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Jahresauftakt 2020: Mahler, Beethoven, Suks – Petrenko und die Berliner Philharmoniker
Jahresauftakt 2020: Die beiden Großen auf der Bühne der Berliner Philharmonie | Foto: BERLINboxx

Jahresauftakt 2020: Mahler, Beethoven, Suks – Petrenko und die Berliner Philharmoniker

27. Januar 2020

Ein ganz besonderer Geist verbindet die Berliner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko. Das wurde evident in den Auftakt-Konzerten des Jahres mit Werken von Beethoven, Suks und Mahler.

Mahlers 6. Sinfonie – mitreißend und gewaltig dargeboten

Mahlers 6. Sinfonie, die Tragische, die neben großer Orchesterbesetzung Kuhglocken und den berühmten Mahler-Hammer aufzubieten hatte, wurde ergreifend, mitreißend und gewaltig dargebracht. Es ist immer ratsam die Darbietung einen Tag nach dem Debüt zu besuchen, da dann die ersten Unstimmigkeiten zwischen Dirigent und Orchester geglättet werden können.

Es war kein Kampf zwischen Dirigent und Orchester, es war ein harmonisches Ringen um die dramatische Expressivität dieses persönlichsten Mahler-Werkes. Petrenko zeigt dabei eine große Leichtigkeit, Verspieltheit, ja hingebungsvolle Lust im Dialog mit seinem Orchester. Sein Dirigat ist beinahe zärtlich, tänzerisch, das Gegenteil von brachial oder zuchtmeisterlich. Und auf seinem Antlitz lassen sich alle Nuancen dieser immer gefühlvollen Musik ablesen. So führt er durch dieses 1903 und 1904 komponierte Werk, das nicht von Mahler mit dem Beinamen „Tragische“ versehen wurde und dennoch viel von der Tragik des Künstlers Mahler zum Ausdruck bringt. Das Wort-Rätsel wäre die bessere Charakterisierung für dieses Werk, das mehr als 110 Musiker auf der Bühne vereint und bis zu 85 Minuten zu fesseln versteht.

Die Mahlersche Gefühlswelt – in vier Sätzen

Im ersten Satz dominiert der Marschrhythmus und symbolisiert die martialische Welt von Gleichschritt und Kampfgeist. Visionär nimmt der Komponist 10 Jahre vor Beginn des ersten Weltkrieges das Jahrhundert der Weltkriege vorweg. Und kontrapunktisch zeigt sich leise, von sanften Holzbläsern intoniert ein kleines Idyll, eine leise, harmonische Welt von liebreizender Natur. Welcher Kontrastreichtum, wenn die Pauken eindringlich das Heroische intonieren.

Unruhig, voller Brüche setzt sich der zweite Satz fort. Das Scherzo wechselt ab von wuchtig und tobend bis sanft und tänzerisch.

Im dritten Satz Andante Moderato brilliert das Solohorn elegisch, abgelöst von Seufzertönen und der Schönheit der Streicher, die Glücksmomente hervorrufen. Die Herdenglocken vermitteln eine unbeschwerte Volkstümlichkeit. Dieser Ruhepunkt der Sinfonie mit stark lyrischen Bezügen weist auf Alma, die junge Frau Mahlers hin.

Im vierten Satz kulminiert die Mahlersche Gefühlswelt in einer Apokalypse: Peitschenschläge, Schicksal und Zusammenbruch, eine Steigerung menschlicher Emotionen in allen dramatischen Facetten – ein gewaltiger Satz und ein verzweifeltes, aufbäumendes Finale.

Die Berliner Philharmoniker – ohnegleichen

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur einer der besten Klangkörper der Welt, sie verzeichnen auch großartige Solisten, wie diese Aufführung einmal mehr bewies. Und Petrenko wird geliebt. Seine Präzision, sein Einfühlungsvermögen, seine Ernsthaftigkeit und Dialogfähigkeit machen ihn zu einem Ausnahmedirigenten. Seine Jugend lässt erwarten, dass die Berliner Philharmoniker einen Jahrhundertdirigenten erhalten. Mit Respekt und der bestmöglichen Harmonie der unterschiedlichen Virtuosen konnte die Konzertwelt Anfang Januar Kirill Petrenko und den großen Pianisten Daniel Barenboim im 3. Klavierkonzert von Beethoven erleben. Der 77-jährige Pianist, eine Ikone der Musikwelt, der vor 56 Jahren in der Philharmonie als Pianist debütierte, und Petrenko, der in einigen Tagen 48 Jahre alt wird, vereint in einer Meisterschaft, die jetzt schon zu den Hochgenüssen des Jahres 2020 zu zählen sind.

Die Asreal-Sinfonie

Im Anschluss ein Komponist, dem Petrenko am Herzen liegt: Josef Suk. Die Asreal-Sinfonie, die nach einem mythologischen Todesengel benannt ist, hat -wie Mahlers 6. Sinfonie – stark biografische Züge und behandelt das Thema Tod in einer bewegend-dramatischen Tonsprache. Mit diesem Werk arbeitete der tschechische Komponist den Tod seines Schwiegervaters Antonin Dvořák und den frühen Tod seiner Frau auf. Ein weitgehend unbekannter Komponist, dessen Bezüge zu seinem Zeitgenossen Gustav Mahler erkennbar sind und der nun – Dank Petrenko – aus der Vergessenheit geholt wird.

Die Konzerte mit Musik von Strawinsky, Zimmermann und Rachmaninow, dirigiert von Kirill Petrenko, am 12.-15. Februar sind bereits ausverkauft. (fs)