Demokratie und Vielfalt sind Grundlage guter Baukultur
Die Vertreterversammlung der Architektenkammer Berlin hat eine Erklärung zu Demokratie und Vielfalt beschlossen. Darin bekennt sich die Kammer zu einer demokratischen, rechtsstaatlichen und pluralistischen Gesellschaft und unterstreicht die besondere gesellschaftliche Verantwortung der planenden Berufe.
Architektinnen und Architekten, Innenarchitektinnen und Innenarchitekten, Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner gestalten die Räume, in denen Menschen leben, arbeiten und einander begegnen. Damit tragen sie Verantwortung dafür, dass die gebaute Umwelt der Vielfalt der Stadtgesellschaft gerecht wird.
Berlin ist geprägt von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen und internationalem Austausch. Diese Vielfalt versteht die Architektenkammer Berlin als Stärke. Gute Planung muss deshalb unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen und Teilhabe ermöglichen. Insbesondere öffentliche Räume, Wohnquartiere und Orte der Begegnung müssen für die gesamte Stadtgesellschaft gedacht und gestaltet werden.
Die Kammer stellt sich zugleich ausdrücklich gegen Ausgrenzung und Rassismus. Die tägliche Arbeit der Planungsberufe ist von Zusammenarbeit geprägt – in Planungsprozessen ebenso wie auf Baustellen, auf denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und kultureller Hintergründe zusammenarbeiten. Partizipation und ein respektvolles Miteinander gehören deshalb unmittelbar zum beruflichen Selbstverständnis.
Mit Blick auf die zeitnahe Abgeordnetenhaus-Wahl verbindet die Architektenkammer dieses Bekenntnis auch mit ihren Forderungen an die künftige Berliner Politik. Darin macht sie deutlich, dass eine qualitätvolle und gemeinwohlorientierte Entwicklung der Stadt Teilhabe, Zugangsgerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt voraussetzt. Dazu gehören inklusive, gender- und generationengerechte Planungen, vielfältige Wohn- und Nutzungskonzepte sowie transparente Beteiligungs- und Dialogformate.
„Baukultur ist immer auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Als Planerinnen und Planer gestalten wir nicht nur Gebäude, Freiräume und Quartiere, sondern Orte des Zusammenlebens. Deshalb müssen Vielfalt, eine breite gesellschaftliche Teilhabe, demokratischer Austausch und faire Möglichkeiten der räumlichen Aneignung selbstverständliche Grundlagen unseres beruflichen Handelns und der Stadtentwicklung sein“, erklärt Eike Roswag-Klinge, Präsident der Architektenkammer Berlin.
Eine offene Stadt braucht eine offene Planungskultur, heißt es in der Erklärung. Vielfalt und Teilhabe sind keine Zusatzaufgabe, sondern Bestandteil der beruflichen Verantwortung aller planenden Berufe. Ziel ist eine Baukultur, die allen Menschen offensteht und gesellschaftliche Verschiedenheit als Bereicherung versteht.
Bereits 2023 hat die Architektenkammer Berlin die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Mit der aktuellen Erklärung bekräftigt sie dieses Engagement und will den gesellschaftlichen Dialog über die Verantwortung der Planungsberufe weiterführen. (red)