degewo-Bilanz und Generationswechsel: Zwischen Bauleistung und „Austausch mit Ausblick“
„Mehr als 400.000 Wohnungen in zehn Jahren“ – die Bilanz der Berliner kommunalen Wohnungsbaugesellschaften steht wie ein Signal der Verlässlichkeit in einem zunehmend angespannten Markt. Sie dokumentiert nicht nur Bauleistung, sondern die Fähigkeit öffentlicher Unternehmen, auch unter schwierigen Bedingungen zu liefern – kontinuierlich, skalierbar und mit politischem Auftrag. Die Zahl ist zugleich ein Maßstab für die Zukunft. Denn die Rahmenbedingungen haben sich spürbar verschärft: Baukosten, Zinsen, Klimavorgaben und regulatorische Anforderungen verändern die Spielregeln. Vor diesem Hintergrund kam der Veranstaltung „Austausch mit Ausblick“ der degewo in dieser Woche besondere Bedeutung zu. Sie wurde zu einem Moment des Übergangs – und zu einem Spitzentreffen der Berliner Wirtschaft und Politik.
Abschied mit Anerkennung: Die Ära Beck
Im Zentrum stand die Verabschiedung von Christoph Beck, der das Unternehmen seit 2005 im Vorstand geprägt hat. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat er die degewo durch wirtschaftlich und politisch anspruchsvolle Zeiten geführt und entscheidend zur Positionierung als ein zentraler Akteur der Berliner Wohnungswirtschaft beigetragen. Berlins Bausenator Christian Gaebler fand dafür Worte der Anerkennung: Beck habe das Unternehmen „stets auf ein solides Fundament gestellt“ und über Jahre hinweg „durchweg sehr gute wirtschaftliche Ergebnisse“ erzielt.
Auch aus Sicht des Aufsichtsrats wurde diese Leistung gewürdigt. Die Vorsitzende des Gremiums, Dorette König, betonte die strategische Rolle des Unternehmens im städtischen Gefüge mit einem programmatischen Satz: „Quartiere wachsen durch Kooperationen.“ Für Kooperationen stand Christoph Beck wie kein anderer, und die Verankerung der degewo in der Stadtgesellschaft ist eines seiner Verdienste. Ein Satz, der zugleich Rückblick und Ausblick ist: als Phase, in der die degewo nicht nur gebaut und zugekauft, sondern verstärkt in Quartieren gedacht und Partnerschaften systematisch ausgebaut hat.
Christoph Beck trat zu einer Zeit in die degewo ein, als die Welt noch eine andere war, wir er launig ausführte: Digitalisierung steckte in den Kinderschuhen, und Donald Trump war vor allem als TV-Moderator bekannt. In den folgenden 20 Jahren hat er das Unternehmen durch herausfordernde Zeiten geführt und zugleich geprägt. Aus verschiedenen Teilunternehmen formte Beck einen starken Konzern und übergibt die degewo heute auf einer soliden Basis. Seine Jahre an der Spitze der degewo bezeichnete er gern als „lebenslänglich im offenen Vollzug“ – eine Beschreibung, die gleichermaßen seine Ausdauer wie auch seinen trockenen Humor widerspiegelt. Beck selbst zog bescheiden Bilanz: Man habe „unter schwierigen Bedingungen gebaut“ und dabei stets die Verantwortung für die Stadt im Blick behalten.
Politik, Wirtschaft, Netzwerk – ein Abend mit Gewicht
Dass dieser Abend weit über einen internen Führungswechsel hinausging, zeigte die hochkarätige Präsenz. Mit Christian Gaebler, Iris Spranger und Ute Bonde waren gleich drei Mitglieder des Berliner Senats vertreten – ein starkes Signal für die politische Bedeutung der landeseigenen Wohnungsunternehmen. Auch die Branche war prominent vertreten mit Maren Kern, BBU; Matthias Trunk, GASAG; Lars Dormeyer, WBM; Prof. Dr. Karola Knauthe, Mitglied im Aufsichtsrat der Degewo; Bernd Duda, Berlin Hyp; Dr. Hinrich Holm, Vorstandsvorsitzender Investitionsbank Berlin; Malte Bädelt, Gewobag; Thomas Doll, Treucon Gruppe; Sandra Wehrmann, Vivawest; Wulf von Borzyskowski, All3 Construction Germany; Thomas Groth, Groth-Gruppe; Thomas Klein, Berliner Pressekonferenz; Frank Schmeichel, Business Network; Daan Smans, CEDES; Dr. Martin Hellweger, Kronberg International.
Hervorgehoben wurden in vielen Gesprächen der gelungene nahtlose Übergang im Vorstand und die Kontinuität in der Führung, gepaart mit der Erwartung, dass die Neubauleistung unter schwierigeren Bedingungen fortgeschrieben wird.
Die neue Doppelspitze: Kontinuität und Weiterentwicklung
Mit dem 1. Mai 2026 übernimmt die neue Führung: Pascal Atzert und Kai-Marten Maack. Atzert bringt umfassende Erfahrung aus der Wohnungswirtschaft und Projektentwicklung mit, u.a. von der Vonovia, und verantwortet zentrale operative Bereiche im Konzern. Maack steht für Kontinuität: Seit 2000 im Unternehmen, hat er zentrale Funktionen im Bereich Akquisition und Einkauf gestaltet und begleitet nun den Übergang in die neue Führungsstruktur. In ihren Antrittsworten machten beide deutlich, dass sie die erfolgreiche Entwicklung fortsetzen und zugleich neue Impulse setzen wollen.
Klare Botschaft
So wurde „Austausch mit Ausblick“ zu einem Abend, der Rückblick und Zukunft eng miteinander verband: die Anerkennung einer prägenden Führungsleistung und der Aufbruch in eine neue Phase. Denn die degewo steht heute für eine der sichtbarsten Neubauoffensiven der Hauptstadt. Mehr als 10.000 neu geschaffene Wohnungen in den vergangenen Jahren, flankiert von einer weiterhin starken Projektpipeline, markieren den Anspruch, auch künftig ein zentraler Treiber des Berliner Wohnungsbaus zu bleiben – eine Herausforderung für das neue Führungsteam. (ls)