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Berliner Pharmagespräch 2026: Stärkung des Pharma- und Gesundheitsstandorts
Die Pharmaindustrie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Berlins | Bild: PixelsEffect, Canva

Berliner Pharmagespräch 2026: Stärkung des Pharma- und Gesundheitsstandorts

22. Januar 2026

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sowie Vertreterinnen und Vertreter der Pharmabranche haben beim Berliner Pharmagespräch 2026 ihr gemeinsames Bekenntnis zur Stärkung des Pharma- und Gesundheitsstandorts Berlin erneuert. Im Mittelpunkt des Treffens im Langenbeck-Virchow-Haus standen die Sicherung der Arzneimittelversorgung, die Stärkung der Innovationskraft sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Branche angesichts globaler wirtschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen.

Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Industrie, Verwaltung und Gewerkschaften diskutierten im Rahmen des von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gemeinsam mit dem Verband der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Nordost (VCI Nordost), veranstalteten Formats über zentrale Zukunftsfragen der Branche. Die „Berliner Pharmagespräche“ wurden im vergangenen Jahr initiiert, um einen regelmäßigen Dialog zwischen Politik und Branche zu etablieren.

Innovation und Resilienz als Schlüssel für die Zukunft

Die pharmazeutische Industrie in Berlin steht vor großen Herausforderungen: Internationale Konkurrenz, steigende Produktionskosten, komplexe Genehmigungsverfahren und fragile Lieferketten erfordern gemeinsame Lösungsansätze. Zugleich bietet die Hauptstadt mit ihrer starken Forschungslandschaft, einem leistungsfähigen Mittelstand und innovativen Start-ups hervorragende Voraussetzungen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit als Pharma- und Gesundheitsstandort weiter auszubauen.

Vor diesem Hintergrund stand beim Berliner Pharmagespräch 2026 das Ziel im Mittelpunkt, Berlin langfristig als attraktiven Entwicklungs- und Produktionsstandort für pharmazeutische und gesundheitliche Innovationen zu sichern und zugleich die Krisenfestigkeit des Standorts zu stärken. Ein besonderer Fokus lag auf dem Ausbau resilienter internationaler Lieferketten sowie auf der frühzeitigen gemeinsamen Identifikation und Bewältigung von Versorgungsrisiken, um die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln und Medizinprodukten dauerhaft sicherzustellen.

In einer gemeinsamen Erklärung verständigten sich die Beteiligten auf folgende Schwerpunkte:

  • Stärkung forschungs- und innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen, um Investitionen in Entwicklung und Produktion moderner Arzneimittel zu fördern,
  • Ausbau resilienter und nachhaltiger Lieferketten, um die Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln langfristig zu gewährleisten,
  • Beschleunigung und Vereinfachung von Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren, um Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen,
  • Vertiefung des Austauschs zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, um Herausforderungen frühzeitig zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, betonte: „Die pharmazeutische Industrie ist systemrelevant für unsere Gesundheitsversorgung und darüber hinaus ein starker Wirtschaftsfaktor für die Hauptstadt. Unser Ziel ist es, Berlin als zukunftsweisenden Biotechnologie-, Pharma- und Gesundheitsstandort weiter auszubauen – mit verlässlichen politischen Rahmenbedingungen, gezielten Investitionen in die Produktion und einer starken Forschungsförderung. So sichern wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Berliner Unternehmen, die für über 7.000 Menschen in unserer Stadt Arbeitsplätze schaffen – vom Start-up bis zum traditionellen Familienunternehmen. Zugleich stärken wir unsere Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln und Medizinprodukten und machen Berlin unabhängiger von internationalen Lieferketten. Eine starke Gesundheitswirtschaft und gut aufgestellte pharmazeutische Unternehmen bedeuten Sicherheit und Resilienz gerade auch in Krisensituationen.“

Dr. Jutta Matreux, Vorstandsvorsitzende des VCI Nordost, erklärte: „Das enorme Potenzial des Pharmastandorts Berlin entfaltet sich nicht von selbst: Es braucht schnelle und verlässliche Genehmigungsverfahren, eine leistungsfähige Verwaltung, verfügbare Flächen und vor allem Vertrauen in unsere Unternehmen, die seit Jahrzehnten Verantwortung übernehmen und Arbeitsplätze sichern. Vom globalen Konzern bis zum innovativen Start-up lebt Berlin von einem einzigartigen pharmazeutischen Ökosystem, das wir gemeinsam mit der Politik dauerhaft stärken wollen – für den Standort, für Beschäftigung und für eine sichere Gesundheitsversorgung.“

Würdigung eines Berliner Pharma-Pioniers

Zum Abschluss der Berliner Pharmagesprächs 2026 wurde Dr. Eduard Heyl für seine außerordentlichen Verdienste für den Pharmastandort gewürdigt. Die 1926 von Dr. med. Werner Heyl in Berlin gegründete heutige Heyl Chemisch-pharmazeutische Fabrik leistete nach dem Zweiten Weltkrieg Pionierarbeit, unter anderem bei der Abfüllung von Vitamin B12 und des Antibiotikums Streptomycin zur Tuberkulose-Behandlung. Heute konzentriert sich das Unternehmen auf hochspezialisierte, lebensrettende Arzneimittel für seltene Erkrankungen und Notfallsituationen. In ihrer Laudatio hob Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost, hervor: „Heute ehren wir nicht nur eine außergewöhnliche Unternehmensgeschichte. Wir ehren vor allem eine Haltung: Verantwortung für Patientinnen und Patienten. Verantwortung für unsere Branche. Und Verantwortung für den Standort Berlin.“ (red)