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Kernkompetenz Wärme: Wie die GASAG Berlins Energietransformation organisiert
(v.l.): Carlotta Krone-Danhier, Future Energy Lab; Georg Friedrichs, CEO GASAG AG; Kristina Jahn, Berliner Wirtschaftsgespräche; Benedikt Pulvermüller, Director dena | Bild: BERLINboxx

Kernkompetenz Wärme: Wie die GASAG Berlins Energietransformation organisiert

25. Februar 2026

GASAG-Chef Georg Friedrichs bei den Berliner Wirtschaftsgesprächen über Wärmewende, Wasserstoff und Versorgungssicherheit

Die Energiewende entscheidet sich in den Städten – und dort vor allem im Gebäudebestand. Wie ein traditionsreicher Versorger diesen Umbau organisiert, skizzierte Georg Friedrichs, Vorstandsvorsitzender der GASAG AG, bei den Berliner Wirtschaftsgesprächen (BWG) unter dem Titel „From now to next: GASAG und Berlin in der Transformation“. Zu Gast war das Erfolgsformat diesmal im Future Energy Lab der Deutschen Energie-Agentur (dena). Seine Botschaft: Die Zukunft des Unternehmens liegt nicht mehr im Molekül Erdgas, sondern im integrierten Wärmesystem der Metropole.

Transformation als Teil der Unternehmens-DNA

Friedrichs erinnerte daran, dass die GASAG bereits mehrere Energiesystemwechsel erlebt hat, von der Stadtgas-Ära der Industrialisierung über die Umstellung auf Erdgas bis zum Rückbau historischer Gaswerksstrukturen nach der Wiedervereinigung. Heute stehe erneut ein grundlegender Wandel an: weg von fossilem Erdgas hin zu klimaneutralen Wärmelösungen. Friedrichs beschreibt die Rolle seines Unternehmens dabei als Gestalter der „CO₂-neutralen Zukunft“ der Region. Gleichzeitig bleibe die operative Realität anspruchsvoll. Mehr als 700.000 Kunden in Berlin und Brandenburg sowie rund 1.700 Mitarbeitende stehen für eine kritische Versorgungsinfrastruktur im laufenden Transformationsprozess.

Wärme als Systemdienstleistung

Strategisch verschiebe sich der Fokus vom Energieträger zum Versorgungsergebnis. „Unsere Kernkompetenz ist Wärme“, so Friedrichs. Erdgas sei künftig nur noch ein möglicher Energieträger unter mehreren. Entscheidend werde die Fähigkeit sein, Gebäude, Quartiere und Stadtteile zuverlässig und klimaneutral mit Raumwärme und Warmwasser zu versorgen – über Wärmenetze, erneuerbare Quellen und Speicherlösungen.

Luca Pirschel (r.) und Andreas Pirschel (l.) erläutern Georg Friedrichs, wie FIV.Energy die Wärmewende von innen bei Bestandsgebäuden optimiert | Bild: BERLINboxx

Wasserstoff als Speicher

Eine Schlüsselrolle misst die GASAG dem Wasserstoff bei. Er soll künftig sowohl als saisonaler Energiespeicher als auch als Importmedium für erneuerbare Energie dienen. Entsprechend treibt die Netzgesellschaft der Gruppe den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur voran, auch durch Umwidmung bestehender Gasleitungen. Für eine Metropole mit hoher Wärmelast sei dies zentral für Versorgungssicherheit im klimaneutralen Energiesystem, betonte der GASAG-Chef.

CO₂-Bilanz im Fokus der Transformation

Mit der Dekarbonisierung verschieben sich auch die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen: Neben Ergebnisgrößen gewinnen Emissionswerte zunehmend an Bedeutung. Laut Nachhaltigkeitsbericht der GASAG-Gruppe entstehen allein im Bereich der indirekten Emissionen aus verkauftem Erdgas (Scope 3) rund 2,84 Millionen Tonnen CO₂ jährlich – ein zentraler Hebel der Transformation. Bis 2030 plant die GASAG dafür kumulierte Investitionen von rund 785 Millionen Euro in nachhaltige Aktivitäten, darunter Wärmenetze, erneuerbare Energiequellen und grüne Infrastruktur.

Wärmewende entscheidet sich im Bestand

Für Berlin sieht Friedrichs die größte Herausforderung im Gebäudebestand mit niedriger Sanierungsrate und hoher Wärmenachfrage. Die kommunale Wärmeplanung bis 2026 sei daher ein Meilenstein, um Netze, Quellen und Quartierslösungen systematisch auszubauen. Im Neubau erwartet Friedrichs perspektivisch eine bis zu 100-prozentige Energieversorgung mit Geothermie und Fotovoltaik. Die Branche bewege sich dabei in einer Übergangsphase zwischen fossilem und erneuerbarem Energiesystem, mit parallelen Infrastrukturen und steigenden Anforderungen an Planungssicherheit und Regulierung.

Rechtsanwalt Dr. Karlheinz Knauthe (l.), Knauthe Rechtsanwälte, und Georg Friedrichs, GASAG | Bild: BERLINboxx

Vom Gasversorger zum Stadtenergie-Systemanbieter

Der Transformationsprozess der GASAG steht exemplarisch für den Umbau urbaner Energiesysteme in Europa: weg vom fossilen Brennstoffvertrieb hin zum integrierten Wärme- und Energieinfrastrukturbetreiber. „Der Transformationszug fährt“, so Friedrichs. Für Berlin bedeutet das, klimaneutrale Wärme wird zur zentralen Infrastrukturfrage der kommenden Jahrzehnte – technisch, wirtschaftlich und stadtpolitisch.

In der von BWG-Geschäftsführerin Kristina Jahn fachkundig moderierten Diskussion wurden zahlreiche Synergien zwischen der GASAG und innovativen Unternehmen wie FiV.Energy oder Start-ups wie Terra Trace deutlich. FIV.Energy zeigt ressourcensparend, wie die Energiewende von innen gestaltet werden kann. Dabei werden sämtliche in einem Gebäude vorhandenen technischen Systeme und Gewerke vernetzt, was bis zu 60 Prozent Energie einsparen kann. TerraTrace bietet eine Monitoring-Lösung der nächsten Generation, die leichte Gasfluss-Hardware mit intelligenter mobiler Software kombiniert. Entwickelt für den schnellen Einsatz direkt im Feld, liefert sie Echtzeit-Einblicke in Methan- und CO₂-Emissionen an der Grenzfläche zwischen Boden und Atmosphäre.

Sichtlich beeindruckt vom innovativen Potenzial, zeigte sich Friedrichs interessiert an einem weiterführenden Dialog. Die Energiewende, so der GASAG-Vorstandsvorsitzende, sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. (ls)