Berliner Hoffest 2026: Berlin übt Zuversicht
Kai Wegner setzt auf Dialog, Olympia und Expo – Wirtschaft und Stadtgesellschaft zeigen Präsenz am Roten Rathaus
Zukunft erleben vor historischer Kulisse
Wenn sich vor dem Roten Rathaus 4.000 Gäste durch Sommerregen, Smalltalk, Sicherheitsschleusen und Sektgläser bewegen, ist wieder Berliner Hoffest. Was andernorts ein Empfang wäre, ist in Berlin ein Stimmungsbarometer: Wer kommt? Wer redet mit wem? Wer bleibt lange? Und wer schafft es, im Gedränge trotzdem strategisch auszusehen?
Das Berliner Hoffest 2026 stand unter dem Motto „Zukunft erleben“ – und genau darum ging es an diesem Abend. Regierender Bürgermeister Kai Wegner hatte Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport, Diplomatie, Medien und Ehrenamt eingeladen. Der Hof des Roten Rathauses wurde damit erneut zu jenem besonderen Berliner Raum, in dem Senat, Start-ups, Stadtwerke, Bauwirtschaft, Diplomatie, Kultur und Currywurst-Nähe ganz selbstverständlich nebeneinanderstehen.
Wegners Botschaft: Mut, Zuversicht, Optimismus
Kai Wegner setzte in seiner Eröffnungsrede auf einen Ton, der in Berlin zuletzt nicht immer selbstverständlich war: Zuversicht. Die Hauptstadt habe große Herausforderungen zu bewältigen, so seine Botschaft, brauche dafür aber mehr Mut, mehr Optimismus und mehr Vertrauen in die eigenen Stärken.
Wegner stellte die Zukunft Berlins ausdrücklich in einen größeren Zusammenhang: Forschung und Wissenschaft, Unternehmen und Start-ups, Sport, Kultur und Sozialverbände seien Teil jener Stadtgesellschaft, die Berlin weiterentwickle. Das Hoffest sollte genau diese Kräfte sichtbar machen – nicht als dekorative Kulisse, sondern als Netzwerk einer Stadt, die trotz aller Probleme wieder stärker über Chancen sprechen will.
Olympia, Expo und die Frage der internationalen Strahlkraft
Besonders sichtbar wurde dieser Anspruch bei den großen Zukunftsprojekten des Abends. Das Olympia-Team informierte gemeinsam mit der Sportmetropole Berlin über die Bewerbung der Hauptstadt um Olympische und Paralympische Spiele. Wegner machte deutlich, dass Berlin dabei nicht auf neue Großbauten setzen wolle, sondern auf Investitionen in bestehende Sportinfrastruktur und ein nachhaltiges Konzept.
Auch die Perspektive einer Expo für die Metropolregion Berlin-Brandenburg rückte Wegner in den Fokus. Berlin sei die internationale Metropole Deutschlands mit besonderer Strahlkraft, und müsse diese Kraft strategisch nutzen. Olympia, Paralympics und Expo wurden damit nicht als Event-Träume präsentiert, sondern als mögliche Hebel für Standortentwicklung, internationale Sichtbarkeit und Investitionen in die Zukunft der Region.
Wirtschaft hört genau hin
Gerade die Berliner Wirtschaft hörte an diesem Abend genau hin. Nach Jahren zäher Debatten über Verwaltung, Genehmigungsverfahren, Wohnungsbau, Infrastruktur und Investitionsbedingungen war auf dem Hoffest ein neuer Ton spürbar: weniger Ritualkritik, mehr Gesprächsbereitschaft, weniger Lagerdenken, mehr Pragmatismus.
Für die Immobilien- und Stadtentwicklung ist dieser Dialog zentral. Steffen Jüstel, Managing Director Development Deutschland bei ZEITGEIST Asset Management, ordnete den Abend aus Sicht der Projektentwicklung ein: „Berlin bleibt einer der spannendsten Transformationsräume Europas. Entscheidend ist jetzt, dass aus politischer Zuversicht konkrete Verlässlichkeit wird – bei Planungsprozessen, Genehmigungen und der Entwicklung neuer Quartiere. Investitionen entstehen dort, wo Perspektive und Umsetzbarkeit zusammenkommen.“
Damit traf Jüstel einen Punkt, der viele Gespräche des Abends prägte: Berlin hat enorme Potenziale, aber diese Potenziale müssen in Projekten sichtbar werden. Zukunft entsteht nicht im Grußwort allein, sondern auf Grundstücken, in Verfahren, in Quartieren, in Infrastruktur und in der Bereitschaft, Komplexität nicht nur zu beklagen, sondern zu managen.
Von der Reformrhetorik zur Projektpraxis
Christian Niehoff, geschäftsführender Gesellschafter der BOHNZIRLEWAGEN GmbH in Berlin, brachte die Perspektive der Bau- und Immobilienpraxis ein. Als Bauingenieur, Immobilienmanager und Projektsteuerer steht er für jene operative Sicht, die politische Reformen an ihrer Wirkung im Alltag misst. „Die Signale des Senats gehen in die richtige Richtung. Aber für die Bau- und Immobilienpraxis zählt am Ende nicht die Ankündigung, sondern die Umsetzung“, sagte Niehoff. „Berlin braucht klare Zuständigkeiten, verlässliche Verfahren und spürbares Tempo. Nur dann wird aus Dialog auch Investitionssicherheit.“
Damit formulierte Niehoff die eigentliche Bewährungsprobe des Berliner Reformkurses: Verwaltungsmodernisierung, schnellere Genehmigungsverfahren und mehr Planbarkeit müssen dort ankommen, wo Projekte tatsächlich entstehen. Die Hauptstadt kann sich gute Absichten leisten, aber keine endlosen Schleifen.
