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Die gläserne Stadt: Ali Özek von Folienmarkt über Sichtschutz als Antwort auf verdichtetes Wohnen
Bodentiefe Fenster und eng bebaute Wohnquartiere erhöhen den Bedarf an Sichtschutzfolien. Lösungen wie Fensterfolien ermöglichen Privatsphäre, ohne auf Tageslicht verzichten zu müssen | Symbolbild: KI-generiert

Die gläserne Stadt: Ali Özek von Folienmarkt über Sichtschutz als Antwort auf verdichtetes Wohnen

30. Juni 2026

Wer heute durch Münchner Neubaugebiete, Berliner Quartiere oder Kölner Konversionsflächen läuft, sieht überall dasselbe: Glas. Raumhohe Fenster, verglaste Treppenhäuser, Loggien ohne Brüstung. Architekten und Stadtplaner lieben es, Gebäude so transparent wie möglich zu gestalten. Was auf den Renderings nach Offenheit und Licht aussieht, landet im Alltag oft als Problem im Wohnzimmer, nämlich wenn der Nachbar aus dem gegenüberliegenden Neubau direkt auf den Frühstückstisch schaut. Ali Özek, Geschäftsführer des Onlineshops Folienmarkt, beobachtet diesen Trend seit Jahren, nicht aus stadtsoziologischen Studien, sondern aus seinen eigenen Bestellzahlen.

Wenn Städte wachsen, schrumpft der Abstand

Özek sagt es klar: "Großstädte sind unsere stärksten Wachstumsmärkte." Das klingt zunächst wie eine nüchterne Geschäftsaussage, steckt aber mehr dahinter. Denn was sich in seinen Bestelldaten widerspiegelt, ist letztlich eine gesellschaftliche Verschiebung. Der Wohnungsbau in Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine klare Richtung eingeschlagen: mehr Einheiten auf weniger Fläche, weniger Abstand zwischen den Gebäuden, mehr Glas an der Fassade. Das Ergebnis sind Quartiere, in denen sich die Bewohner manchmal näher sind, als ihnen lieb ist, ob sie wollen oder nicht.

Schauen wir uns an, was verdichtetes Bauen konkret bedeutet. In deutschen Großstädten wurden in den letzten Jahren tausende Wohnungen in Gebieten errichtet, die früher Industriebrachen, Bahnflächen oder schlicht Baulücken waren. Diese Nachverdichtung passiert oft auf kleinstem Raum. Zwei Neubauten stehen sich mit zehn Metern Abstand gegenüber, beide vollverglast. Wer dann drinnen wohnt, merkt schnell: Die Architektur hat die Privatsphäre einfach vergessen. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil Licht und Offenheit im Entwurf attraktiver aussehen als die Frage, ob der Mieter morgens in Ruhe seinen Kaffee trinken kann. Auch mittelgroße Städte erleben Nachverdichtungsschübe, die die alten Gewissheiten über Abstand und Sichtachsen aushebeln. Das Ergebnis ist überall dasselbe: mehr Nähe, weniger Puffer, ein wachsender Markt für Lösungen, die das ausgleichen.

Ein Grundbedürfnis, das die Stadtplanung vergessen hat

Das Bedürfnis nach Rückzug ist keine neurotische Eigenart des modernen Städters. Wohnpsychologen sprechen seit Jahrzehnten davon, dass räumliche Kontrolle über den eigenen Sichtbereich ein Grundbedürfnis ist. Menschen brauchen die Möglichkeit, sich zu zeigen und sich zu verbergen. In einem Einfamilienhaus mit Garten erledigt das der Zaun oder die Hecke. Im sechsten Stock eines Neubaus mitten in Frankfurt bleibt diese Option schlicht weg, es sei denn, man tut etwas am Fenster selbst.

Was macht das mit den Menschen? Das ist die eigentlich interessante Frage. Studien zur Wohnzufriedenheit zeigen, dass das Gefühl von Kontrolle über den eigenen Raum erheblich mit dem allgemeinen Wohlbefinden zusammenhängt. Wer sich beobachtet fühlt, zieht sich zurück, nicht nur hinter Fensterfolien, sondern auch in sich selbst. Das ist keine dramatische Übertreibung, das ist schlicht Verhaltenspsychologie. Der Mensch braucht einen Ort, an dem er nicht performt. Und wenn die eigene Wohnung sich anfühlt wie ein Aquarium, dann ist das kein Ort der Erholung mehr.

