Berlin stemmt sich gegen den Abschwung
Berlin Partner zieht Bilanz: Resilienz wird zum Leitmotiv der Standortpolitik
Trotz eines seit Jahren stagnierenden gesamtdeutschen Wirtschaftsumfelds präsentiert sich die Hauptstadt robust. Auf der Jahresbilanz-Pressekonferenz der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH zeichneten Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und Geschäftsführer Dr. Stefan Franzke das Bild eines Standorts, der sich behauptet und strategisch neu ausrichtet.
Geopolitik als wirtschaftlicher Faktor
Die Bilanz stand dabei nicht losgelöst von der internationalen Lage. Zu Beginn der Pressekonferenz ordnete Giffey die aktuellen Entwicklungen rund um den Iran ein. Aus wirtschaftlicher Sicht sei mit steigenden Ölpreisen und erhöhter Volatilität auf den Energiemärkten zu rechnen. Zwar sei ein unmittelbarer Bruch globaler Lieferketten nicht absehbar, doch die Verwundbarkeit zentraler Handelsrouten werde erneut sichtbar. Resilienz und Diversifizierung seien daher nicht nur politische Schlagworte, sondern ökonomische Notwendigkeiten. Giffey und Franzke betonten zugleich ihre Solidarität mit dem iranischen Volk und dessen Streben nach Freiheit.
Resilienz als Leitmotiv
Vor diesem Hintergrund gewann ein Begriff besonderes Gewicht: Resilienz. Er zog sich wie ein roter Faden durch die Konferenz. Wirtschaftsförderung bedeute zunehmend, die Widerstandsfähigkeit eines Standorts in einem volatilen Umfeld zu sichern.
Die Bilanzzahlen selbst fallen solide aus. Mit einem Investitionsvolumen von 970 Millionen Euro erzielte Berlin Partner das drittbeste Ergebnis der vergangenen 15 Jahre. Angesichts der seit über drei Jahren stagnierenden deutschen Gesamtwirtschaft ist das ein Stabilitätssignal.
278 betreute Projekte führten zu 7.639 Arbeitsplätzen, davon 4.560 neu geplant und 3.079 gesichert. Gerade die Sicherung bestehender Stellen gewinnt an Bedeutung. Wirtschaftsförderung verschiebt sich damit von reiner Expansion hin zur strukturellen Stabilisierung.
Innovationskraft und technologische Souveränität
Auch technologisch bleibt Berlin wettbewerbsfähig. In 96 Innovationsprojekten wurden 172 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung eingeworben – ein Plus von 19 Prozent. 74 Unternehmen siedelten sich neu an, 37 davon international. Mit 218 Finanzierungsrunden und 2,7 Milliarden Euro Risikokapital verteidigt Berlin zudem seine Spitzenposition im deutschen Startup-Ökosystem.
Strategisch an Bedeutung gewinnt die Defense Technology. Mehr als 400 Dual-Use-Unternehmen sind in der Hauptstadtregion aktiv. Technologien aus den Bereichen KI, Cybersecurity, Robotik oder Photonik werden zunehmend als Baustein technologischer Souveränität verstanden.
Struktur statt kurzfristiger Dynamik
Der rote Faden bleibt die strukturelle Widerstandsfähigkeit. Der Berliner Senat arbeitet an einem umfassenden Resilienzkonzept, so Giffey. Der Stromausfall im Januar in Teilen der Stadt habe deutlich gemacht, wie sensibel moderne Metropolen auf Störungen reagieren. Energieversorgung, Mobilfunk und digitale Infrastruktur gelten als kritische Infrastrukturen wirtschaftlicher Stabilität.
Die Botschaft der Konferenz ist klar umrissen: Berlin bleibt investitionsfähig und innovationsstark. Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt von dynamischem Wachstum hin zu strategischer Absicherung. In einem unsicheren globalen Umfeld wird Resilienz zur eigentlichen Standortqualität. (eg)