Potsdamer Wirtschaftstreffen des BVMW
Starke Impulse für den Schulterschluss von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik
Die Schinkelhalle in Potsdam wurde am Donnerstag zum Treffpunkt jener Kräfte, die die Zukunft Brandenburgs gestalten wollen. Beim traditionellen Potsdamer Wirtschaftstreffen des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) kamen Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker und Vertreter der Stadtgesellschaft zusammen, um über die Rolle eines starken Mittelstandes in Zeiten tiefgreifender Transformation zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand das Leitmotiv: „Starker Mittelstand mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung zum Erhalt der sozialen Marktwirtschaft“.
Gastgeberin und BVMW-Repräsentantin für die Wirtschaftsregion Brandenburg, Birgit Derwanz-Dahlmann, konnte in der ausgebuchten Schinkelhalle zahlreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik begrüßen. Die Veranstaltung knüpfte damit an eine langjährige Tradition an und bestätigte erneut ihren Ruf als eines der wichtigsten Netzwerktreffen der Hauptstadtregion.
Klare wirtschaftspolitische Botschaften des BVMW
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Rede von Dr. Hans-Jürgen Völz, dem Chefvolkswirt des Verbandes. „Wenn wir über Deutschland sprechen, dann sprechen wir über ein Land, dessen wirtschaftlicher Erfolg untrennbar mit dem Begriff Mittelstand verbunden ist“, machte Völz deutlich, und verwies auf die Rolle der mittelständischen Unternehmen als Rückgrat der deutschen Wirtschaft und deren enorme Herausforderungen. Seine Ausführungen kreisten um Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau, Investitionsanreize und die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmertums.
„Die Zahlen sind beeindruckend: Rund 84.000 in Brandenburg, und 3,5 Millionen kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland. Sie stehen für 60 Prozent aller Arbeitsplätze und über 80 Prozent aller Auszubildenden. Sie erwirtschaften mehr als die Hälfte der gesamten Wertschöpfung der Volkswirtschaft“, betonte Völz, und fügte hinzu: „Doch der Mittelstand ist mehr als reine Statistik. Er ist geprägt von Familienunternehmen, oft in dritter, vierter, manchmal fünfter Generation. Von Eigentümern, die nicht nur Kapital investieren, sondern es als ihre Lebensaufgabe sehen, das Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben.“
In seiner Rede gelang es Völz weiterhin, wirtschaftspolitische Analysen mit einem klaren Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft zu verbinden. Der Mittelstand, so die zentrale Botschaft, sei weit mehr als ein wirtschaftlicher Faktor. Er stifte Identität, sichere Arbeitsplätze, bilde Fachkräfte aus und trage wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.

Potsdam als Innovationsstandort
Einen kommunalpolitischen Akzent setzte die Potsdamer Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos). In ihrem Grußwort stellte sie die besondere Rolle Potsdams als Wissenschafts-, Innovations- und Wirtschaftsstandort heraus. Die brandenburgische Landeshauptstadt habe sich in den vergangenen Jahren zu einem der dynamischsten Wissens- und Technologiestandorte Deutschlands entwickelt. „Wir haben in unserer Stadt an vielen Stellen erfolgreiche Zusammenarbeitsmodelle zwischen Unternehmen, zwischen Hochschulen und Forschungsinstituten. Auch das ist ein Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg.“Universitäten, Forschungseinrichtungen, Start-ups und etablierte Unternehmen bildeten ein Ökosystem, das weit über die Landesgrenzen hinaus ausstrahle. Gleichzeitig betonte Aubel die Bedeutung des Dialogs zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft, um die Herausforderungen von Wachstum, Innovation und Stadtentwicklung gemeinsam zu bewältigen. „Und das bietet aus unserer Sicht auch ganz entscheidende Chancen für den Mittelstand. Nicht nur Vernetzung, Partnerschaft, Learning, sondern auch die Möglichkeit zur Produktent- oder Produktweiterentwicklung“, so Aubel.
Wissenschaft als Schlüssel zur Zukunft
Einen weiteren Höhepunkt setzte die Rede von Dr. Manja Schüle (SPD). Die Wissenschaftsministerin warb für eine noch engere Verzahnung von Forschung, Innovation und wirtschaftlicher Anwendung. Brandenburg verfüge über eine außergewöhnlich leistungsfähige Wissenschaftslandschaft, deren Potenziale noch stärker für die wirtschaftliche Entwicklung genutzt werden müssten. „Brandenburg wächst in der Fläche, in der Tiefe, aber vor allen Dingen wächst Brandenburg in der Substanz. All das ist das Ergebnis von Jahren, in denen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam auf eine Regierung gewettet und durchgehalten haben. Und wir sind bereit, weiter durchzuhalten und ich bin auch weiterhin bereit, andere mit meinen Visionen anzustecken, denn es zeigt, dass sich Investitionen auszahlen, dass sie wirken. Aber natürlich brauchen sie Geduld und sie brauchen Partner, die nicht beim ersten Gegenwind abspringen.“

