Mittelständische Bauindustrie: Berliner Wohnraum und Verkehr im Fokus
Die Baubranche stellt sich erfolgreich den drängenden Herausforderungen in Berlin und Brandenburg. Das machte der Neujahrsempfang der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB) deutlich. Bei dem hochkarätig besetzten Treffen standen neben Forderungen nach Bürokratieabbau und digitalen Verwaltungsprozessen konkrete wohnungs- und infrastrukturelle Bauprojekte im Fokus.
Klare Worte, konkrete Ziele
Die Erwartungen der Branche fasste Martin Steinbrecher, Präsident der BVMB, pointiert zusammen: „Unsere mittelständischen Unternehmen schaffen Lebensraum, Mobilität und Zukunft. Wir brauchen die politischen Rahmenbedingungen, um das auch umzusetzen.“ Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) betonte die Bedeutung leistungsfähiger Infrastruktur für Berlin und das Umland: „Gerade in der Metropolregion Berlin-Brandenburg entscheiden Verkehrsanbindung und digitale Planung über Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität.“ Bau- und Wohnexperten im Publikum teilten diese Einschätzung: Es gehe darum, Wohnraum schneller zu realisieren und gleichzeitig die Verkehrsinfrastruktur nachhaltig auszubauen. Ein Balanceakt, der politisches Vertrauen und unternehmerisches Engagement erfordere.
Großprojekte als Signal
Beim Empfang wurde mehrfach auf große Wohnbauvorhaben mit Modellcharakter für die Region verwiesen. So ist in Berlin-Lichtenberg ein neues Stadtquartier geplant, in dem rund 580 neue, bezahlbare Wohnungen, eine Schule und Freiflächen entstehen werden. Baustart ist Ende 2026. Ebenfalls in Lichtenberg sollen in modularer Bauweise 1.500 Wohnungen bis Ende des Jahres fertiggestellt werden – ein Beispiel für effiziente, digitale und industrielle Bauweise. Als langfristige Perspektive für nachhaltiges Bauen gilt das TIMBERHAUS-Quartier auf dem ehemaligen Flughafen Tegel mit rund 5.000 neuen Wohneinheiten für bis zu 10.000 Menschen. Diese Projekte unterstreichen, dass Berlin nicht nur einzelne Großprojekte braucht, sondern eine seriell skalierbare Baupraxis mit Standardprozessen, bei der der Mittelstand seine Stärken – Flexibilität und lokale Verwurzelung – einbringen kann.
Vom Schienennetz bis zur S-Bahn-Reaktivierung
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war der Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur. Dazu zählen die Reaktivierung der historischen Siemensbahn und der Ausbau des S-21-Nord-Süd-S-Bahn-Verkehrsnetzes. Teilnehmer warnten zugleich, dass Verzögerungen bei Autobahn-Sanierungen – etwa an der A 115 – die Branche belasten und Arbeitsplätze bedrohen.
Politik, Projekte, Partnerschaften
Die Diskussionsrunde endete mit einem klaren Appell: Bauvorhaben in Berlin und Brandenburg, sei es Wohnraum, Verkehr oder Stadtentwicklung, benötigen verbindliche Zeit- und Kostenpläne, digitale Prozesse und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Politik und Bauwirtschaft. Von entscheidender Bedeutung sind auch weiterhin öffentliche Aufträge. Hierbei müssen Mittelstand und öffentlicher Sektor stärker verzahnt werden, um Effizienz und Kostentransparenz zu steigern. BVMB-Präsident Steinbrecher resümierte: „Wir bauen nicht nur Häuser, wir bauen Zukunft. Dafür brauchen wir Mut, Planungssicherheit und echte Kooperation.“ (red)