Berlin wirbt mit Olympia als Zukunftsprojekt für die Hauptstadtregion
Berlin will Olympische und Paralympische Spiele, und die Hauptstadt will sie sichtbar anders denken als frühere Bewerberstädte. Weniger Größenfantasien, mehr nachhaltige Stadtentwicklung. Weniger Neubau-Euphorie, mehr Modernisierung bestehender Infrastruktur. Genau darum ging es beim Informationsabend der Initiative Hauptstadt Berlin e. V. (IHB) im Grand Hyatt Berlin.
Jane Martens, Vorstandsvorsitzende der IHB, begrüßte rund 120 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Diplomatie und Gesellschaft. Schnell wurde deutlich: Die Bewerbung BERLIN+ versteht sich längst nicht mehr nur als Sportprojekt. Vielmehr soll Olympia als Impulsgeber für Mobilität, Wohnungsbau, Infrastruktur und gesellschaftlichen Zusammenhalt wirken.
Kai Wegner setzt auf Berlins internationale Strahlkraft
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, präsentierte die Bewerbung offensiv und selbstbewusst. Während andere Bewerberstädte vor allem mit einzelnen Standorten argumentierten, stellte Wegner die internationale Präsenz Berlins in den Mittelpunkt.
„Es gibt nur eine Stadt in Deutschland, die an 365 Tagen internationale Strahlkraft hat und das ist Berlin“, sagte Wegner mit Blick auf die Konkurrenz aus Hamburg, München und Rhein-Ruhr.
Das Konzept setzt dabei bewusst auf bestehende Sportstätten und vorhandene Infrastruktur. Olympiastadion, Velodrom, Max-Schmeling-Halle oder die Regattastrecke in Grünau sollen modernisiert und langfristig für Sport, Kultur und Veranstaltungen weiterentwickelt werden. Große Neubauten sollen dagegen die Ausnahme bleiben.
Berlin+, Leipzig und Warnemünde: Olympia als Entwicklungsachse
Kaweh Niroomand, Olympia-Beauftragter des Berliner Senats, stellte anschließend gemeinsam mit den Partnerländern Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die strategische Ausrichtung von BERLIN+ vor. Die Bewerbung verbindet Berlin mit Leipzig, Potsdam sowie Rostock/Warnemünde zu einer gemeinsamen ostdeutschen Entwicklungsachse.
Niroomand sprach von einem „ehrlichen Konzept“, das auf vorhandene Ressourcen setzt und zugleich Investitionen in die Zukunft ermöglichen soll. Mehr als 85 Prozent der Athletinnen und Athleten sollen zentral in Berlin untergebracht werden. Gleichzeitig gehe es darum, bestehende Infrastruktur endlich zu modernisieren.
„Die olympische Idee kann nur erfolgreich sein, wenn sie aus der Mitte der Stadtgesellschaft entsteht“, betonte Niroomand. Entsprechend habe Berlin auf Bürgerdialoge, Beteiligungsformate und ein breit besetztes Kuratorium gesetzt.
Sport, Wohnen und Stadtumbau zusammendenken
In der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung des IHB-Beiratsvorsitzenden Prof. Dr. Jens-Uwe Fischer diskutierten Iris Spranger, Senatorin für Inneres und Sport, und Kaweh Niroomand über die langfristigen Effekte der Bewerbung auf Berlin und die Region.
Spranger hob insbesondere die Bedeutung des Breitensports hervor. „Sport ist der Kitt der Gesellschaft“, sagte die Senatorin. Olympia dürfe nicht nur dem Spitzensport dienen, sondern müsse Investitionen in Bäder, Sportstätten, inklusive Angebote und Bewegungsräume in den Kiezen auslösen.
Ein zentrales Projekt ist das Olympische Dorf am Stadteingang West. Während der Spiele sollen dort rund 16.000 Athletinnen und Athleten wohnen, anschließend könnten rund 2.500 Wohnungen entstehen. Ergänzt werden soll das Konzept durch temporäre Arenen an ikonischen Orten Berlins, etwa für Beachvolleyball.
Bohnzirlewagen sieht Chance für nachhaltige Stadterneuerung
Für Christian Niehoff, Geschäftsführender Gesellschafter von BOHNZIRLEWAGEN, einem ganzheitlichen Beratungs- und Managementunternehmen für Bau- und Immobilienprojekte mit Standorten im gesamten Bundesgebiet, liegt die eigentliche Stärke der Bewerbung in ihrer langfristigen Wirkung auf Stadtentwicklung und Infrastruktur.
„Das Konzept setzt wichtige Impulse im Hinblick auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Stadterneuerung“, erklärte Niehoff. Bestehender Investitionsstau könne aufgelöst und Infrastruktur zukunftsfähig modernisiert werden. Entscheidend sei dabei, Sportstätten, Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur bereits heute auf ihre spätere Nutzung auszurichten.
Zugleich sieht Niehoff in der Bewerbung die Chance, internationale Architektur- und Planungskompetenz nach Berlin zu holen: „Die Elite internationaler Architekturbüros für diese Planungs- und Bauaufgaben einzuladen, kann Berlin und der gesamten Region zusätzliche internationale Strahlkraft verleihen.“
Beim anschließenden Empfang wurden die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dimensionen der Bewerbung intensiv weiterdiskutiert, gemeinsam mit Gästen und Vertretern aus Leipzig, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. (eg)