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Bundeswirtschaftssenat: Mittelstand im internationalen Dialog
V. l. n. r.: Hans-Josef Döllgen, Direktor des Bundeswirtschaftssenats, Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, S.E. Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri, Botschafter der Arabischen Republik Ägypten, und Philip Knuth, geschäftsführender Gesellschafter der KNUTH Gruppe, beim Besuch der ägyptischen Botschaft | BERLINboxx

Bundeswirtschaftssenat: Mittelstand im internationalen Dialog

14. September 2026

Diplomatie, Außenwirtschaft und geopolitische Sicherheit

Drei Botschaften, zwei Bundestagsabgeordnete und ein intensiver Austausch über die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit Deutschlands: Beim Diplomatischen Tag des Bundeswirtschaftssenats brachte der BVMW mittelständische Unternehmer mit Vertretern aus Diplomatie und Bundespolitik zusammen. Für Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, stand dabei eine Frage im Mittelpunkt: Wie kann der deutsche Mittelstand in einer geopolitisch raueren Welt wettbewerbsfähig und handlungsfähig bleiben?

Der Diplomatische Tag am 8. September führte die Mitglieder des Bundeswirtschaftssenats zunächst in die Botschaften Südkoreas, Italiens und Ägyptens. Am Abend wurde der Dialog in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft mit Dr. Konstantin von Notz MdB und Roderich Kiesewetter MdB fortgesetzt. Damit verband das Programm Außenwirtschaft, internationale Partnerschaften und aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen an einem Tag.

V.l. Hartmut Engler, CEO von CWS Workwear International, im Gespräch mit S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland | BERLINboxx
V.l. Hartmut Engler, CEO von CWS Workwear International, im Gespräch mit S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland | BERLINboxx

Mittelstand als wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft

Ahlhaus stellte dabei immer wieder die besondere Rolle mittelständischer Unternehmer heraus. Mittelstand bedeute nicht allein Bilanz, Umsatz und Gewinn. Unternehmer übernähmen Verantwortung für Beschäftigte, Ausbildung und ihre Regionen und trügen damit zugleich zu sozialer Stabilität bei.

Der Bundeswirtschaftssenat bündelt diesen Anspruch in einem Kreis von knapp 400 Mitgliedsunternehmen. Gemeinsam stehen sie nach Angaben von Ahlhaus für rund 1,2 Millionen Beschäftigte und einen Jahresumsatz von etwa 120 Milliarden Euro. Gerade diese mittelständische Struktur sei ein wesentlicher Faktor für die Krisenfestigkeit der deutschen Wirtschaft.#

V. l.: Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, und Andreas Jahn, Bundesgeschäftsleiter Internationale Politik und Außenwirtschaft des BVMW, beim Besuch der südkoreanischen Botschaft | BERLINboxx
V. l.: Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, und Andreas Jahn, Bundesgeschäftsleiter Internationale Politik und Außenwirtschaft des BVMW, beim Besuch der südkoreanischen Botschaft | BERLINboxx

Die internationale Vernetzung gehört deshalb zunehmend zum Selbstverständnis des Senats. Angesichts veränderter Lieferketten, geopolitischer Konflikte und eines härteren globalen Wettbewerbs geht es nicht mehr allein um Exportchancen. Im Mittelpunkt stehen ebenso technologische Kooperation, Investitionsbedingungen und belastbare Partnerschaften.

Südkorea, Italien und Ägypten: drei unterschiedliche Perspektiven

In der Botschaft der Republik Korea stand der Technologie- und Innovationsstandort Südkorea im Zentrum. Im Austausch mit Botschafter Kyungsok Koh wurden insbesondere die Chancen einer vertieften Zusammenarbeit zwischen deutschen und koreanischen Unternehmen diskutiert. Innovation, Digitalisierung und industrielle Kooperation bilden dabei zentrale Anknüpfungspunkte. Auch eine weitere Vertiefung des Dialogs zwischen Botschaft, Bundeswirtschaftssenat und Unternehmen wurde erörtert.

