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Fünf Jahre „Berlin gegen Antisemitismus“: Wirtschaft und Gesellschaft setzen gemeinsames Zeichen
„Berlin gegen Antisemitismus“ vor dem Brandenburger Tor | © Berlin Partner / eventfotografen.berlin 

Fünf Jahre „Berlin gegen Antisemitismus“: Wirtschaft und Gesellschaft setzen gemeinsames Zeichen

18. Juni 2026

Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur, Verbänden und den jüdischen Gemeinden kamen im AXICA am Brandenburger Tor zusammen, um das fünfjährige Bestehen der Initiative „Berlin gegen Antisemitismus“ zu würdigen. Die von Berlin Partner initiierte Kampagne hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2021 zu einer der sichtbarsten Plattformen für gesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus in der Hauptstadt entwickelt. Zum Jubiläum wurde zugleich der nächste Entwicklungsschritt vorgestellt: Die Initiative öffnet sich künftig noch stärker für weitere Netzwerke, Verbände und Institutionen, um ihre Reichweite und Wirkung auszubauen.

Die besondere Verantwortung Berlins als Stadt der Freiheit, Vielfalt und Weltoffenheit unterstrich Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner. „Fünf Jahre nach dem Start der Initiative ‚Berlin gegen Antisemitismus‘ ist klar: Haltung zeigen bleibt keine Momentaufnahme, sondern eine dauerhafte Aufgabe“. Zugleich wies er auf die historische Verantwortung der Hauptstadt hin und formulierte einen klaren Anspruch: „Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung haben in Berlin keinen Platz.“ Mit der Einbindung neuer Partner solle ein noch stärkeres Signal für ein respektvolles, vielfältiges und offenes Berlin gesetzt werden.

Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy & Daimler Truck, der seit Jahren zu den profiliertesten Stimmen der deutschen Wirtschaft gegen Antisemitismus und gesellschaftliche Ausgrenzung zählt, machte deutlich, dass Unternehmen weit über ihre wirtschaftliche Rolle hinaus Verantwortung für das gesellschaftliche Klima tragen. „Antisemitismus greift in Deutschland wieder um sich; er wird getrieben von wachsendem Nationalismus, Extremismus und – das gehört zur Wahrheit dazu – problematischen Handlungen Israels in der Region, vor allem im Westjordanland. Er wird zusätzlich befeuert von Akteuren, die in sogenannten ‚sozialen Medien‘ aktiv sind. Man muss nicht mit allen Aktionen der israelischen Regierung einverstanden sein. Aber das ist kein Grund, unsere jüdischen Mitmenschen und deren Einrichtungen in Deutschland zu verunglimpfen oder gar zu gefährden. Wir als Gesellschaft müssen entschieden dagegenhalten. Auch Unternehmen sind aufgefordert, Haltung zu zeigen und klarzumachen: Der Schutz jüdischen Lebens in Deutschland und das Existenzrecht Israels sind unverhandelbar.“

Besonders eindringlich fiel Kaesers historische Einordnung aus. Er erinnerte daran, dass der Nationalsozialismus nicht aus dem Nichts entstanden sei, und dass auch Teile der Wirtschaft damals Verantwortung getragen hätten. Unternehmen seien keine Zuschauer der Geschichte, sie seien vielmehr Akteure, die Kultur prägten und gesellschaftliche Normen mitbestimmten. Gerade deshalb seien Initiativen wie „Berlin gegen Antisemitismus“ von großer Bedeutung. Der Schutz jüdischen Lebens sei eine Aufgabe, die immer wieder aktives Eintreten und klare Haltung erfordere.

Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, und Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy & Daimler Truck | © Berlin Partner / eventfotografen.berlin 

Auch Kommunikationsunternehmer und Verleger Frank Schmeichel betonte im Gespräch mit der BERLINboxx die Notwendigkeit von aktivem Schutz jüdischen Lebens: „Die erschreckend hohe Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland und insbesondere in Berlin zeigt, dass Antisemitismus längst kein Randphänomen mehr ist. Hinter jedem der mehr als 2.100 registrierten Fälle in Berlin stehen Menschen, die beleidigt, bedroht oder angegriffen werden. Schweigen ist keine Option. Wer unsere freiheitliche und demokratische Gesellschaft verteidigen will, muss jüdisches Leben sichtbar schützen und jeder Form von Antisemitismus entschlossen entgegentreten. Die Initiative ‚Berlin gegen Antisemitismus‘ setzt ein wichtiges Zeichen dafür, dass Haltung, Verantwortung und Solidarität keine leeren Worte bleiben dürfen.“

Schmeichel sprach in diesem Zusammenhang den Yitzhak-Rabin-Preis an, der am 8. Juli vom Salon Avitall an den Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, vergeben wird. „In diesen für unsere jüdischen Mitbürger bedrohlichen Zeiten ist Solidarität stärker denn je gefordert. Jeder, der sich offen und mutig für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen jede Form des Antisemitismus einsetzt, erweist sich als Bewahrer unserer freiheitlichen und offenen Gesellschaft“.

Die Veranstaltung im AXICA machte deutlich, dass die Initiative inzwischen weit über das Berlin-Partner-Netzwerk hinausgewachsen ist. Gemeinsam mit Organisationen wie der IHK Berlin, der Handwerkskammer Berlin, VBKI, UVB, visitBerlin, DEHOGA Berlin und weiteren Partnern soll künftig ein noch breiteres gesellschaftliches Bündnis entstehen. Ziel ist es, Maßnahmen anzustoßen, den Austausch zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu fördern und die Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Berlin zu stärken. Nach der Keynote von Joe Kaeser boten Thementische und Gespräche Gelegenheit zum Austausch über konkrete Ansätze gegen Antisemitismus und für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Botschaft des Abends war eindeutig: Vielfalt, Respekt und Weltoffenheit sind keine Selbstverständlichkeit, sondern Werte, die täglich verteidigt und mit Leben gefüllt werden müssen. Fünf Jahre nach ihrer Gründung hat sich die Initiative „Berlin gegen Antisemitismus“ damit von einer Kampagne zu einem breiten gesellschaftlichen Netzwerk entwickelt. Das Jubiläum war Rückblick auf Erreichtes und zugleich ein Bekenntnis zur Zukunft: Berlin will seine Rolle als weltoffene Metropole behaupten und jüdisches Leben in der Stadt sichtbar schützen und stärken. (ls)