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Robotics Day 2026: Wenn der Roboter auf die Baustelle kommt
V. l. n. r.: Tim Lorenz (VINCI Construction), Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, und Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer von All3 Construction Germany, beim Robotics Day 2026 in Berlin | BERLINboxx

Robotics Day 2026: Wenn der Roboter auf die Baustelle kommt

30. September 2026

Wie Automatisierung das Bauen verändern kann

Beim Robotics Day 2026 der BAUINDUSTRIE in Berlin diskutierten Unternehmen, Forschung und Politik, wie Robotik und Automatisierung die Bauwirtschaft produktiver machen können. Im Mittelpunkt standen konkrete Anwendungen, regulatorische Fragen, und die Herausforderung, aus technologischen Einzelinnovationen skalierbare Prozesse zu entwickeln. Durch den Robotics Day führte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE.

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, moderierte den Robotics Day 2026 in der Hessischen Landesvertretung | HDB//Strehlau
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, moderierte den Robotics Day 2026 in der Hessischen Landesvertretung | HDB//Strehlau

Die Bauwirtschaft steht unter erheblichem Transformationsdruck. Fachkräfte fehlen, Kosten bleiben hoch, die Produktivität entwickelt sich im Vergleich zu anderen Industrien nur schleppend. Beim Robotics Day in der Hessischen Landesvertretung in Berlin trafen deshalb Vertreter aus Bauwirtschaft, Forschung, Technologie und Politik zusammen, um über den praktischen Einsatz von Robotik und Automatisierung zu sprechen.

Das Programm reichte von 3D-Druck, Mauerwerk, Malerrobotik und autonomen Baumaschinen bis hin zu Arbeitssicherheit, humanoider Robotik und intelligenten Plattformen. Vertreten waren unter anderem STRABAG, ZECH, Deutsche Bahn, DEGES, TU Dresden, RWTH Aachen, FANUC, BG BAU, Liebherr und All3.

Produktivität wird zur industriepolitischen Frage

Dr. Henning Wins vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie machte deutlich, dass Robotik längst nicht mehr nur als Forschungsfeld betrachtet wird. Gerade im Bau gehe es zunehmend darum, Produktivität, Fachkräftemangel und technologische Souveränität zusammenzudenken.

Dr. Henning Wins vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beim Robotics Day 2026 der BAUINDUSTRIE in Berlin | HDB//Strehlau
Dr. Henning Wins vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beim Robotics Day 2026 der BAUINDUSTRIE in Berlin | HDB//Strehlau

Dabei verwies Wins auf die besonderen Bedingungen von Baustellen: wechselnde Witterung, unstrukturierte Umgebungen und die direkte Interaktion mit Menschen erschweren Automatisierung deutlich stärker als in einer Fabrikhalle. Fortschritte bei Sensorik, Greiftechnik, Navigation und Künstlicher Intelligenz könnten diese Hürden jedoch zunehmend reduzieren.

Gleichzeitig entstehen neue regulatorische Fragen, etwa zur sicheren Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, zu Maschinen- und KI-Regulierung sowie zur Cybersecurity. Ziel muss daher sein: Innovation zu ermöglichen, ohne Sicherheitsstandards abzusenken.

Von der Einzelanwendung zum Gesamtsystem

Einen weitergehenden Ansatz stellte Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer von All3 Construction Germany, vor. Sein Ausgangspunkt: Viele Robotiklösungen automatisieren bislang einzelne Tätigkeiten oder Gewerke. Der größere Produktivitätssprung entstehe jedoch erst dann, wenn Planung, Fertigung und Montage als integriertes System gedacht werden.

Zur Veranschaulichung nutzte von Borzyskowski eine einfache Analogie: Auch das beste Flugzeug entfalte seinen Nutzen erst im Zusammenspiel mit der Infrastruktur aus Flughäfen, Verkehrswegen und Logistik. Ähnlich verhalte es sich mit Robotik auf der Baustelle. Einzelne Maschinen könnten Prozesse verbessern. Echte Skalierung entstehe aber erst durch eine durchgängige technologische Infrastruktur.

All3 verbindet deshalb drei Ebenen: KI-gestützte Planung, automatisierte Fertigung und robotische Montage. Das Unternehmen tritt in Deutschland als Generalunternehmer auf und will diese Prozesskette möglichst durchgängig kontrollieren.

Mantis als Bindeglied auf der Baustelle

Im Zentrum des All3-Auftritts stand Mantis, eine von dem Unternehmen entwickelte mobile Robotikplattform. Mantis ist dabei bewusst nicht als Universalroboter konzipiert. Die Plattform soll innerhalb des All3-Bausystems definierte Aufgaben übernehmen und über austauschbare Werkzeuge unterschiedliche Arbeitsschritte ausführen, von Montage und Befestigung bis zu Inspektion und Ausbau.

Paneldiskussion „Robotik zwischen Forschung, Markt und Baustelle“ beim Robotics Day 2026 mit Vertretern aus Bauwirtschaft, Infrastruktur, Forschung und Technologie, darunter Tim-Oliver Müller, Tim Lorenz (VINCI Construction), Prof. Dr. Frank Will (TU Dresden), Dr. Daniel Forsmann (Deutsche Bahn), Andreas Irngartinger (DEGES) und Wulf von Borzyskowski (All3) | HDB//Strehlau
Paneldiskussion „Robotik zwischen Forschung, Markt und Baustelle“ beim Robotics Day 2026 mit Vertretern aus Bauwirtschaft, Infrastruktur, Forschung und Technologie, darunter Tim-Oliver Müller, Tim Lorenz (VINCI Construction), Prof. Dr. Frank Will (TU Dresden), Dr. Daniel Forsmann (Deutsche Bahn), Andreas Irngartinger (DEGES) und Wulf von Borzyskowski (All3) | HDB//Strehlau

Von Borzyskowski beschrieb zudem eine perspektivische Baustelle, auf der mehrere Mantis-Systeme miteinander vernetzt arbeiten. Informationen über Hindernisse, Menschen im Arbeitsbereich oder Materialbewegungen könnten so systemübergreifend verarbeitet werden. Ziel ist, Abläufe zu koordinieren, Risiken zu reduzieren und die Produktivität zu erhöhen.

Der All3-Ansatz geht damit über die einzelne Maschine hinaus: Planung und Fertigung sollen bereits so aufbereitet sein, dass die Robotik auf der Baustelle auf strukturierte, digital vorbereitete Prozesse trifft.

Der Schritt vom Demonstrator in den Markt

Zum Abschluss diskutierten Prof. Dr. Frank Will von der TU Dresden, Tim Lorenz von VINCI Construction, Dr. Daniel Forsmann von der Deutschen Bahn, Andreas Irngartinger von DEGES und Wulf von Borzyskowski die Frage, wie Robotik den Weg von Forschung und Pilotprojekten in die breite Anwendung finden kann. Dabei wurde deutlich: An technologischen Ideen mangelt es nicht. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Integration in reale Bauprozesse. Robotik muss wirtschaftlich, sicher, regulatorisch beherrschbar und skalierbar sein.

Genau darin lag die zentrale Botschaft des Robotics Day: Die Branche diskutiert längst nicht mehr nur darüber, ob Roboter auf Baustellen eingesetzt werden können. Entscheidend ist inzwischen, wie sie in durchgängige Prozesse integriert werden – und wie schnell daraus ein belastbares Geschäftsmodell für die Baupraxis entsteht. (eg)