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Tag der Bauindustrie 2026: Branche fordert Tempo, Verlässlichkeit und einen echten Neustart
v.l. Olaf Demuth, neuer Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Lars Klingbeil, Bundesfinanzminister, Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie | HDB / Maren Strehlau; HDB / Dirk Bleicker

Tag der Bauindustrie 2026: Branche fordert Tempo, Verlässlichkeit und einen echten Neustart

12. Mai 2026

Mit klaren Botschaften an Politik und Verwaltung ist beim Tag der Bauindustrie auf dem Berliner EUREF-Campus die Zukunft des Bau- und Infrastrukturstandorts Deutschland diskutiert worden. Rund 1.500 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft kamen zum wichtigsten Branchentreffen der deutschen Bauwirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt standen Wohnungsbau, Infrastrukturmodernisierung, Digitalisierung und die Frage, wie Deutschland nach Jahren der Krise wieder schneller bauen kann.

Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem neuen Präsidenten des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Olaf Demuth, der heute offiziell an die Spitze des Verbandes gewählt wurde. Der Vorstand der ZECH Group gilt als Vertreter eines pragmatischen und technologieoffenen Kurses innerhalb der Branche. Bereits im Vorfeld hatte Demuth deutlich gemacht, dass Deutschland wieder einfacher, schneller und planbarer bauen müsse. „Alle anderen Anforderungen müssen wir abspecken. Sonst wird es nicht billiger“, sagte er mit Blick auf Baustandards und Regulierung.

Der neue Bauindustrie-Präsident machte zugleich deutlich, dass die Branche bereit sei, ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung Deutschlands zu leisten – allerdings nur unter verlässlichen politischen Rahmenbedingungen. Gerade bei Infrastrukturprojekten brauche es endlich Planungssicherheit und eine belastbare Vergabepolitik. Das milliardenschwere Sondervermögen des Bundes müsse „endlich auf den Baustellen ankommen“, hieß es aus Branchenkreisen.

Politisch hochrangig besetzt war der Branchentag unter anderem mit Lars Klingbeil, Verena Hubertz, Patrick Schnieder sowie Karsten Wildberger.

Bundesbauministerin Verena Hubertz betonte die Bedeutung beschleunigter Verfahren und neuer Impulse für den Wohnungsbau. Themen wie „Bau-Turbo“, digitale Genehmigungen und vereinfachte Standards standen dabei im Zentrum der Debatte. Die Branche wiederum fordert, dass angekündigte Maßnahmen nun auch tatsächlich umgesetzt werden.

Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder stellte den Zusammenhang zwischen Infrastrukturmodernisierung und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland heraus. Die Modernisierung von Brücken, Straßen, Schienenwegen und Energienetzen sei eine zentrale Voraussetzung für neues Wachstum.

Finanzminister Lars Klingbeil verwies auf die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Branche und die Rolle öffentlicher Investitionen als Konjunkturmotor. Die Bauwirtschaft sei ein zentraler Hebel, um Wachstum, Beschäftigung und Modernisierung gleichzeitig voranzutreiben.

Beim Tag der Bauindustrie 2026 auf dem Berliner EUREF-Campus diskutierte die Branche über Infrastrukturmodernisierung und Digitalisierung | BERLINboxx
Beim Tag der Bauindustrie 2026 auf dem Berliner EUREF-Campus diskutierte die Branche über Infrastrukturmodernisierung und Digitalisierung | BERLINboxx

Der diesjährige Tag der Bauindustrie machte damit vor allem eines deutlich: Die Branche sieht sich trotz schwieriger Jahre wieder in einer Schlüsselrolle für Deutschlands Zukunft. Zwischen Wohnraummangel, maroder Infrastruktur und Transformationsdruck wächst zugleich die Erwartung an Politik und Verwaltung, Entscheidungen schneller zu treffen und Investitionen verlässlich zu ermöglichen.

Projektentwickler Ioannis Moraitis sprach am Rande der Veranstaltung vielen Delegierten aus der Seele: „Immobilienentwickler und Bauwirtschaft sind bereit zu investieren, zu entwickeln und zu bauen. Was wir jedoch dringend benötigen, ist ein verlässlicher ordnungspolitischer Rahmen. Projekte scheitern heute oft nicht am Kapital oder am fehlenden Willen der Unternehmen, sondern an überkomplexen Verfahren, widersprüchlichen Anforderungen und jahrelangen Genehmigungsprozessen. Wenn Deutschland ernsthaft schneller bauen will, dann müssen Planungs- und Entscheidungswege deutlich verschlankt werden. Gerade in einer wachsenden Metropole wie Berlin entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit des Standorts auch daran, ob Wohnen, Infrastruktur und urbane Entwicklung künftig wieder mit mehr Geschwindigkeit umgesetzt werden können.“

Moraitis verwies zugleich darauf, dass insbesondere private Investitionen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung des Wohnraummangels spielten. „Ohne die private Immobilien- und Bauwirtschaft wird die dringend benötigte Neubauoffensive nicht gelingen. Politik und Verwaltung sind jetzt gefordert, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und wieder mehr Planbarkeit zu ermöglichen.“

Oder, wie es auf dem EUREF-Campus mehrfach formuliert wurde: Deutschland kann sich einen Investitionsstau nicht länger leisten. (ls)