25 Jahre BERLINboxx
BusinessMagazin
Merz bei der IHK Berlin: Deutschlands Wachstum braucht mehr als politische Reformen
Bundeskanzler Friedrich Merz beim Wirtschaftspolitischen Frühstück der IHK Berlin am 3. November 2026: Im Mittelpunkt seiner Rede standen Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und technologische Innovationen | Bundesregierung/Guido Bergmann

Merz bei der IHK Berlin: Deutschlands Wachstum braucht mehr als politische Reformen

04. November 2026

Bundeskanzler Friedrich Merz fordert mehr Investitionen, weniger Bürokratie und einen technologischen Aufbruch. Beim Wirtschaftspolitischen Frühstück der IHK Berlin am 3. November stellte er die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in den Mittelpunkt. Wie Unternehmen selbst zur wirtschaftlichen Erneuerung beitragen können, zeigen innovative Ansätze aus der Bau- und Energiewirtschaft.

Beim Wirtschaftspolitischen Frühstück der IHK Berlin im Ludwig Erhard Haus zeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz ein differenziertes Bild der deutschen Wirtschaft. Zwar erwartet die Bundesregierung für 2026 ein Wirtschaftswachstum von rund 1,3 Prozent, doch von einem nachhaltigen Aufschwung könne noch keine Rede sein. Das Wachstum werde derzeit überwiegend durch kreditfinanzierte Infrastrukturprojekte und Verteidigungsausgaben getragen.

Gleichzeitig verwies Merz auf bereits eingeleitete Reformen: verbesserte Abschreibungsbedingungen, die schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer ab 2028 und Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Deutschland müsse wieder ein attraktiverer Standort für private Investitionen werden.

Die Berliner Wirtschaft würdigte der Kanzler ausdrücklich. Mit ihrer Mischung aus Industrie, Mittelstand und Start-ups sowie ihrer dynamischen Gründerszene nehme die Hauptstadt eine besondere Stellung ein. Gerade bei der künstlichen Intelligenz sieht Merz erhebliches Potenzial. Bis 2030 soll Deutschland zu einem führenden KI-Standort Europas werden.

Investitionssicherheit als Voraussetzung für Wachstum

Mit Blick auf die laufenden Berliner Koalitionsverhandlungen fand Merz deutliche Worte zur möglichen Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Die Debatte gefährde das Vertrauen von Investoren weit über die Hauptstadt hinaus.

In der anschließenden Diskussion mit IHK-Präsident Sebastian Stietzel und Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner kündigte der Bundeskanzler zudem Fortschritte bei einem geplanten Investitionsschutzgesetz an. Der Gesetzentwurf solle nach abschließenden Abstimmungen ins Bundeskabinett eingebracht werden.

Im Austausch über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Berlin (v. l.): IHK-Präsident Sebastian Stietzel, Bundeskanzler Friedrich Merz und IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner | IHK Berlin / Konstantin Gastmann, Jens Ahner
Im Austausch über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Berlin (v. l.): IHK-Präsident Sebastian Stietzel, Bundeskanzler Friedrich Merz und IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner | IHK Berlin / Konstantin Gastmann, Jens Ahner

Für die Bau- und Immobilienwirtschaft ist die Frage verlässlicher Rahmenbedingungen von besonderer Bedeutung. Doch Rechtssicherheit allein schafft noch keinen zusätzlichen Wohnraum. Ebenso entscheidend sind wirtschaftlich tragfähige Bauverfahren, kürzere Planungszeiten und eine höhere Produktivität.

Wohnungsbau: Technologischer Fortschritt statt steigender Kosten

Merz verwies auf die Bemühungen der Bundesregierung, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und Infrastrukturvorhaben schneller umzusetzen. In der Diskussion mit der IHK Berlin sprach er außerdem über den Gebäudetyp E als Ansatz für kostengünstigeres Bauen und die Notwendigkeit, zusätzliche Wohnbauflächen zu erschließen.

Wie sich die Produktivität im Bauwesen durch technologische Innovationen steigern lässt, beschäftigt auch ALL3 Construction Germany. Das Unternehmen setzt auf KI-gestützte Planung, robotergestützte Fertigung und industrielle Vorproduktion von Holz-Hybrid-Bauelementen. Ziel ist es, Bauprozesse zu beschleunigen, Kosten zu reduzieren und zugleich ressourcenschonender zu bauen.

Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer von ALL3 Construction Germany: KI-gestützte Planung, Robotik und industrielle Vorfertigung können den Wohnungsbau effizienter und wirtschaftlicher machen | BERLINboxx
Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer von ALL3 Construction Germany: KI-gestützte Planung, Robotik und industrielle Vorfertigung können den Wohnungsbau effizienter und wirtschaftlicher machen | BERLINboxx

Wulf von Borzyskowski, Geschäftsführer von ALL3 Construction Germany, sieht insbesondere in der Industrialisierung des Bauens einen entscheidenden Hebel: „Deutschland braucht nicht nur schnellere Genehmigungen, sondern auch eine grundlegende Modernisierung seiner Bauprozesse. Wir können Wohnraum nicht dauerhaft günstiger schaffen, wenn wir weiterhin überwiegend mit den Methoden der Vergangenheit bauen. KI-gestützte Planung, Robotik und industrielle Vorfertigung ermöglichen einen echten Produktivitätssprung. Entscheidend ist, dass technologische Innovationen auch in der Breite des Wohnungsbaus ankommen.“

Energieeffizienz: Wettbewerbsfähigkeit beginnt im Gebäudebetrieb

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion bei der IHK Berlin waren die hohen Energiekosten. Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner machte darauf aufmerksam, dass viele Berliner Unternehmen von den bisherigen Entlastungsmaßnahmen kaum profitieren. Merz stellte weitere Beratungen über eine breitere Senkung der Stromsteuer in Aussicht.

Neben staatlichen Entlastungen rückt damit eine zweite Frage in den Vordergrund: Wie können Unternehmen ihren Energieverbrauch dauerhaft senken und ihre Abhängigkeit von steigenden Betriebskosten reduzieren?

Genau hier liegt das Tätigkeitsfeld von FIV.Energy. Das von Francisco Iglesias gegründete Unternehmen entwickelt intelligente Lösungen für die digitale Steuerung und energetische Optimierung von Bestandsgebäuden. Durch die Vernetzung technischer Anlagen und datenbasierte Steuerungsverfahren sollen Energieverbräuche reduziert werden, ohne dass dafür zwangsläufig umfassende bauliche Sanierungen erforderlich sind.

Francisco Iglesias, Gründer und Geschäftsführer von FIV.Energy, setzt auf intelligente Gebäudesteuerung, um Energieverbrauch und Betriebskosten nachhaltig zu senken | BERLINboxx
Francisco Iglesias, Gründer und Geschäftsführer von FIV.Energy, setzt auf intelligente Gebäudesteuerung, um Energieverbrauch und Betriebskosten nachhaltig zu senken | BERLINboxx

Francisco Iglesias, Gründer und Geschäftsführer von FIV.Energy, betont den wirtschaftlichen Nutzen intelligenter Gebäudetechnik: „Niedrigere Energiepreise sind wichtig. Aber eine dauerhaft wettbewerbsfähige Wirtschaft muss auch ihren Energieverbrauch intelligent steuern. Gerade im Gebäudebestand liegen erhebliche Einsparpotenziale, die sich mit digitalen Technologien schon heute erschließen lassen. Wer Energieeffizienz konsequent mit Wirtschaftlichkeit verbindet, senkt laufende Kosten, reduziert Emissionen und macht Unternehmen unabhängiger von Energiepreisschwankungen. Dafür brauchen wir vor allem Offenheit für praxistaugliche Innovationen.“

Entscheidend ist die Umsetzung

Die Rede des Bundeskanzlers machte deutlich, dass die wirtschaftspolitischen Herausforderungen weit über einzelne Reformvorhaben hinausreichen. Bürokratieabbau, Investitionssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen sind wichtige Voraussetzungen für Wachstum. Ob daraus ein nachhaltiger Aufschwung entsteht, hängt jedoch auch davon ab, wie konsequent Unternehmen neue Technologien einsetzen.

Die Bau- und Energiewirtschaft bieten dafür konkrete Ansatzpunkte. Während industrielle Fertigung und künstliche Intelligenz die Produktivität im Neubau steigern können, ermöglicht intelligente Gebäudetechnik eine wirtschaftlichere Nutzung des Bestands.

Für Berlin liegt darin eine besondere Chance: Die Hauptstadt verfügt über innovative Unternehmen und eine dynamische Technologielandschaft. Nun kommt es darauf an, politische Reformen und unternehmerische Innovationskraft zusammenzubringen. (eg)