Lars Klingbeil beim Spargelessen der Berliner Pressekonferenz: Deutschland muss sich auf seine Stärken besinnen
Exklusiv und einflussreich: Die Teilnahme am traditionellen Spargelessen der Berliner Pressekonferenz kommt seit jeher einem gesellschaftlichen Ritterschlag gleich. Die älteste Journalistenvereinigung Deutschlands, nach dem Krieg im Westteil der Stadt wiederbegründet von SPD-Legende Willy Brandt, hatte in die Sky Lounge des Gasometers Schöneberg auf dem EUREF-Campus eingeladen, und rund 120 Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Kultur genossen das von Sternekoch Thomas Kammeier meisterlich zubereitete Spargelmenü bei leichtem Sommerwein und inspirierendem Gedankenaustausch. Allen voran Bundesfinanzminister und SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil, der in seiner Ansprache mehr Reformtempo versprach.
Nachdenkliche Worte fand zu Beginn auch Gastgeber Thomas Klein. Der Vorsitzende der 1918 gegründeten Pressekonferenz warnte in seiner Begrüßung vor der weltweit wachsenden Bedrohung der Freiheit. „Demokratie und offene Gesellschaft sind nicht möglich ohne Pressefreiheit.“ Um dann launig seinen Dank an die Sponsoren, darunter GASAG, BMW Berlin, Allgemeine Immobilien-Börse und Periskop Development und Schneider Electric, mit dem Hinweis auf die steigenden Spargelpreise zu verbinden.

Spitzen aus Politik und Wirtschaft
Schon die Begrüßung der Ehrengäste ließ die Bedeutung des abendlichen Events hoch über den Dächern der Hauptstadt erkennen. Der Berliner Senat war in Kabinettstärke mit Stefan Evers (Finanzen und Kultur), Franziska Giffey (Wirtschaft), Cansel Kiziltepe (Arbeit und Soziales), Ute Bonde (Verkehr), Iris Spranger (Inneres) in Kabinettstärke vor Ort.
Für die derzeit in Umfragen schwächelnden Sozialdemokraten verbreiteten Spitzenkandidat Steffen Krach und Fraktionschef Raed Saleh Zweckoptimismus, moralisch unterstützt von den früheren Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Walter Momper. Die Grünen zeigten mit dem Duo Bettina Jarasch und Werner Graf Flagge und Zuversicht. Das diplomatische Corps vertraten die Schweizer Botschafterin Livia Leu und ihr dänischer Kollege Thomas Østrup Møller.

Aus den Führungsetagen der Berliner Wirtschaft waren präsent: Hausherrin GASAG mit dem Vorstandstrio Georg Friedrichs, Stefan Hadré und Matthias Trunk; Deutschland-Chef Wulf von Borzyskowski, ALL3 Construction; Christian Gérôme, Allgemeine Immobilien-Börse; Francisco Iglesias, Gründer und Geschäftsführer von FIV.Energy; Dr. Simon Kempf, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschaft, Periskop AG; Star-Architekt Christoph Langhof; Johannes Nendel, Geschäftsführender Gesellschafter Kintyre Management; Manuel Oltersdorf von FAY Projects; Daan Smans, Vice President EMEA beim Schweizer Technologieunternehmen CEDES und Sven Wenzel von Bohnzirlewagen.

Mit einem Lachen den und einem weinenden Auge nahm Nina Englert Abschied von der Spargelrunde. Die Leiterin der Niederlassung Berlin der BMW Group wechselte zum 1. Juli von der Spree nach Manhattan, um das Amerika-Business von BMW auszubauen. Für die smarte Managerin ein Heimspiel, da sie in den USA aufgewachsen ist. Ihre Nachfolge tritt, aus München kommend, Axel Pannes an.

Klingbeils Botschaften
Dann der Höhepunkt des Abends. Immer wieder unterbrochen von spontanem Beifall, redete Vizekanzler Lars Klingbeil Klartext. „Die Polarisierung nimmt zu“, warnte der Spitzengenosse – und zog eine Parallele zum Ende der Weimarer Republik. Diese sei nicht durch die Stärke ihrer Feinde, sondern an der Schwäche der Demokraten gescheitert. Klingbeil dankte in diesem Zusammenhang der Berliner Pressekonferenz für ihr mutiges Eintreten für Pressefreiheit und Demokratie weltweit.
Nicht zuletzt an die Adresse der eigenen Regierungskoalition richtete sich seine Aufforderung, Deutschland müsse sich mehr auf seine eigenen Stärken besinnen. „Ich möchte nicht von den Launen von Donald Trump abhängig sein“, so sein pointiertes Statement. Ausdrückliches Lob des SPD-Chefs gab es an dieser Stelle für Helmut Kohl, der sich gemeinsam mit Frankreich für ein starkes Europa eingesetzt habe.

Deutschland zukunftsfest machen
Mit einem Willy Brandt-Zitat leitete Klingbeil zum Blut, Schweiß und Tränen-Teil seiner Rede über. Man dürfe dem mündigen Bürger nicht die Schwierigkeiten vorenthalten, so der SPD-Ahnherr. Deutschland befinde sich „im siebten Jahr einer Krise“, konstatierte Klingbeil. Und warnte, China sei „an vielen Stellen an uns vorbeigezogen“. Als Antwort darauf strebe die Bundesregierung ein „großes, gerechtes Gesamtpaket“ an, damit unser Land wettbewerbsfähig bleibt. Dazu müssten alle ihren Beitrag leisten.

Licht und Schatten. Den Unternehmen versprach der Bundesfinanzminister „weniger Kontrolle“ – schloss aber zusätzliche Belastungen, etwa durch eine Einkommensteuerreform, nicht aus. Der Mahnung, Deutschland müsse „mehr und schneller bauen“, schlossen sich Überlegungen zur Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft an. Noch mehr Staat, also? Die Reaktion der Gäste war eindeutig. Es war die einzige Passage, bei der sich nur wenige Hände zum Applaus rührten.

Immerhin: Klingbeil nahm sich nach seiner Rede ausgiebig Zeit für den Austausch mit Experten. So ließ er sich von All3-Deutschland-Chef Wulf von Borzyskowski erläutern, wie der gezielte Einsatz von Robotik und KI zum schnelleren und kostengünstigeren Bauen beitragen könne. „Das sichert und schafft Arbeitsplätze“, betonte von Borzyskowski – und fand im Bundesfinanzminister einen aufgeschlossenen Zuhörer.

Weitere Gäste waren: Alexander Gnann, Gnann Vermögensverwaltung; Georg Heil, Chefredakteur Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb); Maren Kern, Vorstand Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsverband BBU; Lutz Kordges, Mitglied der Bundesgeschäftsführung BVMW; Jörg Stroedter, MdA, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion Berlin.
Begegnungen wie diese machen den Wert des traditionellen Spargelessens der Berliner Pressekonferenz aus. Es ermöglicht Gespräche auf – auch in übertragenem Sinne – höchstem Niveau. In angenehmem Ambiente. Und mit Stil und Haltung. (evo)
