit schafft und Projekte beschleunigt. Wenn Deutschland wieder wachsen will, dann führt kein Weg an einer starken Bau- und Immobilienwirtschaft vorbei – sie ist Teil der Lösung als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren unseres Landes.“
Mit Spannung wird der heutige zweite Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet, der eine Grundsatzrede zur wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands halten wird. Dabei dürfte es insbesondere um die angekündigten steuerlichen Entlastungen für Unternehmen, den Bürokratieabbau, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die Sicherung bezahlbarer Energie gehen.
Der TDI 2026 verdeutlicht damit einmal mehr die zentrale Frage, die Wirtschaft und Politik gleichermaßen bewegt: Gelingt es Deutschland, den Übergang von der Krisenbewältigung zu einer neuen Wachstumsagenda zu schaffen? Die Antworten darauf dürften nicht nur die Debatten auf dem EUREF-Campus prägen, sondern die wirtschaftspolitische Agenda der kommenden Jahre. (red)