Hinzu kommt, dass Glasarchitektur in der öffentlichen Debatte fast ausschließlich positiv besetzt ist. Transparenz gilt als modern, Offenheit als Qualitätsmerkmal. Hochglanzprospekte von Bauträgern zeigen sonnendurchflutete Räume, in denen das Leben leicht und unbeschwert wirkt. Dass genau diese Bauweise in der Praxis dazu führt, dass Bewohner dauerhaft das Gefühl haben, auf einer Bühne zu wohnen, bleibt dabei meistens unerwähnt. Der Markt für Sichtschutzlösungen ist in gewisser Weise die stille Korrektur dieser architektonischen Fehlkalkulation.

Was Bestelldaten über eine Gesellschaft verraten

Özeks Kunden sind keine Paranoia-Fälle. Es sind ganz normale Stadtbewohner, die schlicht nicht wollen, dass der Nachbar beim Kochen zuschaut oder die Passanten auf der Straße ins Wohnzimmer blicken. Diese Nachfrage ist aus Özeks Sicht kein Zufall: Sie folgt dem Baugeschehen. Wo neue Quartiere entstehen, steigen kurz darauf die Bestellzahlen aus eben diesen Postleitzahlen. Das ist ein Muster, das sich über Jahre wiederholt hat und das Özek inzwischen als verlässlichen Indikator für Stadtentwicklungsprojekte liest.

Sichtschutz an Fenstern war früher vor allem eine Frage des Bodengeschosses, Erdgeschosswohnungen, Ladenlokale, Büros. Heute betrifft es Etagen, die früher als "weit genug oben" galten. Die Verdichtung macht keinen Halt auf Höhe drei. Und wer glaubt, das sei nur ein Problem in Ballungsräumen, irrt. Auch in Städten wie Freiburg, Münster oder Erfurt verändern Neubauprojekte die gewachsene Körnung der Stadtteile so stark, dass Bewohner plötzlich Einblicke hinnehmen müssen, die vor zehn Jahren undenkbar gewesen wären.

Folie statt Umbau: Warum die Lösung so pragmatisch ist

Folien lösen dieses Problem auf eine Weise, die günstiger, flexibler und weniger invasiv ist als Alternativen wie Rollos, Jalousien oder Vorhänge. Besonders in Mietwohnungen, wo bauliche Veränderungen häufig tabu sind, bieten sie eine Lösung, die sich rückstandslos wieder entfernen lässt. Özek hat das Sortiment über die Jahre entsprechend ausgebaut. Manche Produkte lassen sich ohne Kleber einfach ans Glas anlegen, andere werden millimetergenau zugeschnitten bestellt. Wer einmal eine raumhohe Verglasung im siebten Stock beklebt hat, weiß: Maßgenauigkeit ist dabei kein Luxus, sondern Voraussetzung.

Das Angebot von Folienmarkt reicht dabei weit über einfache Milchglasoptiken hinaus. Spionspiegelfolien etwa lassen von innen ungetrübten Blick nach draußen zu, während sie von außen wie eine verspiegelte Fassade wirken. Dekor- und Designfolien schaffen Sichtschutz mit gestalterischem Anspruch, der sich ins Raumkonzept einfügt statt dagegen zu arbeiten. Für Mieter, die keine Löcher in die Wand bohren dürfen und trotzdem nicht im Schaufenster wohnen wollen, ist das oft der einzige realistische Weg.

Sichtschutz als sozialer Akt

Die gesellschaftliche Dimension daran ist nicht zu unterschätzen. Wer seinen Lebensbereich vor fremden Blicken schützt, entscheidet selbst darüber, was von seinem Alltag nach außen sichtbar ist. Das ist keine Frage von Misstrauen oder Abschottung, sondern von Selbstbestimmung. In einer Stadt, die immer enger wird und in der das Privatleben zunehmend in den öffentlichen Raum hineinragt, ist diese Entscheidung durchaus politisch zu verstehen. Wer Sichtschutz anbringt, verteidigt eine Grenze, die die Stadtplanung nicht gezogen hat.

Özek sieht das nüchtern, ohne die Situation zu dramatisieren. Der Markt wächst, weil ein echtes Bedürfnis dahintersteckt. Und wer einmal verstanden hat, dass hinter jedem Sichtschutzfolie-Kauf ein Mensch steckt, der einfach in Ruhe zuhause sein möchte, der versteht auch, warum das kein triviales Nischenprodukt ist. Es ist die Antwort auf eine Stadt, die immer enger wird und dabei manchmal vergisst, dass Wohnen mehr ist als Quadratmeter. Das Fenster bleibt hell. Der Raum bleibt privat. Und das ist, wenn man ehrlich ist, nicht zu viel verlangt. (red)