Bauwirtschaft weiter unter Druck – Gewerkschaft rät zum Lohn-Check für Arbeiter
Die Ergebnisse der Frühjahrs‑Konjunkturumfrage 2026 der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau) Berlin und Brandenburg zeigen: Die Bauwirtschaft in der Region bleibt wirtschaftlich stark gefordert. Auftragseingänge stagnieren oder gehen zurück, Umsätze entwickeln sich schwach, Investitionen werden weiterhin zurückgestellt. Eine spürbare konjunkturelle Belebung bleibt bislang aus.
„Viele Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage nur noch als befriedigend oder schlecht, positive Impulse sind weiterhin die Ausnahme. Die Unsicherheit bleibt hoch – insbesondere mit Blick auf Aufträge, Genehmigungen und die Planbarkeit öffentlicher Investitionen“, erklärt Katarzyna Siwek, Geschäftsführerin der FG Bau.
Besonders angespannt ist die Lage bei öffentlichen Aufträgen. Ein erheblicher Teil der Betriebe berichtet von stagnierenden oder rückläufigen Auftragseingängen. Lange Genehmigungszeiten, komplexe Vergabeverfahren und fehlende Planungssicherheit bremsen die Bautätigkeit zusätzlich. Gleichzeitig hat sich der Wettbewerb um öffentliche und private Aufträge weiter verschärft: Mehr Bieter, steigender Preisdruck und sinkende Margen setzen vor allem den Mittelstand unter Druck. Auch die Zahlungsmoral öffentlicher Auftraggeber wird weiterhin kritisch bewertet.
Rückblick: Tag der Immobilienwirtschaft 2026 – Branche fordert Tempo, Vertrauen und einen Staat, der ermöglicht
„In dieser Situation muss der Staat stärker als verlässlicher Auftraggeber und Investitionsmotor auftreten. Öffentliche Mittel müssen zügig und vollständig in Projekte fließen. Entscheidend sind jetzt schnellere Verfahren, klare Zuständigkeiten und eine konsequente Umsetzung der angekündigten Beschleunigungsmaßnahmen“, betont Sascha Gresitza, Präsident der FG Bau.
Berliner Bauarbeiter sollten „Lohn-Check“ machen
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) rät, wer auf dem Bau in Berlin arbeitet, sollte einen genauen Blick auf seine aktuelle Lohnabrechnung werfen. „Der Lohn-Check lohnt sich. Denn der Tariflohn für Fachkräfte ist im April um knapp 1,30 Euro pro Stunde gestiegen. Das ist ein Plus von 5,1 Prozent. Damit müssen vom Beton- und Straßenbauer über den Maurer und Kranführer bis zur Bürokraft ab jetzt bei jedem, der einen Vollzeitjob hat, knapp 220 Euro pro Monat mehr auf dem Konto sein“, sagt Thomas Hentschel von der IG BAU Berlin. Der aktuelle Stundenlohn für eine Fachkraft liege nun bei 26,05 Euro. Insgesamt arbeiten in Berlin nach Angaben der IG BAU rund 28.100 Beschäftigte in 2.460 Baubetrieben. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. (red)