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Lars Klingbeil beim Spargelessen der Berliner Pressekonferenz: Deutschland muss sich auf seine Stärken besinnen
(v.l.): Gastgeber Thomas Klein; Nina Englert, Leiterin BMW Berlin; Lars Klingbeil, Bundesfinanzminister | © Robert Lehmann Fotografie

Lars Klingbeil beim Spargelessen der Berliner Pressekonferenz: Deutschland muss sich auf seine Stärken besinnen

16. Juni 2026

Exklusiv und einflussreich: Die Teilnahme am traditionellen Spargelessen der Berliner Pressekonferenz kommt seit jeher einem gesellschaftlichen Ritterschlag gleich. Die älteste Journalistenvereinigung Deutschlands, nach dem Krieg im Westteil der Stadt wiederbegründet von SPD-Legende Willy Brandt, hatte in die Sky Lounge des Gasometers Schöneberg auf dem EUREF-Campus eingeladen, und rund 120 Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Kultur genossen das von Sternekoch Thomas Kammeier meisterlich zubereitete Spargelmenü bei leichtem Sommerwein und inspirierendem Gedankenaustausch. Allen voran Bundesfinanzminister und SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil, der in seiner Ansprache mehr Reformtempo versprach.

Nachdenkliche Worte fand zu Beginn auch Gastgeber Thomas Klein. Der Vorsitzende der 1918 gegründeten Pressekonferenz warnte in seiner Begrüßung vor der weltweit wachsenden Bedrohung der Freiheit. „Demokratie und offene Gesellschaft sind nicht möglich ohne Pressefreiheit.“ Um dann launig seinen Dank an die Sponsoren, darunter GASAG, BMW Berlin, Allgemeine Immobilien-Börse und Periskop Development und Schneider Electric, mit dem Hinweis auf die steigenden Spargelpreise zu verbinden.

(v.l.): Dr. Angela Wiechula, BERLINboxx-Herausgeberin; Manuel Oltersdorf, FAY Projects; Johannes Nendel, Kintyre Management; Lars Klingbeil; Francisco Iglesias, FIV.Energy | © Robert Lehmann Fotografie

Spitzen aus Politik und Wirtschaft

Schon die Begrüßung der Ehrengäste ließ die Bedeutung des abendlichen Events hoch über den Dächern der Hauptstadt erkennen. Der Berliner Senat war in Kabinettstärke mit Stefan Evers (Finanzen und Kultur), Franziska Giffey (Wirtschaft), Cansel Kiziltepe (Arbeit und Soziales), Ute Bonde (Verkehr), Iris Spranger (Inneres) in Kabinettstärke vor Ort.

Für die derzeit in Umfragen schwächelnden Sozialdemokraten verbreiteten Spitzenkandidat Steffen Krach und Fraktionschef Raed Saleh Zweckoptimismus, moralisch unterstützt von den früheren Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Walter Momper. Die Grünen zeigten mit dem Duo Bettina Jarasch und Werner Graf Flagge und Zuversicht. Das diplomatische Corps vertraten die Schweizer Botschafterin Livia Leu und ihr dänischer Kollege Thomas Østrup Møller.

(v.l.): Dr. Simon Kempf, Periskop AG; Maren Kern, Berlin-Brandenburgischer Wohnungsverband BBU; Ute Bonde, Verkehrs- und Umweltsenatorin; Franziska Giffey; Wirtschaftsenatorin; Dr. Angela Wiechula, BERLINboxx; Wulf von Borzyskowski, ALL3 Construction Germany | © Robert Lehmann Fotografie

Aus den Führungsetagen der Berliner Wirtschaft waren präsent: Hausherrin GASAG mit dem Vorstandstrio Georg Friedrichs, Stefan Hadré und Matthias Trunk; Deutschland-Chef Wulf von Borzyskowski, ALL3 Construction; Christian Gérôme, Allgemeine Immobilien-Börse; Francisco Iglesias, Gründer und Geschäftsführer von FIV.Energy; Dr. Simon Kempf, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschaft, Periskop AG; Star-Architekt Christoph Langhof; Johannes Nendel, Geschäftsführender Gesellschafter Kintyre Management; Manuel Oltersdorf von FAY Projects; Daan Smans, Vice President EMEA beim Schweizer Technologieunternehmen CEDES und Sven Wenzel von Bohnzirlewagen.

(v.l.): Matthias Trunk, GASAG AG; Thomas Klein; Werner Graf, Grüne Berlin | © Sven Darmer

Mit einem Lachen den und einem weinenden Auge nahm Nina Englert Abschied von der Spargelrunde. Die Leiterin der Niederlassung Berlin der BMW Group wechselte zum 1. Juli von der Spree nach Manhattan, um das Amerika-Business von BMW auszubauen. Für die smarte Managerin ein Heimspiel, da sie in den USA aufgewachsen ist. Ihre Nachfolge tritt, aus München kommend, Axel Pannes an.

