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IHK-Sommerempfang sendet Signal an den Wahlkampf
IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner, Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und IHK-Präsident Sebastian Stietzel beim Sommerempfang der IHK Berlin 2026 | Konstantin Gastmann / IHK Berlin

IHK-Sommerempfang sendet Signal an den Wahlkampf

02. Juli 2026

Berlins Wirtschaft stellt sich hinter den Reformkurs – und warnt vor einem Rückfall in alte Ideologien

Der traditionelle Sommerempfang der IHK Berlin wurde in diesem Jahr zu einer politischen Standortbestimmung für die Hauptstadt. Rund 2.000 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kamen auf der Fasanenstraße zusammen – und die Gespräche kreisten weniger um das Sommerfest selbst als um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Berlin wenige Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus.

Wirtschaft setzt auf Verlässlichkeit

Die Stimmung unter vielen Unternehmern war auffallend positiv. Nach Jahren der Konfrontation zwischen Teilen der Wirtschaft und der Politik wurde dem Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner vielfach bescheinigt, einen Kurs eingeschlagen zu haben, der wieder stärker auf Investitionen, Planungsbeschleunigung und wirtschaftliche Vernunft setzt.

Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach beim IHK-Sommerempfang 2026 vor rund 2.000 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf der Fasanenstraße | Konstantin Gastmann / IHK Berlin
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sprach beim IHK-Sommerempfang 2026 vor rund 2.000 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf der Fasanenstraße | Konstantin Gastmann / IHK Berlin

Besonders häufig wurden der sogenannte Bauturbo sowie das Berliner Schneller-Bauen-Gesetz als Beispiele für den politischen Kurswechsel genannt. Viele Vertreter der Immobilienwirtschaft sehen darin einen Paradigmenwechsel: Genehmigungen werden beschleunigt, Verfahren vereinfacht und Investitionsentscheidungen erhalten wieder mehr Planungssicherheit. Gerade beim dringend benötigten Wohnungsbau gilt dies als entscheidender Fortschritt.

Auch in Gesprächen über die Themen öffentliche Sicherheit und Bildung verwiesen zahlreiche Gäste auf aus ihrer Sicht erkennbare Verbesserungen. Die stärkere Präsenz der Polizei, das gestiegene Sicherheitsgefühl sowie die erfolgreiche Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte wurden vielfach als Beispiele dafür genannt, dass Verwaltung und Politik wieder stärker auf konkrete Problemlösungen ausgerichtet seien.

BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel, IHK-Präsident Sebastian Stietzel und Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN, beim IHK-Sommerempfang 2026 | BERLINboxx
BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel, IHK-Präsident Sebastian Stietzel und Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN, beim IHK-Sommerempfang 2026 | BERLINboxx

Klare Warnung vor Vergesellschaftung

IHK-Präsident Sebastian Stietzel betonte in seiner Rede die Rolle der Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Stabilität. Mit Blick auf die Wahlen zum Abgeordnetenhaus forderte er eine klare Priorisierung wirtschaftsfreundlicher Politik. Unternehmen bräuchten „Luft zum Atmen“ – statt zusätzlicher Belastungen, einer verunglückten Novellierung des Vergabegesetzes oder neuer Debatten über Vergesellschaftung. Besonders scharf kritisierte Stietzel die Idee staatlich erzwungener Eigentümerwechsel im Wohnungsmarkt: Dies gefährde nicht nur Berlin, sondern auch das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sein Appell an die Politik fiel entsprechend deutlich aus: Die Vergesellschaftung gehöre „in die Mottenkiste der Geschichte“.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner stellte die Berliner Wirtschaft als Fundament für Wohlstand, Innovation und gesellschaftliche Stabilität heraus. Berlin könne seine sozialen und kulturellen Ansprüche langfristig nur mit einer starken Wirtschaft finanzieren. Die IHK verstehe sich deshalb als Brücke zwischen Unternehmen und Politik und als Stimme für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner betonte beim Sommerempfang die Bedeutung einer starken Berliner Wirtschaft für Wohlstand, Innovation und gesellschaftliche Stabilität |  Konstantin Gastmann / IHK Berlin
IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner betonte beim Sommerempfang die Bedeutung einer starken Berliner Wirtschaft für Wohlstand, Innovation und gesellschaftliche Stabilität | Konstantin Gastmann / IHK Berlin

Wegner warnt vor Stärkung der Ränder

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner bekannte sich in seinem Grußwort erneut zu einem wirtschaftsfreundlichen Modernisierungskurs. Der beschleunigte Wohnungsbau, die Modernisierung der Verwaltung sowie Investitionen in Infrastruktur und Bildung seien zentrale Voraussetzungen für Berlins Zukunft.