Viele Namen, ein gemeinsamer Stadtraum
Die Gästeliste spiegelte die Breite der Berliner Stadtgesellschaft wider. Gesehen wurden unter anderem Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, heute unter anderem Aufsichtsrätin bei NEXRAIL TopCo S.à r.l. und Chair of the Advisory Board bei Alliance Critical Materials, Udo Hoffmann von Otis, Kerstin Oster, Vorständin Personal und Soziales der Berliner Wasserbetriebe, Thomas Braun, CEO Siemensstadt Square, Medienunternehmer Oliver Dunk, Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG, Prof. Harald Christ, Unternehmer, Investor und Präsident des VBKI, sowie Dr. Diana Taubert von ETL IP.
Auch Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, Jeannine Koch, Vorstandsvorsitzende des Netzwerkvereins medianet berlinbrandenburg, Christian Gérôme, Gründer und Geschäftsführer der Allgemeinen Immobilienbörse, Matthias Trunk, Vorstand der GASAG AG, Stephanie Otto, Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigung, und Franziska Grunske, geschäftsführende Steuerberaterin bei ETL AS, waren vor Ort.
Auch BERLINboxx war am Roten Rathaus vertreten: Frank Schmeichel, Gründer von Business Network Berlin und Verleger von BERLINboxx, sowie Dr. Angela Wiechula, Herausgeberin des BERLINboxx BusinessMagazins, führten zahlreiche Gespräche mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft – ganz im Sinne eines Abends, der vom persönlichen Austausch lebte.
Politische Erfahrung trifft Gegenwart
Zum Charakter des Hoffestes gehörte auch die Präsenz früherer politischer Entscheidungsträger. Unter den Gästen waren unter anderem Stephan Schwarz, ehemaliger Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Dr. Matthias Kollatz, früherer Berliner Finanzsenator, sowie die ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Michael Müller. Gerade solche Begegnungen zeigen, dass das Hoffest nicht nur Gegenwart abbildet, sondern auch politische Kontinuität sichtbar macht.
Berlin bleibt eine Stadt, in der viele, die einmal Verantwortung getragen haben, weiter Teil des Gesprächs bleiben. Das kann manchmal sehr berlinisch sein, aber genau darin liegt auch eine Stärke: Die Hauptstadtgesellschaft vergisst wenig, vernetzt viel und diskutiert fast alles.
Berlin-Originale und Hauptstadtprominenz
Neben Politik und Wirtschaft gehörten auch Kultur, Medien und Unterhaltung sichtbar zum Abend. Die Berliner Originale Barbara Schöne und Dieter Hallervorden zählten ebenso zu den Gästen wie Travestie-Kabarettistin Margot Schlönzke, Schauspielerin und Musikerin Jasmin Tabatabai, Musiker und Bandleader Andrej Hermlin sowie Koch, Gastronom und TV-Persönlichkeit Tim Mälzer. Auch zahlreiche Botschafterinnen und Botschafter, Vertreter von Bühnen, Medienhäusern, Sportverbänden und sozialen Einrichtungen prägten das Bild.
Diese Mischung macht das Hoffest seit Jahren aus. Es ist kein Abend für eine einzelne Branche und kein Empfang für eine politische Blase. Es ist ein Ort, an dem sich Berlin in seiner ganzen Widersprüchlichkeit zeigt: repräsentativ und improvisiert, wichtig und locker, strategisch und gelegentlich herrlich unperfekt.
Ein Abend als Stimmungsbild
Das Berliner Hoffest 2026 vermittelte am Ende ein klares Bild: Kai Wegner sucht den direkten Dialog mit der Stadtgesellschaft und trifft damit einen Nerv. Die Hauptstadt steht vor erheblichen Aufgaben, aber der Abend zeigte auch, dass es in Berlin eine breite Bereitschaft gibt, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft gemeinsam zu gestalten.
Für die Wirtschaft bleibt entscheidend, ob aus Dialog nun Umsetzung wird. Für Projektentwickler, Baupraktiker, landeseigene Unternehmen, Mittelstand und Investoren ist Berlin weiterhin ein anspruchsvoller Standort. Aber es ist auch ein Standort mit enormer Anziehungskraft, internationaler Sichtbarkeit und großem Transformationspotenzial.
Das Hoffest vor dem Roten Rathaus wurde damit zu mehr als einem gesellschaftlichen Höhepunkt im Berliner Kalender. Es war ein Stimmungsbild einer Stadt, die nach schwierigen Jahren wieder stärker über Chancen spricht – und zugleich weiß: Zuversicht ist gut. Verlässliche Prozesse, klare Entscheidungen und sichtbare Projekte sind besser. (eg)