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Neustart mit Stefan Evers: CDU schickt ihren Strategen ins Rennen
CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers, Finanz- und Kultursenator von Berlin | © Paul Schneider

Neustart mit Stefan Evers: CDU schickt ihren Strategen ins Rennen

14. Juli 2026

Die Hauptstadt-CDU setzt im Wahlkampf-Endspurt auf einen Neustart. Finanz- und Kultursenator Stefan Evers führt die Partei als Spitzenkandidat in die Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Der Landesvorstand nominierte den 46-Jährigen gestern am späten Nachmittag einstimmig, nur wenige Tage nach dem Rückzug von Kai Wegner infolge der politischen Turbulenzen um sein ungeschicktes Krisenmanagement bei und nach dem Blackout.

Evers gilt als einer der profiliertesten Strategen der Berliner CDU. Als langjähriger Generalsekretär organisierte er den erfolgreichen Wahlkampf 2023, als Finanzsenator verantwortet er seitdem den schwierigen Spagat zwischen Haushaltskonsolidierung und Investitionen. Nun soll er der CDU politische Stabilität und vor allem neue Glaubwürdigkeit verschaffen, in erster Linie, um enttäuschte Stammwähler zurückzugewinnen.

Erste Akzente: Weniger Gratismentalität, mehr Leistung

In ersten Statements machte Evers deutlich, dass er sich programmatisch von einer Politik pauschaler Leistungen lösen will. Kostenlose Angebote sollen sich künftig stärker an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Bürger orientieren. Sein Credo: Wer mehr leisten kann, soll auch mehr zum Gemeinwesen beitragen. Gleichzeitig kündigte er Investitionen in Bildung, Sicherheit, eine leistungsfähige Verwaltung und bezahlbaren Wohnraum an. Gegen Mietwucher will der Senat entschlossen vorgehen, ohne private Investoren zu verschrecken. Der gewiefte Kommunalpolitiker versucht damit, wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung zu verbinden. Eine Positionierung, mit der die CDU insbesondere Wähler in der politischen Mitte zurückgewinnen will.

Konkurrenz sieht keinen Neuanfang

Seine politischen Mitbewerber reagieren erwartungsgemäß skeptisch. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sieht in Evers die Fortsetzung des bisherigen CDU-Kurses. Auch die Grünen sprechen von „Wegner II“ und verweisen darauf, dass Evers als Finanzsenator sämtliche Entscheidungen der vergangenen drei Jahre mitgetragen habe. Die Linke kritisiert seine Sparmaßnahmen im Landeshaushalt und bezweifelt, dass der CDU-Kandidat soziale Antworten auf die Herausforderungen der Hauptstadt geben könne. AfD-Spitzenkandidatin Dr. Kristin Brinker wiederum hält den Personalwechsel für unvollständig, solange Kai Wegner Regierender Bürgermeister bleibt.

CDU setzt auf Erfahrung statt Experiment

Innerhalb der CDU wird Evers dagegen als Garant für Geschlossenheit und Professionalität gesehen. Er kennt Partei und Verwaltung gleichermaßen, gilt als analytischer Kopf, verhandlungssicher und ausgesprochen kampagnenstark. Anders als sein Vorgänger wird er den Wahlkampf weniger über persönliche Inszenierung als über Inhalte führen müssen. Ob das genügt, um die CDU nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen wieder in die Offensive zu bringen, dürfte sich schon in den ersten TV-Duellen zeigen. Fest steht: Mit Stefan Evers schlägt die Berliner CDU ein neues Kapitel auf – allerdings unter erheblichem Zeitdruck. (evo)