Mit Blick auf eine am selben Tag veröffentlichte Wahlumfrage, in der die Linke erstmals mit 20 Prozent an der Spitze liegt, äußerte sich Wegner anschließend besorgt. Die Entwicklung bezeichnete er als Warnsignal und erklärte: „Wir haben eine klare Stärkung der Ränder. Die Linkspartei ist jetzt vorn, wir haben aber auch eine sehr, sehr starke AfD. Das ist gefährlich für die Stadt. Wir werden jetzt alles daransetzen, dass die Mitte gestärkt wird.“

Berlin bleibt Investitionsstandort

Die positive Grundstimmung spiegelte sich auch in der Bilanz der Berliner Wirtschaftsförderung wider. Für Unternehmen und Investoren bleibt der Standort Berlin hoch attraktiv, wie Berlin-Partner-Geschäftsführer Dr. Stefan Franzke resümierte:

„Der IHK-Sommerempfang hat eindrucksvoll bestätigt, was wir aktuell in vielen Gesprächen erleben: Das Vertrauen in den Standort Berlin ist ungebrochen. Trotz eines herausfordernden Bundestrends verzeichnen wir im ersten Halbjahr Rekordinvestitionen. Konkrete Standortentscheidungen unterstreichen diese Dynamik – vom S. Fischer Verlag aus Frankfurt über das Google AI Center bis hin zum Entrepreneur Center der London School of Economics und dem Apple Developer Center. Diese Projekte zeigen: Berlin überzeugt als internationaler Innovations- und Wirtschaftsstandort – und das nicht in der Theorie, sondern in messbaren Investitionen und Ansiedlungen.“

Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN, und Christian Feuerherd, Sprecher der Geschäftsführung der BEW Berliner Energie und Wärme GmbH, beim IHK-Sommerempfang 2026 | BERLINboxx
Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN, und Christian Feuerherd, Sprecher der Geschäftsführung der BEW Berliner Energie und Wärme GmbH, beim IHK-Sommerempfang 2026 | BERLINboxx

Auch aus Sicht der Immobilien- und Beratungspraxis entscheidet sich der Erfolg des Berliner Reformkurses daran, ob politische Signale nun in dauerhaft verlässliche Rahmenbedingungen übersetzt werden. Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN, sieht Berlin dabei an einem entscheidenden Punkt: Die Hauptstadt habe wieder begonnen, über Beschleunigung, Investitionen und Umsetzung zu sprechen. Nun müsse aus diesem politischen Anspruch belastbare Praxis werden. „Berlin hat wieder begonnen, wirtschaftspolitisch in Richtung Umsetzung zu denken. Das ist ein wichtiges Signal. Für die Immobilien- und Bauwirtschaft wird aber entscheidend sein, ob aus diesem Kurs dauerhaft verlässliche Rahmenbedingungen werden: schnellere Genehmigungen, klare Zuständigkeiten und ein belastbares Bekenntnis zu privaten Investitionen. Nur so entsteht das Vertrauen, das für neuen Wohnungsbau und langfristige Standortentscheidungen notwendig ist“, sagt Niehoff.

Standortbestimmung vor dem Wahlkampf

Diese Einschätzung war auch am Rande des Sommerempfangs vielfach zu hören. Zahlreiche Unternehmer warnten davor, den in den vergangenen Jahren eingeschlagenen wirtschaftspolitischen Kurs wieder zu verlassen. Wirtschaftsberater und Verleger Frank Schmeichel brachte diese Stimmung auf den Punkt. Er warnte vor einer Rückkehr Berlins zu einer ideologisch geprägten Wirtschafts- und Stadtentwicklungspolitik. Nach seiner Einschätzung dürfe die Hauptstadt den eingeschlagenen Reformkurs nicht verlassen. Gerade für den dringend benötigten Wohnungsbau seien Planungssicherheit, Verlässlichkeit und ein klares Bekenntnis zu privaten Investitionen unverzichtbar. Eine politische Entwicklung hin zu einer stärker links geprägten Regierung könne das Vertrauen vieler Investoren beeinträchtigen und dringend benötigte Investitionen in den Berliner Wohnungsmarkt erschweren.

Der IHK-Sommerempfang wurde damit zu weit mehr als einem sommerlichen Netzwerkabend. Er war eine wirtschaftspolitische Standortbestimmung und zugleich der inoffizielle Auftakt des Berliner Wahlkampfs. Die Botschaft der Wirtschaft war eindeutig: Der eingeschlagene Kurs aus Planungsbeschleunigung, Investitionsfreundlichkeit, stärkerer innerer Sicherheit und einer leistungsfähigeren Verwaltung findet breite Unterstützung. Nun erwarten die Unternehmen, dass dieser Weg konsequent fortgesetzt wird.

Sommerregen hielt die Gäste nicht vom Austausch ab: Jan-Marco Luczak MdB, BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel und Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN | BERLINboxx
Sommerregen hielt die Gäste nicht vom Austausch ab: Jan-Marco Luczak MdB, BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel und Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN | BERLINboxx

Zu den Gästen des Sommerempfangs zählten unter anderem Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, Marc Schreiner, Geschäftsführer des Bundesverbands der Kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen e. V., Steffen Krach, SPD-Kandidat für die Wahl zum Abgeordnetenhaus 2026, Christian Feuerherd, Sprecher der Geschäftsführung der BEW Berliner Energie und Wärme GmbH, Christian Niehoff, Associate Partner BOHNZIRLEWAGEN, Frank Schmeichel, Wirtschaftsberater und Verleger, Dr. Angela Wiechula, Herausgeberin BERLINboxx, Andreas Pirschel, FIV.Energy, Andreas Knieriem, Direktor Zoo Berlin und Tierpark Berlin, Dr. Karim Rochdi, Gründer und Managing Partner der AVENTOS Group, Jan-Marco Luczak MdB, ordentliches Mitglied des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, Christian Gérôme, Geschäftsführer Allgemeine Immobilien-Börse GmbH, Oliver Dunk sowie Frank Wolters, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH. (ls)