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Berliner VW-Tochter plant Stellenabbau, Politik zeigt Solidarität
Die IAV-Softwareentwickler stehen womöglich bald vor größeren Problemen | Grafik: Mirko Ziegner, BERLINboxx; Bild: DC Studio, Freepik

Berliner VW-Tochter plant Stellenabbau, Politik zeigt Solidarität

23. März 2026

Über viele Jahre hinweg lief das Geschäft für die Ingenieure des Berliner Automobilzulieferers IAV erfolgreich, doch nun stehen die 1.500 Arbeitsplätze des VW-Subunternehmen auf der Kippe. Der Volkswagen-Konzern hält die Hälfte der Unternehmensanteile, dennoch arbeiten die Softwareentwickler auch für andere Hersteller wie BMW oder Mercedes.

Der Unternehmensslogan „We will solve it“ steht sinngemäß für „Gebt uns ein Problem – wir lösen es.“ Damit versteht sich IAV als Zusammenschluss hoch spezialisierter Entwickler, die an immer komplexeren und intelligenteren Fahrzeugen arbeiten. Zwar produzieren sie keine physischen Güter, doch liefern sie vor allem digitale Lösungen und testen neue Fahrzeugmodelle intensiv auf eigenen Prüfständen. Jedoch ist wie bei vielen Zulieferern die Entwicklung von IAV eng an die großen Automobilhersteller gekoppelt, insbesondere an den Volkswagen-Konzern, welcher mit dem Abbau von 50.000 Stellen ein drastisches Sparprogramm gestartet hat. Bereits im vergangenen Herbst informierte IAV intern über den geplanten Abbau von 1.500 Arbeitsplätzen in Deutschland, davon 1.200 am Stammsitz in Berlin-Charlottenburg.

Laut Betriebsratsvorsitzender Tanja Schneider wurde zwischenzeitlich sogar die Schließung ganzer Standorte als mögliches Szenario genannt, einschließlich des Berliner Hauptsitzes. „Dass wir 1.500 Stellen abbauen müssen, standortübergreifend, haben wir akzeptiert“, sagt Schneider. „Aber wir fordern eine Beschäftigungssicherung für die, die bleiben. Es fühlt sich an, als ob wir kein Zielbild hätten, beziehungsweise keinen Plan, wie dies erreicht werden soll.“ Firmenchef Jörg Astalosch äußerte sich bislang nicht öffentlich dazu.

Arbeitsplätze wandern zunehmend ins Ausland

Bereits Ende Februar erklärte Astalosch in einem Interview, dass sich IAV lange stark auf deutsche Premiumhersteller konzentriert habe – ein Modell, das über Jahre hinweg sehr erfolgreich gewesen sei. In der aktuellen Marktlage gingen jedoch die extern vergebenen Entwicklungsaufträge zurück. Gleichzeitig hätten Wettbewerber frühzeitig internationale Standorte aufgebaut und dadurch ihre Kosten gesenkt. Konkret bedeutet das: IAV plant, in Deutschland zu verkleinern, um im Ausland weiter zu wachsen und insgesamt konkurrenzfähiger zu werden.

Die Belegschaft besteht überwiegend aus hochqualifizierten Fachkräften, viele davon mit akademischem Hintergrund. Klassische Protestformen wie lautstarke Demonstrationen entsprechen daher nicht unbedingt dem typischen Auftreten dieser Berufsgruppe. Dennoch beteiligen sich inzwischen viele Mitarbeitende an Aktionen, wie die „Aktive Mittagspause“ vor der IAV-Zentrale. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach haben daran bereits teilgenommen, und für diesen Mittwoch haben sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sowie Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) angekündigt. Ob dies schon ein Aspekt des Wahlkampfes ist oder tatsächliche Anteilnahme, ist schwer zu sagen – jedoch zeigt die Situation, dass das Thema Abwanderung von Betrieben inzwischen auch ein Berliner Problem ist. (mz)