MIPIM 2026: Neue Netzwerke, neue Perspektiven
Frauen gewinnen in der Immobilienbranche an Sichtbarkeit
Cannes/Berlin. Die internationale Immobilienmesse MIPIM 2026 in Cannes hat gezeigt, wie stark sich die Branche im Wandel befindet. Neben den klassischen Themen wie Wohnraummangel, steigende Baukosten und die anhaltende Zinsdebatte, war in diesem Jahr ein weiterer Trend deutlich spürbar: Frauen treten in der internationalen Immobilienwirtschaft zunehmend sichtbarer als Unternehmerinnen, Investorinnen und Netzwerkerinnen auf.
Frauen-Netzwerke gewinnen an Bedeutung
Noch vor wenigen Jahren galt die Immobilienbranche als klar männlich geprägt. Inzwischen entstehen jedoch immer mehr Initiativen und Netzwerke, die Frauen in der Branche miteinander verbinden und ihre Rolle in Entscheidungsprozessen stärken.
Wie diese Entwicklung konkret aussieht, zeigte sich auch rund um die MIPIM selbst: Netzwerktreffen, Diskussionsrunden und informelle Formate boten Raum für Austausch und Kooperation. Über eine entsprechende Initiative rund um Zdena Noack, Managing Director bei ZEITGEIST Student Housing, und Svetlana Fedosova, Gründerin des internationalen Netzwerks Entralon Club, berichtete BERLINboxx bereits während der Messe.
Doch die Entwicklung reicht weit über einzelne Veranstaltungen hinaus. In ganz Europa entstehen Plattformen, die gezielt weibliche Fach- und Führungskräfte der Immobilienwirtschaft miteinander vernetzen.
Zu den bedeutenden internationalen Initiativen zählt etwa WWIRE – World Women in Real Estate mit Sitz in Paris. Das Netzwerk bringt Managerinnen aus Investmenthäusern, Projektentwicklungen, Banken und Beratungsunternehmen zusammen und organisiert internationale Austauschformate.
Auch in Deutschland wächst die Dynamik. Die Organisation Frauen in der Immobilienwirtschaft e. V. hat sich zu einer wichtigen Plattform für Networking, Mentoringprogramme und Fachveranstaltungen entwickelt. Ergänzt wird die Landschaft durch Initiativen wie Ladies in Real Estate (LiRE), das HypZert-Frauennetzwerk Immobilienfinanzierung, das Mentoringprogramm Salon Real oder die Brancheninitiative FEM25, die sich gezielt für mehr Frauen in Führungspositionen der Immobilienwirtschaft einsetzt.
Auch große Immobilienunternehmen fördern inzwischen eigene Netzwerke. So hat etwa der internationale Immobilienberater Savills ein unternehmensinternes Frauennetzwerk aufgebaut, das Austausch, Mentoring und Karriereentwicklung unterstützt.
Neue Perspektiven für eine Branche im Wandel
Eine Stimme aus Berlin, die diese Entwicklung aufmerksam verfolgt, ist Hannah-Maria Bürmann, Immobilienunternehmerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Providentia Immobilien GmbH. Das Berliner Unternehmen positioniert sich als langfristig orientierter Investor mit Fokus auf Wohnimmobilien.
„Die Immobilienbranche wird vielfältiger und das ist ein wichtiger Schritt“, sagt Bürmann. „Netzwerke von Frauen schaffen neue Perspektiven und auch neue Formen der Zusammenarbeit. Gerade in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit braucht die Branche unterschiedliche Blickwinkel, um tragfähige Lösungen für Städte und Immobilienmärkte zu entwickeln.“
Gleichzeitig blickt die Unternehmerin mit realistischem Blick auf die Marktsituation. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie sensibel der Immobilienmarkt auf steigende Finanzierungskosten, regulatorische Anforderungen und Baukosten reagiert. International sei derzeit jedoch wieder eine vorsichtige Stabilisierung zu spüren.
„Viele Marktteilnehmer stellen sich strategisch neu auf. Wenn sich Finanzierungskosten stabilisieren und Planungsprozesse effizienter werden, kann sich der Markt wieder deutlich beleben – auch in Berlin.“
Internationale Vernetzung wird strategischer Faktor
Gerade internationale Branchenplattformen wie die MIPIM spielen für diese Entwicklung eine wichtige Rolle. Hier treffen sich Investoren, Projektentwickler, Stadtplaner und politische Vertreter aus aller Welt, um über neue Quartierskonzepte, Wohnungsbau und nachhaltige Stadtentwicklung zu diskutieren.
Im gut besuchten Berliner Pavillion standen in diesem Jahr insbesondere Themen wie urbane Transformation, neue Wohnformen und Investitionsbedingungen im Fokus.
Der Wandel der Branche zeigt sich dabei nicht nur in neuen Projekten oder Investmentstrategien. Auch personell verändert sich die Immobilienwirtschaft. Unternehmerinnen wie Bürmann stehen für eine jüngere Generation von Marktakteuren, die wirtschaftliche Kompetenz mit internationaler Vernetzung und neuen Perspektiven verbindet.
Neben ihrer Tätigkeit als Immobilieninvestorin ist Bürmann auch im internationalen Pferdesport aktiv und gilt als engagierte Springreiterin – eine Disziplin, in der strategisches Denken, Risikobewusstsein und langfristige Planung ebenso gefragt sind wie in der Immobilienwirtschaft.
Die Zukunft der Branche wird nicht allein durch neue Gebäude geprägt, sondern auch durch neue Perspektiven. Und diese werden zunehmend vielfältiger. (eg)