Italien wiederum steht für eine über Jahrzehnte gewachsene industrielle Verflechtung innerhalb Europas. Ahlhaus plädierte in der italienischen Botschaft dafür, verlässliche Partner angesichts der geopolitischen Veränderungen neu zu entdecken. Lieferketten innerhalb Europas seien nicht nur kürzer, sondern oftmals auch belastbarer. Die Zusammenarbeit Deutschlands, Italiens und Frankreichs könne deshalb zusätzliche wirtschaftliche Dynamik entwickeln.

Zu Gast in der Italienischen Botschaft: Mitglieder und Vertreter des Bundeswirtschaftssenats beim Austausch über deutsch-italienische Wirtschaftsbeziehungen, europäische Industriepartnerschaften und resiliente Lieferketten | BERLINboxx
Zu Gast in der Italienischen Botschaft: Mitglieder und Vertreter des Bundeswirtschaftssenats beim Austausch über deutsch-italienische Wirtschaftsbeziehungen, europäische Industriepartnerschaften und resiliente Lieferketten | BERLINboxx

Mit Ägypten kam eine dritte Perspektive hinzu: ein wachsender Produktions-, Energie- und Infrastrukturstandort an der Schnittstelle von Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Beim Besuch der Botschaft trafen die Senatsmitglieder unter anderem S.E. Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri, Botschafter der Arabischen Republik Ägypten. Die Gespräche unterstrichen das Interesse, bestehende Wirtschaftsbeziehungen weiterzuentwickeln.

Geopolitik wird zur Mittelstandsfrage

Dass internationale Wirtschaftsbeziehungen inzwischen untrennbar mit Fragen von Sicherheit und Resilienz verbunden sind, zeigte der Abend in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft.

Dr. Konstantin von Notz MdB, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, bei seiner Keynote in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft | BERLINboxx
Dr. Konstantin von Notz MdB, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, bei seiner Keynote in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft | BERLINboxx

Dr. Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, beschrieb den geopolitischen Wandel mit ungewöhnlicher Deutlichkeit. Wenn große Mächte die globalen wirtschaftlichen und politischen Kräfteverhältnisse neu ordneten, betreffe dies Deutschland unmittelbar: „Wir sind gemeint. Wir sind das Target, wir sind das Ziel.“ Die neue Lage setze die Bundesrepublik unter erheblichen Handlungsdruck. Neben sicherheitspolitischen Fähigkeiten gehe es deshalb auch um Infrastruktur, Reformfähigkeit und eine staatliche Verwaltung, die notwendige Veränderungen tatsächlich umsetzen könne.

V.l.: S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, mit Christoph Maier, Senior Vice President Finance & Accounting der ORAFOL Group, beim wirtschaftspolitischen Austausch in der südkoreanischen Botschaft | BERLINboxx
V.l.: S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, mit Christoph Maier, Senior Vice President Finance & Accounting der ORAFOL Group, beim wirtschaftspolitischen Austausch in der südkoreanischen Botschaft | BERLINboxx

Roderich Kiesewetter rückte insbesondere Wirtschaftsschutz und die Resilienz mittelständischer Unternehmen in den Mittelpunkt. Cyberangriffe, fragile Lieferketten und strategische Abhängigkeiten seien längst Teil der wirtschaftlichen Realität. Staat und Unternehmen müssten deshalb enger zusammenarbeiten und Informationen systematischer austauschen.

Kiesewetter forderte belastbare Lagebilder und klare Ansprechpartner für Unternehmen. Vorhandenes Wissen aus Politik, Sicherheitsbehörden und Forschungsinstituten müsse so aufbereitet werden, dass es auch dem Mittelstand praktisch zur Verfügung stehe. Sein Appell war unmissverständlich: „Wir müssen ins Handeln kommen. Wir sind so verkopft, so theoretisch.“

Roderich Kiesewetter MdB (l.) und Christoph Ahlhaus (r.) beim sicherheitspolitischen Austausch in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft. Im Mittelpunkt standen Resilienz, Wirtschaftsschutz und die Zusammenarbeit zwischen Staat und Mittelstand | BERLINboxx
Roderich Kiesewetter MdB (l.) und Christoph Ahlhaus (r.) beim sicherheitspolitischen Austausch in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft. Im Mittelpunkt standen Resilienz, Wirtschaftsschutz und die Zusammenarbeit zwischen Staat und Mittelstand | BERLINboxx