Lars Klingbeil und ALL3 Germany CEO Wulf von Borzyskowski | © Robert Lehmann Fotografie

Klingbeils Botschaften

Dann der Höhepunkt des Abends. Immer wieder unterbrochen von spontanem Beifall, redete Vizekanzler Lars Klingbeil Klartext. „Die Polarisierung nimmt zu“, warnte der Spitzengenosse – und zog eine Parallele zum Ende der Weimarer Republik. Diese sei nicht durch die Stärke ihrer Feinde, sondern an der Schwäche der Demokraten gescheitert. Klingbeil dankte in diesem Zusammenhang der Berliner Pressekonferenz für ihr mutiges Eintreten für Pressefreiheit und Demokratie weltweit.

Nicht zuletzt an die Adresse der eigenen Regierungskoalition richtete sich seine Aufforderung, Deutschland müsse sich mehr auf seine eigenen Stärken besinnen. „Ich möchte nicht von den Launen von Donald Trump abhängig sein“, so sein pointiertes Statement. Ausdrückliches Lob des SPD-Chefs gab es an dieser Stelle für Helmut Kohl, der sich gemeinsam mit Frankreich für ein starkes Europa eingesetzt habe.

(v.l.): Lars Klingbeil; Johannes Nendel, Kintyre Management; Francisco Iglesias, FIV.Energy; Daan Smans, CEDES | © Robert Lehmann Fotografie

Deutschland zukunftsfest machen

Mit einem Willy Brandt-Zitat leitete Klingbeil zum Blut, Schweiß und Tränen-Teil seiner Rede über. Man dürfe dem mündigen Bürger nicht die Schwierigkeiten vorenthalten, so der SPD-Ahnherr. Deutschland befinde sich „im siebten Jahr einer Krise“, konstatierte Klingbeil. Und warnte, China sei „an vielen Stellen an uns vorbeigezogen“. Als Antwort darauf strebe die Bundesregierung ein „großes, gerechtes Gesamtpaket“ an, damit unser Land wettbewerbsfähig bleibt. Dazu müssten alle ihren Beitrag leisten.

Lars Klingbeil und Sven Wenzel, Bohnzirlewagen | © Sven Darmer

Licht und Schatten. Den Unternehmen versprach der Bundesfinanzminister „weniger Kontrolle“ – schloss aber zusätzliche Belastungen, etwa durch eine Einkommensteuerreform, nicht aus. Der Mahnung, Deutschland müsse „mehr und schneller bauen“, schlossen sich Überlegungen zur Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft an. Noch mehr Staat, also? Die Reaktion der Gäste war eindeutig. Es war die einzige Passage, bei der sich nur wenige Hände zum Applaus rührten.

(v.l.): Christian Gérôme, Allgemeine Immobilien-Börse; Lars Klingbeil; Thomas Klein; Steffen Krach, SPD Berlin; Franziska Giffey, Wirtschaftssenatorin | © Sven Darmer

Immerhin: Klingbeil nahm sich nach seiner Rede ausgiebig Zeit für den Austausch mit Experten. So ließ er sich von All3-Deutschland-Chef Wulf von Borzyskowski erläutern, wie der gezielte Einsatz von Robotik und KI zum schnelleren und kostengünstigeren Bauen beitragen könne. „Das sichert und schafft Arbeitsplätze“, betonte von Borzyskowski – und fand im Bundesfinanzminister einen aufgeschlossenen Zuhörer.

(v.l.): Thomas Klein; Lars Klingbeil; Frank Schmeichel, Busniness Network | © Robert Lehmann Fotografie

Weitere Gäste waren: Alexander Gnann, Gnann Vermögensverwaltung; Georg Heil, Chefredakteur Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb); Maren Kern, Vorstand Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsverband BBU; Lutz Kordges, Mitglied der Bundesgeschäftsführung BVMW; Jörg Stroedter, MdA, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion Berlin.

Begegnungen wie diese machen den Wert des traditionellen Spargelessens der Berliner Pressekonferenz aus. Es ermöglicht Gespräche auf – auch in übertragenem Sinne – höchstem Niveau. In angenehmem Ambiente. Und mit Stil und Haltung. (evo)

(v.l.): Dr. Simon Kempf; Jan-Steffen Iser (beide Periskop AG); Lars Klingbeil; Kamill Georg Wipyewski, Periskop AG; Kathrin Aehling, Schneider Electric | © Robert Lehmann Fotografie