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Schule abgeschlossen – wie geht es weiter?
Viele junge Berliner hoffen trotz Corona auf einen Ausbildungsplatz. | Foto: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Schule abgeschlossen – wie geht es weiter?

31. Juli 2020


Der Markt für Auszubildende war bereits in den letzten Jahren ein schwieriges Thema. Viele Unternehmen suchen und finden keine geeigneten Kandidaten. Gleichzeitig gibt es immer einige Jugendliche, die ohne Ausbildungsplatz bleiben. Corona verschärft die Situation und schürt Ängste. Der Senat versucht, hierbei zu helfen.

Ausbildung schützt vor Arbeitslosigkeit

Ungewissheit – neben Corona ist das wohl eines der Wörter des Jahres 2020. Die Zukunft kann nie vorhergesehen werden, aber wenn sich die Welt in einer Ausnahmesituation befindet, ist es besonders schwierig. Kommt der zweite Lockdown oder nicht, welche Corona-Maßnahmen werden uns im Winter bevorstehen, welche Betriebe werden auch noch im Jahr 2021 existieren, welche gehen bankrott – überall ein großes Fragezeichen.

Es ist eine beängstigende Situation gerade für die, die diesen Herbst die vertraute Umgebung der Schule verlassen müssen. Denn die Arbeitslosenzahlen in Deutschland steigen. In Berlin lag die Arbeitslosenquote im Juli bei 10,8 Prozent, was einem Anstieg von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Häufig werden diejenigen als erstes entlassen, die zuletzt kamen – eingestellt wird dementsprechend wenig.

Aktuell sind 8.491 junge Berliner auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Immerhin suchen 6.306 Unternehmen nach Azubis. Doch der Blick in die Zukunft scheint düster. Der Arbeitsmarkt war die letzten Jahre ohnehin schon angespannt, die Zahl der Berliner Betriebe, die ausbilden ist 2019 auf 11,2 Prozent gesunken.

Dabei sind Ausbildungsplätze enorm wichtig: nichts schützt mehr vor der Arbeitslosigkeit als eine Ausbildung. 2019 lag die Arbeitslosenquote derjenigen ohne Berufsabschluss bei 25 Prozent, während die Quote für Personen mit einem Abschluss bei lediglich 4,4 Prozent lag.

Senat hilft

Daher versucht der Senat vor allem in dieser brenzlichen Lage, den Berliner Jugendliche bestmöglich zur Seite zu stehen. „Der Senat unterstützt in dieser schwierigen Situation die berufliche Ausbildung durch eine Erweiterung des Berliner Ausbildungsplatzprogramms (BAPP). In dessen Rahmen werden bereits seit einigen Jahren jährlich jeweils 500 Plätze angeboten. In diesem Jahr stehen Mittel zur Finanzierung von 500 zusätzlichen Ausbildungsplätzen zur Verfügung.“, erklärte Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales.

Zudem werde der Senat am 26.08.2020 gemeinsam mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie der Bundesagentur für Arbeit einen Arbeitsmarktgipfel veranstalten und Maßnahmen erarbeiten, wie der aktuellen Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt entgegenzutreten sei. Von besonderer Bedeutung sei in diesem Jahr die Nachvermittlung von Auszubildenden. Dabei sei vor allem wichtig, Ausbildungsinteressierte und Ausbildungsbetriebe zueinander zu bringen.

„Ein erfolgreicher und konkurrenzfähiger Wirtschaftsstandort braucht Fachkräfte. Die Ausbildung junger Menschen ist eine wichtige Investition in die Zukunft.“, so Breitenbach weiter.

Aussicht für Ausbildungsplatz Suchende vielleicht doch nicht so schlecht?

Trotz der aktuellen Situation gibt es Hoffnung für alle Suchenden. „Berliner Unternehmen haben im Juli wieder mehr Ausbildungsplätze gemeldet als noch im Juni. Das lässt hoffen, dass am Ende weniger Ausbildungsplätze Corona-bedingt wegfallen als befürchtet.“, sagte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm.

Viele Unternehmen haben eher massive Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Das sehe man auch bei den Anmeldungen für die erste virtuelle Ausbildungsmesse. Bislang kämen auf jeden angemeldeten Jugendlichen zwei Ausbildungsplätze.

„Die Frage lautet also: Wo sind die Jugendlichen – und wie kann man sie erreichen? Priorität muss jetzt für alle Arbeitsmarktakteure haben, die Jugendlichen zu erreichen und dafür auch mal neue Wege zu gehen. Dafür sollte die Jugendberufsagentur zur Influencerin werden und die Jugendlichen dort abholen, wo sie sich aufhalten: Das kann ein Pop-Up-Store in der Mall sein oder die adressatengerechte Bespielung von Social-Media-Kanälen.“, empfiehl Kramm. (aak)