Für Ahlhaus bestätigt diese Debatte den Anspruch des Bundeswirtschaftssenats, nicht nur Interessenvertretung zu organisieren, sondern einen direkten Austausch zwischen unternehmerischer Praxis und politischen Entscheidungsträgern zu ermöglichen. Gerade in einer Lage, in der wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und Sicherheit zunehmend ineinandergreifen, werde dieser Dialog wichtiger.

Stefan Weiß zum Wirtschaftssenator h.c. ernannt

Ein besonderer Moment des Abends war die Ernennung von Stefan Weiß, Geschäftsführer der medika Medizintechnik GmbH, zum Wirtschaftssenator h.c. Ahlhaus würdigte mit der Auszeichnung eine Unternehmerpersönlichkeit, die exemplarisch für langfristige Verantwortung im familiengeführten Mittelstand stehe.

Christoph Ahlhaus (l.) und Hans-Josef Döllgen (r.) gratulieren Stefan Weiß, Geschäftsführer der medika Medizintechnik GmbH, zur Ernennung zum Wirtschaftssenator h.c. | BERLINboxx
Christoph Ahlhaus (l.) und Hans-Josef Döllgen (r.) gratulieren Stefan Weiß, Geschäftsführer der medika Medizintechnik GmbH, zur Ernennung zum Wirtschaftssenator h.c. | BERLINboxx

Weiß stieg bereits Mitte der achtziger Jahre in das von seinem Vater gegründete Unternehmen ein und entwickelte medika über Jahrzehnte zu einem bundesweit tätigen Medizintechnik-Anbieter weiter. Ahlhaus hob dabei besonders die erfolgreiche Unternehmensnachfolge und die Bereitschaft hervor, auch in schwierigen Zeiten unternehmerisches Risiko für Beschäftigte und Unternehmen zu tragen.

Weiß selbst verband die Ehrung mit einem klaren Bekenntnis zur Zukunft familiengeführter Unternehmen. Die nächste Generation stehe bereits in den Startlöchern. Sein Ziel sei, dass „Mittelstand auch Mittelstand bleibt“. Die Auszeichnung wolle er deshalb nicht als Abschluss eines Lebenswerks verstehen, sondern mit in das Unternehmen nehmen und an die nächste Generation weitergeben.

V.l.: S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, Frank Schmeichel, Wirtschaftssenator h.c. und Managing Principal Business Network, sowie Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, beim Diplomatischen Tag in Berlin | BERLINboxx
V.l.: S.E. Kyungsok Koh, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, Frank Schmeichel, Wirtschaftssenator h.c. und Managing Principal Business Network, sowie Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung des BVMW und Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats, beim Diplomatischen Tag in Berlin | BERLINboxx

Dialog als Standortfaktor

Der Diplomatische Tag zeigte damit, wie weit das Aufgabenfeld moderner Mittelstandspolitik inzwischen reicht. Außenwirtschaft, Technologie, Resilienz und Sicherheit lassen sich immer weniger getrennt betrachten. Gleichzeitig wächst der Bedarf nach direktem Austausch zwischen denen, die politische Rahmenbedingungen gestalten, und denen, die unter diesen Bedingungen investieren, produzieren und Arbeitsplätze schaffen.

Für den Bundeswirtschaftssenat liegt darin eine zentrale Aufgabe: wirtschaftliche Erfahrung in den politischen Dialog einzubringen – und internationale Partnerschaften dort zu stärken, wo sie für den deutschen Mittelstand konkret werden. (fs)

Politische Kulisse des Abschlussabends: Blick auf das Reichstagsgebäude gegenüber der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, wo der Diplomatische Tag des Bundeswirtschaftssenats ausklang | BERLINboxx
Politische Kulisse des Abschlussabends: Blick auf das Reichstagsgebäude gegenüber der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, wo der Diplomatische Tag des Bundeswirtschaftssenats ausklang | BERLINboxx