IBA an der Spree - Berlin strebt nächstes Großereignis an
Planen, expandieren, zukunftsorientiert handeln. Die Hauptstadt hat sich für die nächsten Jahre viel vorgenommen: Die Olympischen Spiele 2040 (oder 2044), wo Berlin noch mit München, Hamburg und NRW um den Zuschlag für die deutsche Bewerbung konkurriert, die Weltausstellung Expo 2035, und dazu parallel die Internationale Bauausstellung (IBA) von 2034 bis 2037, die neue Entwicklungen auf bislang ungenutzten Flächen anstoßen soll. Angesichts der maroden Haushaltslage gibt es Kritik an den überaus ambitionierten Plänen.
Im Berliner Alltag läuft derzeit vieles nicht reibungslos: Außer Betrieb befindliche Rolltreppen im Hauptbahnhof, neue Straßenbahnwagen, die womöglich zu schwer für Tunnel unter den Gleisen sind, und dazu ein Schuldenberg von circa 70 Milliarden Euro. Dennoch: „Berlin muss groß denken. Wir dürfen uns nicht allein auf unsere Vergangenheit verlassen. Menschen brauchen einen Anlass, um uns zu besuchen“, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bei der Vorstellung der aktuellen Tourismusbilanz, wobei die Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr deutlich unter 30 Millionen gefallen sind.
Konkurrenz bei der Expo-Bewerbung
Um die Expo 2035 wird noch intensiv gerungen. Berlin könnte dabei Konkurrenz durch US-Präsident Donald Trump bekommen, der Miami favorisiert. In Berlin stehen der frühere Flughafen Tegel oder ein Gelände nahe dem BER in Schönefeld als mögliche Standorte zur Diskussion. Die Kosten für Infrastrukturmaßnahmen, etwa eine U-Bahn-Verlängerung, werden auf rund 2,1 Milliarden Euro geschätzt und sollen durch Ticketverkäufe refinanziert werden. Die Pavillons der teilnehmenden Länder finanzieren diese selbst.
Ein internes Hindernis gibt es auch noch: Zwar hat die Berliner Wirtschaft bereits Konzepte vorgelegt, doch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zeigt sich zögerlich, um die Olympia-Pläne nicht zu beeinträchtigen. Gleichzeitig drängt die Zeit, denn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) müsste die Bewerbung in den kommenden Monaten in Paris einreichen. Die Entscheidung fällt dort Ende 2027.
Bauausstellung soll zur Erneuerung beitragen
Ein Baustein für die Weiterentwicklung der Stadt ist die geplante Internationale Bauausstellung, die der Senat heute beschlossen hat. „Sie ist ein langfristiger Prozess und kein kurzfristiges Ereignis“, so Bausenator Christian Gaebler (SPD). „Im Mittelpunkt stehen zentrale Fragen, etwa wie brachliegende Flächen und ungenutzte Gebäude sinnvoll für die Bevölkerung entwickelt und umgebaut werden können.“
Die künftige IBA-Gesellschaft wird inklusive Planung innerhalb von zehn Jahren rund 97 Millionen Euro benötigen. Private Investoren sollen etwa eine Milliarde Euro in Projekte einbringen. Während der vierjährigen Ausstellung werden zusätzlich rund eine Million Übernachtungen erwartet. Seit über einem Jahrhundert prägen IBAen die Entwicklung von Städten.
Drei Großprojekte – Euphorie und Kritik
Der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, Sebastian Stietzel, bewertet die Pläne positiv: „Wir freuen uns über die Entscheidung, die Internationale Bauausstellung nach Berlin zu holen. Die IBA bietet die Chance, notwendige Impulse für die Lösung zentraler klima- und flächenpolitischer Herausforderungen zu setzen. Im Sinne einer Zukunftsdekade, deren Strahlkraft weit über Berlin hinausreicht, sollte das Land jetzt entschlossen den nächsten Schritt gehen und auch für die Expo 2035 eine Bewerbung abgeben. Erst aus dem klugen Zusammenspiel von IBA, Expo und Olympischen Spielen wird der Investitions- und Innovationsbooster möglich, den nicht nur die Hauptstadtregion so dringend braucht.“
Deutlich kritischer äußert sich dagegen Alexander Kraus vom Steuerzahlerbund: „Ich sehe Berlins Bestrebungen hinsichtlich Olympischer Spiele und Expo sehr skeptisch. Die notwendigen Investitionen müssten vollständig kreditfinanziert werden. Die Annahme, dass sich diese Ausgaben später für den Landeshaushalt auszahlen, basiert eher auf Hoffnung als auf fundierter wirtschaftlicher Analyse.“ (red)