Der teuerste Mitarbeiter ist der, der jetzt geht
Bis 2039 gehen 13,4 Millionen Babyboomer in Rente. Eine aktuelle Befragung des Kreditversicherers Atradius zeigt, wie Unternehmen auf diese Herausforderung reagieren. Nur drei Prozent nutzen KI, um das Erfahrungswissen ihrer Leute zu sichern.
Atradius befragte im Mai und Juni 2026 mehr als 330 Unternehmen aus Automotive, Bauwirtschaft, Chemie, Dienstleistung, Elektronik, Finanzen, IT, Konsumgütern und Transport. Die Ergebnisse: 20 Prozent haben keine systematische Strategie gegen den Wissensverlust; 61 Prozent setzen auf die Einarbeitung von Nachfolgern, 55 Prozent dokumentieren Prozesse und Erfahrungswerte, 36 Prozent halten ehemalige Mitarbeiter abrufbar.
Eng wird es dort, wo wenige Personen entscheidend zum Erfolg beitragen. In kleinen Unternehmen, wie sie auch die Berliner Wirtschaft prägen, sitzt betriebskritisches Wissen oft in einem einzigen Kopf. Diese Person kennt den Kunden, den Sonderfall, die Ausnahme in der Kalkulation. Fällt sie aus, stehen Vorgänge still.
Detlef M. Korus nennt dieses Muster das Urlaubsgespenst. Der Diplom-Journalist, früher Nachrichtensprecher bei SAT.1 und Chefredakteur von TV.BERLIN, hat mit KBS-BRAIN ein System für strukturiertes Unternehmenswissen entwickelt. Es verbindet ein Firmenwiki mit einem dreistufigen Filter aus Einordnen, Bewerten und Handeln. Darauf setzen KI-gestützte Arbeitsabläufe auf. Der Aufbau im Unternehmen dauert 90 Tage. „In den meisten Firmen ist Wissen nicht so abgespeichert, dass damit eine KI arbeiten könnte“, sagt Korus. „Da liegen Ordner voller Dateien. Wissen entsteht erst, wenn jemand damit entscheiden kann, ohne vorher jemanden zu fragen. Diese Lücke schließt sich nicht in der ersten Urlaubswoche, oder schlimmer noch: wenn eine Kündigung auf dem Tisch liegt.“ (red)