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Mehrwertsteuergeschenk verpuff: Gastgewerbe unter Druck
Viele Baustellen sorgen für viel Kritik | © Bild: NGG, Hintergrund: Bettina von Arnim, Canva

Mehrwertsteuergeschenk verpuff: Gastgewerbe unter Druck

18. September 2026

Die vier Milliarden schwere Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie hat ihr politisches Ziel verfehlt. Obwohl die Bundesregierung damit auch die Gäste entlasten wollte, wurden laut einer Preisstudie nur rund ein Prozent von mehr als 180.000 untersuchten Gerichten günstiger. Gleichzeitig wächst der Frust bei den Beschäftigten in der Branche: 71 Prozent haben bereits darüber nachgedacht, das Gastgewerbe zu verlassen. Das zeigen eine bundesweite Beschäftigtenbefragung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die vorgestellte Preisstudie.

Die von wmp consult im Auftrag der NGG durchgeführte Preisstudie ergab, dass 91 Prozent der Preise unverändert blieben, während bei rund acht Prozent Preissteigerungen festgestellt wurden. Besonders häufig verteuerten sich Bowls (14 Prozent), Schnitzel (11 Prozent) und Steaks (10 Prozent). Im Durchschnitt stiegen die Preise um 0,5 Prozent. Lediglich ein Prozent der Gerichte vergünstigte sich. Von der Mehrwertsteuersenkung profitieren Restaurantgäste damit nicht.

Guido Zeitler, NGG-Vorsitzender, zieht eine ernüchternde Bilanz: „Die Bundesregierung wollte mit der Mehrwertsteuersenkung auch die Gäste entlasten. Tatsächlich ist davon nichts bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen. Zwischen politischem Anspruch und Realität klafft eine deutliche Lücke.“ Kritisch sei zudem, dass auch die Beschäftigten bisher nicht von dem Steuergeschenk für die Branche profitiert hätten. In den laufenden Tarifverhandlungen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) erlebe die NGG eine große Blockadehaltung bei Lohnerhöhungen. 

Zeitler fordert deshalb einen Kurswechsel: „Die Branche kann nicht dauerhaft von staatlicher Unterstützung profitieren, während die Beschäftigten leer ausgehen. Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen bieten, statt den Acht-Stunden-Tag infrage zu stellen.“

Personal geht auf dem Zahnfleisch

Die NGG-Befragung unter mehr als 2.000 Beschäftigten zeigt eine hohe Belastung in vielen Betrieben. Fast jede zweite befragte Person arbeitet regelmäßig acht bis zehn Stunden täglich, zehn Prozent sogar noch länger. Drei Viertel der Beschäftigten können sich nach langen Arbeitstagen nicht ausreichend erholen. 79 Prozent berichten von kurzfristigen Dienstplanänderungen, die die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben erschweren. Vor diesem Hintergrund sprechen sich 96 Prozent der Befragten für eine Begrenzung der täglichen Höchstarbeitszeit aus.

Mark Baumeister, NGG-Referatsleiter Gastgewerbe, betont: „Die Beschäftigten dürfen nicht länger die Zeche für Personalmangel und Arbeitsverdichtung zahlen. Die Ergebnisse sind ein deutlicher Auftrag an die Arbeitgeber. Sie wollen die Beibehaltung des Acht-Stunden-Tages und keine längeren Arbeitstage, sondern bessere Arbeitsbedingungen und höhere Einkommen. Dafür werden wir in den Tarifverhandlungen weiter Druck machen.“ (red)