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Neu in der BERLINboxx: die KI-Kolumne von Detlef Korus
Detlef M. Korus, Journalist, Unternehmer, Kolumnist der BERLINboxx | © Korus Digital Marketing Services UG (KI-bearbeitet)

Neu in der BERLINboxx: die KI-Kolumne von Detlef Korus

30. Oktober 2026

Der Journalist und Unternehmer Detlef Korus hinterfragt ab sofort jede Woche den Umgang mit KI im Unternehmensalltag. Zum Auftakt: Wer prüft, ob stimmt, was die Maschine liefert?

von Detlef Korus

KI liefert in Sekunden – wer prüft die Fakten? 

Ein Angebot braucht heute 30 Sekunden. Eine Zusammenfassung von 40 Seiten gibt es in einer Minute. Die KI schreibt längst viel schneller, als wir lesen können. Das lädt zu einem dramatischen Denkfehler ein, und der steckt in dem kleinen Wort: „fertig“.

1989 habe ich meine Diplomarbeit noch über eine einzige Frage geschrieben: Gibt es Kriterien für journalistische Qualität? Damals ging es um Nachrichten. Heute stelle ich dieselbe Frage jeden Tag an eine Maschine. Und merke, wie schnell ich ein Ergebnis schon für fertig halte, nur weil es sauber formatiert auf dem Bildschirm erscheint.

KI-Ergebnisse prüfen dauert länger als sie zu erzeugen

Anfang Oktober hat OpenAI 719 mathematische Manuskripte veröffentlicht, geschrieben von einem internen KI-Modell. Formal bewiesen sind bisher gut 40 Prozent der Hauptergebnisse. Für die übrigen schreibt OpenAI selbst, einige davon könnten Fehler enthalten.

Die Maschine hat in kurzer Zeit geliefert. Und jetzt prüfen Mathematiker die KI-Ergebnisse. Eines nach dem anderen.

Der Autor Faisal Haque hat dafür einen Satz gefunden, den ich mir notiert habe. Sinngemäß: „Wir nähern uns einer Welt, in der ein Lösungsvorschlag billiger ist als die Antwort auf die Frage, ob man ihm auch glauben darf.“

Warum gefühlte KI-Produktivität täuscht

Die Forschungsgruppe METR hat 2025 erfahrene Softwareentwickler echte Aufgaben mit und ohne KI erledigen lassen. Mit KI brauchten sie länger, und zwar 19 Prozent länger. Erwartet hatten sie zwar das Gegenteil. Und nach der Arbeit glaubten sie doch glatt, sie seien schneller gewesen. Wie man sich täuschen kann.

Unsere Werkzeuge sind längst besser geworden. Unser Urteil über unsere eigene KI-Produktivität ist es nicht. Wir staunen über das Tempo der Maschine. Und übersehen die Stunden danach fürs Nachlesen, Korrigieren, Zurückbauen, Neudenken.

Wenn KI-Agenten nur noch von KI-Agenten kontrolliert werden

METR und Redwood Research haben erst im vergangenen August einen Security-Vorfall bei OpenAI untersucht. Rund 1.200 KI-Agenten, die eigentlich in einer Testumgebung voneinander getrennt arbeiten sollten, fanden einen unerlaubten Weg, sich abzustimmen. Etwa 700 von ihnen beteiligten sich dabei an einem Angriff auf die Plattform Hugging Face, eine zentrale Web-Plattform, auf der Entwickler und Forscher eine riesige Zahl vortrainierter KI-Modelle, Datensätze und Code-Beispiele teilen, herunterladen und gemeinsam bearbeiten können. Ziel der Angreifer-Agenten: die Bewertung ihres eigenen Tests auszutricksen.

Die dabei entstandene Datenmenge war so groß, dass die Untersucher sie nur mit Hilfe von KI-Agenten auswerten konnten. Mit Agenten, die sie selbst als oft unzuverlässig beschreiben.

Und was hat das mit Ihrem eigenen Betrieb zu tun? Diese Frage stellt sich jedem, der KI-Agenten arbeiten lässt: Wer prüft, was die Maschine getan hat, wenn nur noch eine Maschine schnell genug lesen kann?

KI im eigenen Betrieb messen: drei Zahlen

Der Autor Haque schlägt etwas vor, das jeder Unternehmer schon diese Woche ausprobieren kann. Greifen Sie sich eine echte Aufgabe, ein Angebot oder einen Bericht aus einem Stapel Unterlagen, und lassen Sie die KI ran. Und dann notieren Sie drei Zahlen.

Erstens: Was hat die KI geliefert?

Zweitens: Was davon können Sie ohne Bauchschmerzen verwenden?

Drittens: Wie lange hat es gedauert, den Unterschied zu finden?

Die dritte Zahl steht in keiner Präsentation eines Anbieters. Sie entscheidet aber, ob sich die KI in der eigenen Organisation rechnet.

Verantwortungsvolles Prüfen braucht Wissen, das nicht in der KI steckt

Code lässt sich ausführen. Ein Beweis lässt sich maschinell prüfen. Für die Frage, ob ein Angebot zu Ihrem Kunden passt oder eine Absprache vom letzten Frühjahr noch gilt, gibt es aber keinen solchen Test.

Das Wissen für diese Prüfung steckt in Köpfen, in Mails, in Erfahrung. Wer es nicht griffbereit hat, prüft am Ende gar nicht. Und alle im Haus glauben, jemand anderes hätte es getan.

Meine Frage an Sie daher für diese Woche: Wer in Ihrem Unternehmen gibt frei, was die KI geschrieben hat? Und: Woran erkennt er, dass es stimmt?

Ich wünsche Ihnen maximal produktive Denkzeit, dank oder trotz KI, wie immer Sie sich entscheiden.

Schnell erzeugt ist noch nicht gründlich geprüft: Ob ein KI-Ergebnis stimmt, lässt sich oft nur mit dem Wissen und der Erfahrung der Mitarbeiter beurteilen | (c) Detlef Korus / KI-generiert)
Schnell erzeugt ist noch nicht gründlich geprüft: Ob ein KI-Ergebnis stimmt, lässt sich oft nur mit dem Wissen und der Erfahrung der Mitarbeiter beurteilen | (c) Detlef Korus / KI-generiert

Der Urlaubsgespenster-Jäger

Das Urlaubsgespenst kommt, wenn der wichtigste Kopf im Haus fehlt. Dann stehen Preise, Absprachen und die Gründe hinter Entscheidungen in 14.000 Mails und in keinem System. Detlef M. Korus® sorgt dafür, dass dieses Wissen im Unternehmen bleibt und dass die KI mit dem arbeitet, was dort wirklich gilt.

Detlef Korus war Anchorman des NEWSMAGAZIN bei SAT.1, Studioleiter in Berlin und Chefredakteur von TV.BERLIN, davor Reporter für Report München, Rundschau und Zeitspiegel im Bayerischen Fernsehen. Seine Diplomarbeit als Journalist stellte 1989 die Frage, ob es Kriterien für journalistische Qualität gibt. Dieselbe Frage stellt er heute an jede Antwort einer KI.

Heute ist er Charisma-Architekt und Gründer von KONTAKTBESCHLEUNIGER®. Er hat die K.O.R.U.S.-Methode® entwickelt und mit KBS-BRAIN® ein Wissenssystem gebaut, mit dem er sein eigenes Unternehmen führt. In seiner Kolumne für die BERLINboxx nimmt er sich jede Woche einen Denkfehler im Umgang mit KI vor und zeigt, was Unternehmer stattdessen tun.