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Ring frei für die IBA: Berlin eröffnet den öffentlichen Dialog über die Internationale Bauausstellung 2034–2037
Visualisierung der Auftaktausstellung „Ring frei für eine IBA!“ zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Berlin 2034–37. Die IBA startet mit einem langfristigen Entwicklungsprozess für die klimaresiliente und zukunftsfähige Transformation der Hauptstadt | Illustration: KI-generiert

Ring frei für die IBA: Berlin eröffnet den öffentlichen Dialog über die Internationale Bauausstellung 2034–2037

01. Juli 2026

Mit einer gut besuchten Auftaktveranstaltung im Hangar 7 des ehemaligen Flughafens Tempelhof hat der Berliner Senat den öffentlichen Dialog zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Berlin 2034–2037 eröffnet. Unter dem Titel „Ring frei für die IBA“ wurde deutlich: Die IBA soll weit mehr werden als eine Architekturausstellung. Sie versteht sich als langfristiges Zukunftslabor für die Transformation der bestehenden Metropole – mit den Themen Klimaschutz, nachhaltiges Weiterbauen, soziale Integration und neue Formen der Stadtentwicklung im Mittelpunkt.

Im Zentrum der Veranstaltung stand Berlins Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler. Er warb für eine offene Debatte über die Zukunft der Stadt und machte deutlich, dass die IBA kein abgeschlossenes Konzept, sondern ein gemeinsamer Entwicklungsprozess sein soll.

„Wir richten heute den Blick nach vorne“, betonte Gaebler zur Eröffnung. Zugleich sprach er sich für einen „produktiven Streit“ aus – allerdings ohne die „üblichen Grabenkämpfe“, die Stadtentwicklungsdebatten in Berlin häufig prägten.

Gaebler unterstrich außerdem, dass die IBA ausdrücklich über die Berliner Stadtgrenzen hinausdenken wolle. Das Leitmotiv „Ring trifft Radiale“ solle nicht nur die Entwicklung entlang des Berliner S-Bahn-Rings vorantreiben, sondern auch die Zusammenarbeit mit Brandenburg stärken. Die Hauptstadtregion solle künftig stärker als gemeinsamer Lebens- und Wirtschaftsraum verstanden werden.

Brüssel als Vorbild

Internationalen Impuls erhielt die Veranstaltung durch den Brüsseler Stadtbaumeister Kristiaan Borret. Er schilderte eindrucksvoll die Entwicklung des Brüsseler Kanalgebiets, das innerhalb weniger Jahre von einer trennenden Industriebrache zu einem neuen urbanen Zentrum geworden sei.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein städtebauliches Projekt die ganze Stadt verändern kann.“

Borret erinnerte daran, dass der Kanal früher die Stadt in zwei Welten geteilt habe. Heute sei er identitätsstiftender Mittelpunkt Brüssels. Dieses Beispiel könne auch Berlin inspirieren, bestehende Barrieren – insbesondere entlang des S-Bahn-Rings – neu zu denken und in verbindende Stadträume umzuwandeln.

Der Ring als neues Labor der Stadt

Die Kuratorin der Ausstellung, Cordelia Polinna, erläuterte die planerische Idee hinter der IBA.

„Auch der S-Bahn-Ring ist eine Barriere.“

Ziel sei es deshalb, nicht nur bauliche, sondern ebenso mentale Brücken zu schlagen. Vier sogenannte Suchräume entlang des Rings sollen beispielhaft zeigen, wie Gewerbe, Wohnen, Freiräume, Mobilität und Klimaanpassung künftig besser miteinander verknüpft werden können. Gerade dort, wo bislang unterschiedliche Nutzungen nebeneinander existieren, ohne sich gegenseitig zu stärken, sieht die IBA große Entwicklungschancen.

Transformation statt Neubau

Die IBA 2034–2037 verfolgt bewusst einen anderen Ansatz als frühere Bauausstellungen. Im Mittelpunkt steht nicht die Entwicklung neuer Stadtteile auf der grünen Wiese, sondern der intelligente Umbau der bestehenden Stadt. Gebäude, Infrastruktur und Freiräume sollen als Ressource verstanden und weiterentwickelt werden. Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, ressourcenschonendes Bauen und innovative Beteiligungsformate bilden dabei die Leitlinien. Reallabore und Modellprojekte sollen Lösungen entwickeln, die später auf andere Städte übertragbar sind.

Signal für Berlins Zukunft

Mit „Ring frei für die IBA“ ist der Senatsverwaltung ein überzeugender Auftakt gelungen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Internationale Bauausstellung nicht als kurzfristiges Prestigeprojekt verstanden wird, sondern als langfristiger Transformationsprozess für Berlin und die Hauptstadtregion. Die Einbindung internationaler Erfahrungen, die Öffnung für Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie die Konzentration auf den Bestand verleihen dem Projekt bereits in seiner Startphase eine bemerkenswerte inhaltliche Tiefe.

Bis zur Ausstellungsphase von 2034 bis 2037 bleibt zwar noch ein langer Weg. Doch der Auftakt in Tempelhof hat gezeigt, dass Berlin den Anspruch formuliert, mit der dritten Internationalen Bauausstellung seiner Geschichte erneut Maßstäbe für die Stadtentwicklung des 21. Jahrhunderts zu setzen.


Grafische Darstellung des erweiterten Ringszenarios | Bild: SenStadt
Grafische Darstellung des erweiterten Ringszenarios | Bild: SenStadt

Auch aus Sicht der Immobilienwirtschaft setzt die IBA ein wichtiges Signal. Ioannis Moraitis, Geschäftsführer der Hedera Bauwert GmbH, sieht in dem Projekt vor allem die Chance, Planungs- und Entwicklungsprozesse neu zu denken: „Mit der IBA Berlin 2034–37 entsteht die Chance, Stadtentwicklung neu zu organisieren. Entscheidend wird nicht die Zahl einzelner Leuchtturmprojekte sein, sondern die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Wenn Planung, Genehmigung, Infrastruktur und Investitionen von Beginn an integriert gedacht werden, kann die IBA weit über Berlin hinaus Maßstäbe für die Entwicklung wachsender Metropolen setzen. Der eigentliche Erfolg wird sich daran messen lassen, ob aus guten Konzepten schneller realisierbare Projekte entstehen.“

Mit der Auftaktausstellung beginnt nun ein langfristiger Prozess, der bis 2037 reichen wird. Die IBA versteht sich dabei weniger als klassische Architekturausstellung denn als Innovationsplattform für eine klimaresiliente, wirtschaftlich tragfähige und lebenswerte Stadtentwicklung. (red)