Gelobt wurde in diesem Zusammenhang das innovative Unternehmen Veinland, dessen Managing Direktor, Gerald Rynkowski, die Bedeutung der Entwicklung sowie Fertigung von industrieller Hard- und Software für das Bundesland, aber auch im globalen Kontext hervorhob. Nicht nur unterstützt das Unternehmen private Haushalte sowie regionale Kleingewerbe, sondern bietet auch maßgeschneiderte Großindustrielösungen in Form von vielfältig anwendbarer und hochmoderner Technik über die Grenzen Brandenburgs an.
Gerade in Zeiten technologischer Umbrüche, der Digitalisierung und des internationalen Wettbewerbs seien Forschung und Innovation die entscheidenden Faktoren für nachhaltigen Wohlstand. Schüle machte deutlich, dass Wissenschaft und Wirtschaft keine getrennten Welten seien, sondern gemeinsam die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit des Landes bildeten. „Gute Ausbildung, gute Wissenschaft und gute Forschung ist gute Wirtschaftspolitik. Als Ministerin sehe ich täglich, was auf dem Spiel steht, wenn diese beiden Bereiche eben nicht zueinanderkommen. Wissen, das nicht transferiert wird, eine Erfindung, die im Labor bleibt, schafft keine Arbeitsplätze“, so die Ministerin.
Die Kraft der Vernetzung
Neben den politischen Impulsen prägten zahlreiche Praxisbeispiele, Fachvorträge und Gespräche das Programm. Vertreter erfolgreicher Unternehmen berichteten über Innovationen, gesellschaftliche Verantwortung und neue Wege unternehmerischer Entwicklung. Weitere Keynotes widmeten sich sozialen Innovationen, Unternehmertum und dem Faktor Mensch als zentralem Erfolgsfaktor wirtschaftlicher Transformation. Gerade dieser Mix aus wirtschaftlicher Praxis, wissenschaftlicher Expertise und politischer Perspektive machte den besonderen Charakter der Veranstaltung aus. Das Potsdamer Wirtschaftstreffen verstand sich nicht als klassische Konferenz, sondern als Plattform für Austausch, Vernetzung und neue Kooperationen.

Ein starkes Signal für Brandenburg
Das diesjährige Wirtschaftstreffen zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft geworden ist. In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheiten, geopolitischer Spannungen und technologischer Umbrüche sendete die Veranstaltung ein klares Signal: Zukunft entsteht dort, wo unterschiedliche Akteure miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Verantwortung übernehmen.
Die ausgebuchte Schinkelhalle bot dafür den passenden Rahmen. Das Potsdamer Wirtschaftstreffen bestätigte einmal mehr seinen Stellenwert als bedeutende Plattform der Hauptstadtregion – und als Ort, an dem die Zukunft Brandenburgs nicht nur diskutiert, sondern aktiv mitgestaltet wird. (fs)