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Demut als Reaktion auf Corona…
2021: Ein neues Jahr mit offenem Ausgang. | Foto: Gerd Altmann auf Pixabay

Demut als Reaktion auf Corona…

04. Januar 2021

Von Frank Schmeichel, Verleger der BERLINboxx

…eine Forderung, die man in der öffentlichen Debatte immer wieder hört. Was für eine passiv-resignierende Einstellung! Corona hat so viel zerstört, nicht nur Leben sondern auch Hoffnung, Gemeinschaft und Lebensfreude, und schlimmer noch, Existenzen und Familien. Warum sollte ich da Demut zeigen? Ist es nicht vielbedeutender andere Tugenden zu kultivieren? Optimismus, Kampfgeist, Kreativität und Zuwendung?

Die Bundesregierung und die Länder haben viele Fehler gemacht im Pandemie-Management, sie haben häufig aktionistisch gehandelt, wo strukturiertes und abwägendes Handeln erforderlich gewesen wäre. Prävention – eigentlich eine Selbstverständlichkeit und eine Pflicht wurde in den vergangenen Monaten sträflich unterlassen. Und die Medien? Panikmache und Sensationslust waren treibende Kräfte. So ist ein Meinungsmonopol entstanden, das keine – auch so fundierte – Gegenmeinung akzeptiert hat. Ich rede nicht von den Corona-Leugnern, die leider in ihrer Verblendung jede auch vernünftige Kritik an der Politik unseres Landes diskreditiert haben. Aber der Politik und den Medien ist vorzuwerfen, dass sie sich dem medizinischen Expertenwissen der Virologen blind unterworfen haben und soziologische, ökonomische, psychologische und Aspekte des gesunden Menschenverstands ausgegrenzt haben. Die stets hochgelobte Interdisziplinarität wurde in dieser Krise sträflich außer Kraft gesetzt. Debattenkultur, Meinungsvielfalt und Toleranz sind die weiteren Opfer von Corona. Doch geklagt wird genug in unserer Gesellschaft. Die gänzlich unverdächtige NZZ stellt fest:

„Wenn es ein Symbolbild für das Versagen der deutschen Politik gibt, dann sind es die Schüler, die mit Mützen, Schals und dicken Jacken bei offenen Fenstern in den Klassenzimmern sitzen müssen, weil eine der weltweit führenden Industrienationen es nicht geschafft hat, den Sommer zu nutzen und einen einigermaßen pandemiegerechten Schulbetrieb sicherzustellen.“

Die Politik spricht gern von Corona als einer Katastrophe, um ihr Versagen zu rechtfertigen. Eine noch schlimmere Katastrophe ist es, dass die Politik nicht alles unternommen hat, um dieser Katastrophe Herr zu werden. Wenn in Sachen Lockdown und der kalkulierten Folgen ein radikales politisches Verhalten verordnet wird, dann muss auch bei Schutzmaßnahmen radikal, und das heißt mutig und konsequent, gehandelt werden. Doch stattdessen wurden Paragrafen und Standardprozesse angewandt, die in dieser Krise vollkommen unangemessen waren und der Ernsthaftigkeit und Bedrohung nichts Schützendes entgegensetzen konnten.

Nach dieser ernüchternden Negativbilanz ist an der Zeit, dass Regierung und Medien nun endlich positive Zukunftsperspektiven aufzeigen, Hoffnung und Optimismus fördern, um der verzweifelt-pessimistischen Grundstimmung in diesem frustrierten Land etwas Positives entgegensetzen. Wenn das die Regierung nicht vermag, ist das eine weitere Unterlassungssünde. Vielleicht hilft die Lektüre von Voltaires „Candide - Oder der Optimismus“. Auf ein gutes Jahr 2021! Und auf eine gute Regierung!